• Nationaltrainer von Jamaika im Interview: Winfried Schäfer: "Überall höre ich Bob Marley"

Schäfer über den FC Augsburg, Hertha BSC und Kingston.

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Nationaltrainer von Jamaika im Interview : Winfried Schäfer: "Überall höre ich Bob Marley"
Winfried Schäfer, 64, hat als Trainer auch bei Tennis Borussia gearbeitet.
Winfried Schäfer, 64, hat als Trainer auch bei Tennis Borussia gearbeitet.Foto: picture alliance / dpa

Die Trainingsbedingungen in Deutschland sind auch perfekt. Wie sehen Sie die Liga? Die Bayern kaufen doch alles kaputt.

Die haben damals auch den KSC kaputtgekauft. Sie haben unsere wichtigsten Spieler geholt. Du kannst die Bayern nicht stoppen, die machen das sehr geschickt. Das Problem sind die anderen Vereine. Nehmen wir Berlin. Die Hertha hat ein Olympiastadion mit 74 000 Plätzen. Augsburg hat ein Stadion mit 28 000 Plätzen. Warum ist Augsburg besser? Weil sie viel besser arbeiten. Leverkusen spielt gegen Bayern relativ gut, dann kommt Paderborn, und gegen die gewinnen sie nicht. Das ist das Problem.

Sie sind ja total auf dem Laufenden.

Klar, Fußball ist mein Leben. Ich interessiere mich für den Fußball nicht nur hier. Ich freue mich über Augsburg und Paderborn, wie die Jungs da mit so wenig Geld einen modernen Powerfußball spielen.

Haben Sie überhaupt noch Lust auf Deutschland?

Ich freue mich immer wieder, wenn ich nach Deutschland komme und ein kalter Regen fällt. Wenn ich andere Vegetation und Bäume habe. Nur warm ist auch nicht schön. Wenn man aus der Eifel kommt, ist man heimatverbunden. Wir sind eigentlich keine Typen, um in der Welt herumzuziehen. Bei mir fing’s damit an, dass ich nach Kamerun gegangen bin. Dann ist man raus aus dem Karussell der Bundesliga, und es ist unheimlich schwer, wieder reinzukommen.

Jetzt wohnen Sie in Kingston. Das ist kein einfaches Pflaster. Leben Sie da hinter Schutzzäunen mit Sicherheitsleuten?

Ja, das ist so eine Art Campus, das habe ich in den Emiraten auch gehabt. Ich wohne in den Hills, also den Bergen nahe Kingston und kann über die ganze Stadt schauen. Ich habe auch keine Angst, in Kingston herumzufahren. Letztes Mal war die Straße gesperrt, dann hörte ich, da sind gerade zwei Leute erschossen worden. Aber woanders passieren auch schlimme Dinge. Sogar in Deutschland gibt es Gegenden, da geht kein Polizist mehr rein.

Das Gespräch führte Hella Kaiser.

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