• Noch ein Sieg bis zum Super Bowl: Wie der überraschende Erfolg der Tennessee Titans zu erklären ist

Noch ein Sieg bis zum Super Bowl : Wie der überraschende Erfolg der Tennessee Titans zu erklären ist

Die Tennessee Titans mischen die NFL in den Play-offs auf und stehen im Halbfinale. Festzumachen ist das unter anderem an ihrem Quarterback.

Der das Spiel macht. Ryan Tannehill schreibt mit den Tennessee Titans an einer kleinen Heldengeschichte.
Der das Spiel macht. Ryan Tannehill schreibt mit den Tennessee Titans an einer kleinen Heldengeschichte.Foto: USA Today

Ryan Tannehill müssen die ersten Wochen des neuen Jahres wie ein Traum vorkommen. Bis zum Sommer trug der Quarterback noch das Trikot der Miami Dolphins. Der Klub aus der US-amerikanischen National Football League (NFL) hatte Ryan Tannehill 2012 in der ersten Runde der alljährlichen Talentwahl (Draft) unter Vertrag genommen, nur sieben Spieler wurden seinerzeit vor ihm gewählt – Ausdruck einer hohen Erwartungshaltung an den gebürtigen Texaner.

Zuletzt sind die Dolphins allerdings durch eine Taktik aufgefallen, die in den Vereinigten Staaten als „Tanking“ bezeichnet wird: Sie spielten miserabel und verloren absichtlich, um beim künftigen Draft wieder zu den Ersten gehören zu dürfen. Tannehills Titelchancen im Sonnenstaat Florida? Gleich null.

Tennessee Titans sind krasser Außenseiter in Kansas City

Ein paar Monate später fehlt Tannehill noch ein einziger Sieg, um seinen neuen Arbeitgeber, die Tennessee Titans, am 2. Februar in Miami dort auf das Feld führen zu können, wo in diesem Jahr der Super Bowl stattfindet. Der 31-Jährige könnte sich in den NFL-Geschichtsbüchern verewigen, könnte zum Helden werden. „From Zero to Hero“, wie es im US-Sport heißt.

Amerikaner lieben solche Außenseiter-Geschichten bekanntlich. Am Sonntagabend (21.05 Uhr, live bei Pro7 und Dazn) müssen die Titans dazu bei den Kansas City Chiefs bestehen, im anderen Halbfinale stehen sich die Green Bay Packers und die San Francisco 49ers gegenüber.

Glaubt man den Buchmachern, haben Tannehill und Tennessee kaum eine Chance, bei den Chiefs gelten sie als krasser Außenseiter. Andererseits ist das nichts Neues für die Mannschaft von Head Coach Mike Vrabel: Von allen Play-off-Teilnehmern hat sie die schlechteste Bilanz der regulären Saison, neun Siege und sieben Niederlagen reichten gerade so zur Qualifikation für die K.o.-Runde.

Der allen davonrennt. Auf Derrick Henry wird es wieder ankommen in Kansas.
Der allen davonrennt. Auf Derrick Henry wird es wieder ankommen in Kansas.Foto: USA Today

Das hat die Titans zuletzt allerdings nicht davon abgehalten, zwei Titelfavoriten zu besiegen: In der ersten Play-off-Runde setzten sie sich bei den New England Patriots durch, eine Woche später brachten sie dem vermeintlich besten Team der Saison eine empfindliche Niederlage bei und schlugen die Baltimore Ravens. Nach Tom Brady und Lamar Jackson wartet nun der nächste Quarterback-Superstar: Patrick Mahomes.

„Wir haben die ganze Saison, die ganzen Play-offs gehört, dass wir nicht gewinnen können“, berichtete Coach Vrabel dem US-Sportsender „ESPN“. „Ich habe das genau so an meine Spieler weitergegeben. Es hat sie offensichtlich motiviert“, ergänzt er. Vrabel ist ein schlachterprobter Footballer, als Linebacker gewann er zu aktiven Zeiten drei Titel mit den New England Patriots.

Coach Vrabel weiß also, worauf es ankommt und hat seinen Profis einen entsprechenden Spielstil aufgetragen, der gerade in den Play-offs Erfolg verspricht: Tennessee spielt eine knallharte Verteidigung und setzt bei eigenem Ballbesitz vor allem auf die Klasse von Derrick Henry, dem besten Running Back der Saison.

Grundsätzlich leistet sich das Team wenige kapitale Fehler, wie etwa Ballverluste. Titans-Quarterback Ryan Tannehill hat in den zurückliegenden zwei Play-off-Spielen jeweils weniger als 100 Yards Raumgewinn erzielt – so viel werfen andere Spielmacher mitunter in einem Viertel.

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