• Niklas Stark von Hertha BSC im Interview: "Es macht Spaß, denen auf den Sack zu gehen"

"Es macht Spaß. denen ein bisschen auf den Sack zu gehen"

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Niklas Stark von Hertha BSC im Interview : "Es macht Spaß, denen auf den Sack zu gehen"

Borussia Dortmund ist ein Spitzenteam. Eigentlich kann Hertha nichts passieren.

Sie meinen, weil wir nur gewinnen können?

Nein, weil Hertha im Moment die Angewohnheit hat, gegen die sogenannten Großen sehr viel besser auszusehen.

Gegen große Mannschaften macht es uns besonders Spaß, das stimmt.

Das müssen Sie erklären.

Es macht Spaß, denen ein bisschen auf den Sack zu gehen und auch zu zeigen, dass wir nicht schlechter sind. Da ist die Ausgangslage auch eine andere. Gegen solche Gegner willst du dich einfach beweisen. Deshalb sind wir wahrscheinlich noch einen Tick motivierter. Dazu ist das Stadion ausverkauft. Solche Spiele sind einfach geil.

Liegt das auch daran, dass man in solchen Spielen eine größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann?

Ich glaube nicht, dass wir deswegen besser spielen. Aber wenn du es in einem Spiel gut gemacht hast gegen einen Topklub, willst du solche Leistungen natürlich immer wieder bestätigen. Das machen wir zurzeit sehr gut. Uns macht es Riesenspaß, neben dem Spielerischen auch die kämpferische Komponente einzubringen. Ich hoffe, dass es gegen Dortmund genauso sein wird. Ich glaube, da ist viel drin. Wenn du Spaß an dem hast, was du machst, wenn Erfolgserlebnisse dabei sind – und seien es nur Kleinigkeiten –, wenn jeder sich pusht, dann ist vieles möglich.

Wie sehr ärgert es Sie dann, dass die Mannschaft gegen vermeintlich kleinere Mannschaften wie Düsseldorf, Stuttgart oder Freiburg nicht in der Lage ist, sich aus sich selbst heraus zu motivieren?

Ich würde nicht sagen, dass wir gegen Düsseldorf, Stuttgart oder Freiburg nicht motiviert sind. Aber das sind eben von der Ausgangslage her auch andere Spiele.

Inwiefern?

Man muss viel mehr selbst agieren: das Spiel selber gestalten, selber die Räume suchen, viel stärker offensiv denken. Anscheinend liegt uns das nicht so. Das nervt schon, das muss ich ehrlich sagen. Wobei ich damit nicht unbedingt das Freiburg-Spiel meine. Natürlich wäre da mehr drin gewesen, aber in der zweiten Halbzeit haben wir es eigentlich sehr gut gemacht und sehr dominant gespielt. Viel mehr nervt mich so ein Spiel wie gegen Bremen.

Warum?

Da waren wir einfach gut und stabil, da ging alles – und dann kriegst du in letzter Sekunde noch so einen blöden Freistoß rein und schenkst zwei Punkte ab. Wenn du dieses Spiel gewinnst, gehst du vielleicht auch in Freiburg ganz anders an die Sache ran. Das ist immer eine Kettenreaktion. Okay, so denken die anderen Vereine vielleicht auch. Aber wenn du eine Topsaison spielen willst, musst du diese Punkte eben holen. Und davon haben wir – leider – viele liegen lassen. Zu viele. Ich hoffe, dass wir es jetzt wieder besser machen.

Was geht mit Hertha noch?

Wenn wir wirklich noch mal angreifen wollen, müssen wir eine kleine Serie starten. Das wissen wir auch. Bis zum Saisonende stehen noch Spiele an, die wir auf jeden Fall gewinnen können – wenn wir da alles reinhauen. Es ist noch was drin. Wie viel, das wird man am Ende sehen.

Weil ein intelligenter Spieler wie Sie auch ein paar unangenehme Fragen vertragen kann…

… ich werde sowieso ausweichen (schmunzelt).

Wie weit hängt Ihre persönliche Karriereplanung vom Abschneiden des Vereins ab?

Gut formuliert. Ich bin keiner, der nach einem guten Spiel sagt, dass er jetzt für irgendeinen Weltverein spielen muss. Aber ich sehe mich nach einer schlechten Leistung auch nicht gleich als Zweitligaspieler. So bin ich nicht. Ich versuche nicht, mich irgendwohin zu denken. Ich versuche, konstant meine Leistung zu bringen. Nach der Saison setze ich mich hin und ziehe ein Fazit, und dann wird man sehen. Wir haben jetzt eine wichtige Phase mit Hertha. Das zählt.

Mit wem ziehen Sie Bilanz?

Vor allem mit mir selbst. Wie viel Prozent von meinem Potenzial ich abgerufen habe, das kann ich schon ganz gut einschätzen. Wo ich aber im Gesamtvergleich zu anderen Spielern stehe, das ist schon schwieriger. Das mache ich eher mit meinem Berater. Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihm, deshalb sagt er mir auch ehrlich die Meinung. Und für persönliche Sachen stehen natürlich meine Eltern bereit. Aber ob ich fußballerisch einen Schritt nach vorne gemacht habe oder nicht – ich glaube, mit der Einschätzung wäre die Mama dann doch ein bisschen überfordert (lacht).

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