Nations League im Schongang : Die Uefa bekommt die englische Quittung

Mit dem Finalturnier der Nations League will die Uefa europäischen Spitzenfußball zelebrieren. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Ein Kommentar.

Spätes Vollgas. Englands Nationaltrainer bringt seinen vielleicht besten Spieler, Dele Alli, in der Verlängerung.
Spätes Vollgas. Englands Nationaltrainer bringt seinen vielleicht besten Spieler, Dele Alli, in der Verlängerung.Foto: Susana Vera/Reuters

Gewissermaßen hatte der europäische Fußballverband, Uefa, Glück in den vergangenen Tagen. Bereits vier Tage nach dem Finale der Champions League stand zwischen Gastgeber Portugal und der Schweiz das erste Halbfinale um den Titel der Nations League an (3:1). Und in Xherdan Shaqiri hatte nur einer der Akteure, der in Porto auf dem Rasen wirbelte, eben dies auch mit dem FC Liverpool am Samstag in Madrid getan. Alle anderen Akteure hatte genügend Zeit, um sich nach der strapaziösen Saison zu erholen. Immerhin gehören sie alle den europäischen Top-Klubs an und nicht wenige tanzten bis zuletzt auf drei Hochzeiten.

Anders sah es am Donnerstag in Guimaraes aus im zweiten Halbfinale zwischen der Niederlande und England (3:1 nach Verlängerung). Neun Spieler, die für Liverpool oder bei den Tottenham Hotspur spielen, waren in Portugal dabei. In der holländischen Startelf standen Virgil van Dijk und Georgino Wijnaldum, Englands Nationaltrainer Gareth Southgate verzichtete auf seine sieben Final-Teilnehmer gänzlich. Es war, ohne Wenn und Aber, ein Nachteil. Denn statt unumstrittenen Stammspielern wie Dele Alli oder Jordan Henderson standen Debütant Declan Rice von West Ham oder Ben Chilwell von Leicester City in der Startelf.

Es zeigt das Problem auf: Der Zeitpunkt des Final-Four-Turniers der Nations League ist mehr als ungünstig. Denn es ist nun mal so, dass im Final Four der Nations League für gewöhnlich die Teams mit den Spielern stehen, die auch in ihren Vereinen absolute Leistungsträger sind. Und die stehen mit ihren Vereinen mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit auch im Champions-League-Finale.

Und es ist doch unfair, wenn die Nationalteams, die sich Ende des vorigen Jahres zurecht einen Platz im Final Four erkämpft haben, in diesem nicht mit der Top-Elf antreten können, da der europäische Fußballverband eben dieses Finalturnier um die Nations League so unglücklich legt. Und so schafft die Uefa selbst die Voraussetzung dafür, dass das Finalturnier eben nicht das bietet, das es bieten soll: europäischen Spitzenfußball zu zelebrieren.

Finalturnier zu weit von der Gruppenphase entfernt

Es wäre beispielsweise möglich, das Finalturnier noch im selben Jahr auszuspielen, in dem auch die Gruppenphase stattfindet. So ist auch die Aufmerksamkeit eine ganz andere. Denn zwischen Gruppenphase und Finalturnier lagen nun knapp sechs Monate. Viele haben da schon fast vergessen, dass es diesen Wettbewerb überhaupt gibt.

Dass die Spiele trotzdem fast ausverkauft sind, liegt daran, dass das Finalturnier in einem der Teilnehmerländer ausgespielt wird. Daran sollte die Uefa unbedingt festhalten, um nicht ein ähnliches Desaster wie mit dem Europa-League-Finale in Baku zu erleben. Doch auch hier hatte die Uefa Glück - mit der Auslosung: Ein Halbfinale zwischen der Schweiz und England hätten wohl weniger Leute gerne gesehen. Mal sehen, wie es im Spiel um Platz drei am Samstag aussieht. Beim Finale muss sich der Verband keine Sorgen machen: Immerhin spielt am Sonntag der portugiesische Gastgeber gegen England.

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