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Niederlage in Wimbledon gegen Novak Djokovic : Philipp Kohlschreiber ist der perfekte Auftaktgegner

Philipp Kohlschreiber scheidet in Wimbledon gegen Novak Djokovic aus. Für den 35-jährigen Deutschen stellt sich nun die Frage nach seiner Zukunft.

Schon Schluss in Runde eins. Kohlschreiber unterlag an der sehr schweren Auftakthürde Novak Djokovic.
Schon Schluss in Runde eins. Kohlschreiber unterlag an der sehr schweren Auftakthürde Novak Djokovic.Foto: REUTERS

Gerhard Schröder hatte sichtlich Spaß. Und mit dem deutschen Alt-Bundeskanzler auch die knapp 15 000 Fans auf dem Centre Court von Wimbledon. Philipp Kohlschreiber lieferte Titelverteidiger Novak Djokovic einen großen Kampf, den er aber trotz aller Anfeuerung am Ende verlor. 3:6, 5:7 und 3:6 lautete das nüchterne Endergebnis. Kohlschreiber hatte dem Weltranglistenersten in den drei Sätzen alles abverlangt, aber in den entscheidenden Situationen fehlte dem 35-jährigen oft auch ein bisschen das Glück.

Schon zum vierten Mal in diesem Jahr standen sich die beiden Profis gegenüber, einmal hatte Kohlschreiber seinen serbischen Kontrahenten dabei besiegen können. Das war in Indian Wells auf Hartplatz, auf Sand in Monte Carlo war der Deutsche ebenfalls nah dran. Und auch diesmal war es ein Spiel mit vielen spektakulären Ballwechseln, die Kohlschreiber oft bestimmte und immer wieder auch gewann. Zu seinem Leidwesen unterliefen ihm allerdings auch zu viele leichte Fehler und beim Aufschlag fehlten Kohlschreiber im Vergleich zu seinem Kontrahenten dann doch ein paar Körner.

„Ich denke, es ist das ideale Eröffnungsmatch. Er hat viel Qualität auf jedem Belag. Das war ein harter Test für mich, alle Sätze waren ziemlich eng“, sagte Djokovic nach dem Match. Der 32-jährige Serbe schätzt Kohlschreiber, entsprechend freundlich fiel auch der Handshake am Netz aus. Tatsächlich waren das nicht nur nette Worte des Siegers an den Unterlegenen. Kohlschreiber hatte gleich mit einem Break begonnen. Die Herausforderung bestand allerdings darin, die Führung zu behaupten – gerade gegen Spieler von der Qualität eines Spielers wie Novak Djokovic.

Damit klappte es weder im ersten noch im zweiten Durchgang, wo Kohlschreiber dem Gegner ebenfalls sofort dessen erstes Aufschlagspiel abnahm. Die Zuschauer raunten und staunten bei vielen langen Rallyes. Und auch Gerhard Schröder lachte immer wieder und klatschte begeistert, wenn am Ende eines Ballwechsels Kohlschreiber die Oberhand behielt. Beim Stand von 4:4 wehrte der Deutsche noch drei Breakchancen ab, beim 5:5 gelang ihm das dann nicht mehr. Djokovic hielt danach sein Aufschlagspiel, musste aber anschließend weiter hart arbeiten. Erst nach dem 3:3 im dritten Satz baute Kohlschreiber schließlich ab.

Kohlschreiber nur noch der drittbeste Deutsche

Wie oft man ihn noch in Wimbledon sehen wird, dürfte abzuwarten bleiben. In der Weltrangliste ist er inzwischen als 57. nur noch drittbester Deutscher nach Alexander Zverev und Jan-Lennard Struff. Von Rücktrittsgedanken wollte Kohlschreiber bisher allerdings nicht wissen, in einer Zeit in der Über-30-Jährige das Tennis bei den Männern dominieren, verwundert das nicht. Und schließlich hat auch er vier seiner acht Einzeltitel im Alter jenseits der 30 gewinnen können. Insgesamt konnte Kohlschreiber auf jedem Belag einmal triumphieren, das zeigt seine Vielseitigkeit

Trotzdem wird ihm die Frage nach dem Karriereende in der Zukunft häufiger gestellt werden, auch wenn er nach dem Match sagte, „dass er hoffentlich noch ein paar Jahre spielen“ wird. Sein Spiel ist relativ kraftaufwändig, Kohlschreiber muss für jeden Punkt hart arbeiten. Er hat viele gute Schläge, aber keinen derart zwingenden in seinem Repertoire, um damit die Ballwechsel kurz und schmerzlos zu gestalten. Und er lässt oft zu viele Chancen liegen. So wie am Montag auf dem Centre Court von Wimbledon. Mehr als ein paar tolle Punktgewinnen bleiben ihm damit nicht von diesem Turnier.

Auch deshalb spielt ein Topstar wie Novak Djokovic durchaus gern zum Start gegen Profis vom Typ Kohlschreiber. Der Deutsche gibt seinen Gegnern Rhythmus und stellt zumindest bei Grand Slams keine wirkliche Gefahr dar. „Je effizienter du in der ersten Woche spielst, desto besser“, sagte Djokovic vor dem Start von Wimbledon. Für seinen Gegner ist die Rasensaison hingegen vorbei, Gerhard Schröder konnte da auch nur anerkennend Beifall spenden. Und wie manch anderer Tennisfan und Spieler wird er vielleicht insgeheim hoffen, dass Philipp Kohlschreiber noch das ein oder andere Jahr dranhängt.

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