Neuer Europapokalwettbewerb : Nur ein Almosen der Uefa

Die Uefa führt einen dritten Klubwettbewerb ein und spricht von Solidarität den kleineren Nationen gegenüber. Das ist zynisch. Ein Kommentar.

Durch die Reform sollen es Vereine wie Düdelingen häufiger in den Europapokal schaffen. Die Luxemburger spielten in dieser Saison schon gegen den großen AC Mailand.
Durch die Reform sollen es Vereine wie Düdelingen häufiger in den Europapokal schaffen. Die Luxemburger spielten in dieser Saison...Foto: Miguel MEDINA / AFP

Solidarität war das Schlüsselwort am Sonntagabend. Der europäische Fußballdachverband Uefa führt ab 2021 einen dritten Europapokalwettbewerb ein. Weil die kleineren Nationen in der Champions und Europa League meist nicht mal über die Qualifikation hinauskommen, wird nun aufgestockt – damit mehr Vereine partizipieren können und am Ende vielleicht auch den ein oder anderen Euro mehr verdienen. So in etwa stellen es zumindest die höchsten europäischen Fußballfunktionäre dar. Eines verschweigt die Uefa jedoch: Dass die kleineren Verbände international maximal noch Komparsen sind, ist allein ihrer Profitgier geschuldet.

Das hat vor allem mit dem fortschreitenden Umbau der Champions League zu einer Exklusivveranstaltung der europäischen Spitzenklubs zu tun. Bis 1997 waren nur Landesmeister zur Teilnahme berechtigt und damit selbstverständlich auch die Vertreter aus Rumänien, Island oder Kroatien. Nach und nach wurde dieses Konzept aufgeweicht, es kamen die Vizemeister aus den großen Nationen dazu, dann auch die Dritten und seit dieser Saison sind auch die Viertplatzierten aus Deutschland, England, Spanien und Italien direkt qualifiziert. Dadurch steigt zwar zweifellos die fußballerische Qualität, aber ganz sicher nicht die Vielfalt. Aus den großen Nationen treten immer wieder die gleichen Mannschaften an und es bleibt weniger Platz für vermeintliche Außenseiter, die die Uefa ohnehin nicht in ihrem Premiumprodukt haben möchte. Wenn AEK Athen wie in dieser Spielzeit punktlos am Ende der Gruppe steht, schaltet außerhalb Griechenlands niemand ein – und die Zahl der TV-Zuschauer entscheidet nun einmal, wie viel es zu verdienen gibt.

Auch in der Europa League macht es die Uefa den kleinen Verbänden maximal schwer. Erst nach vier Qualifikationsrunden geht es in die Gruppenphase und spätestens da ist für die Außenseiter im Regelfall Schluss. Ab 2021 haben 34 statt bisher 26 Nationen einen Platz in der Gruppenphase eines der drei Wettbewerbe sicher, insgesamt nehmen dann 96 Mannschaften teil. Wenn es ernst wird und um Titel geht, werden auch dann aber wohl wieder nur die Klubs aus den größeren Verbänden das Sagen haben. Denn so wie die Gruppendritten aus der Champions League momentan in die Europa League absteigen – und diese dann oft auch gewinnen –, so ist es später auch eine Ebene darunter.

Dass sich die Uefa nun ernsthaft für die Einführung des dritten Wettbewerbs feiert, ist absurd und zynisch. Denn mit Solidarität hat die Entscheidung am allerwenigsten zu tun. Wie fast immer geht es um Macht und Geld. Mehr Spiele bedeuten mehr Geld und die kleineren Nationen haben auf dem Rasen vielleicht kein großes Gewicht mehr, bei Abstimmungen und Wahlen bei der Uefa allein aufgrund ihrer Anzahl aber durchaus. Die Ausweitung des Europapokals für Vereinsmannschaften ist somit im selben Licht zu sehen wie die Einführung der Nations League: Ein Almosen für die Kleinen, damit sie die Großen weiter unter sich spielen lassen.

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