Neuer Trainer beim Hamburger SV : Was hat Dieter Hecking da falsch verstanden?

Beim Abschied aus Gladbach hat Dieter Hecking vorzeitige Trainerentlassungen angeprangert. Da hat er ja nun den passenden Verein gefunden. Eine Glosse.

Leonard Brandbeck
Bitte recht freundlich: Dieter Hecking bei seiner Präsentation als neuer Trainer des Hamburger SV.
Bitte recht freundlich: Dieter Hecking bei seiner Präsentation als neuer Trainer des Hamburger SV.Foto: Markus Scholz/dpa

Vor zwei Wochen saß Dieter Hecking nach seinem letzten Spiel als Trainer von Borussia Mönchengladbach etwas bedröppelt auf der Pressekonferenz, als einer der Journalisten von ihm wissen wollte, ob das Fußballgeschäft angesichts der vielen vorzeitigen Entlassungen von mehr oder weniger erfolgreichen Trainern in der abgelaufenen Saison eine „unmenschliche Branche“ für die Chefcoachs darstelle.

„Puh, jetzt kommt diese Frage zum Abschluss“, atmete Hecking einmal tief durch. „Da könnte ich jetzt einen Aufsatz drüber schreiben.“ Dann legte er los und kritisierte die Zustände in der Bundesliga: „So darf es auf keinen Fall weitergehen“, sagte er. „Ich glaube, dass das uns Trainern überhaupt nicht guttut, weil damit das Hire and Fire noch mehr geschürt wird.“ Und: „Eigentlich können wir Trainer zuhause bleiben, weil uns braucht keiner.“ Eindrückliche Worte.

Zuhause bleiben wollte Hecking dann aber offensichtlich doch nicht: Am Mittwoch hat er einen neuen Verein gefunden. Einen, der sich seit Jahren durch Kontinuität und Verlässlichkeit auszeichnet. Einen, der wie kein zweiter Klub in der Branche für seriöse Arbeit und ein ruhiges Umfeld steht. Einen, der sich seinen Trainern verschreibt und ihnen Zeit und Rückendeckung verschafft, in Ruhe eine schlagkräftige Mannschaft zu entwickeln. Hätte er wahrscheinlich gerne gehabt. Es wurde dann aber doch der Hamburger SV.

Beim Weiterhin-Zweitligisten sieht es nicht ganz so rosig aus. 17 Trainer hatte der HSV in den letzten zehn Jahren. Nur zwei davon überstanden eine ganze Spielzeit: Thorsten Fink in der Saison 2012/13 und Bruno Labbadia in der Saison 2015/16. Zu Beginn der vergangenen Runde erhielt der damalige Trainer Christian Titz ganze zehn Spiele Zeit, um seine Künste zu zeigen. Hamburg hat sich den Ruf als größte Trainerschleuder im deutschen Profifußball in den letzten Jahren jedenfalls hart erarbeitet. Wenn kein großes Wunder passiert, dürfte Hecking also – ganz entgegen seiner Intention – doch bald wieder in der Hire-and-Fire-Maschinerie verpuffen.

Wenigstens über eines muss sich Hecking bei seinem neuen Verein jedoch keine Sorgen machen: Auf seiner letzten Pressekonferenz für Mönchengladbach vor zwei Wochen prangerte er vor allem die Entlassungen von Trainern an, die gehen mussten, obwohl sie eigentlich recht erfolgreich mit ihren Teams unterwegs waren. Er selbst musste in Gladbach nach einem fünften Platz gehen. „Dass man im Erfolgsfall damit rechnen muss, gehen zu müssen, das ist eine neue Geschichte“, sagte Hecking. Doch wenigstens das dürfte ihm bei seinem neuen Verein erspart bleiben. Denn Erfolg war beim HSV in den letzten Jahren das geringste Problem.

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