Nordische Ski-WM : Behle und Pichler streiten weiter

Vor Saisonende schließt Jochen Behle wohl keinen Frieden mehr mit Wolfgang Pichler. Frühestens Ende März wollen der Langlauf-Bundestrainer und Evi Sachenbacher-Stehles Heimcoach miteinander reden.

Sapporo - "Ich habe jetzt keine Lösung. Aber nach der Saison wird es eine schnelle geben", sagte Thomas Pfüller, Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV). Am Donnerstag hatte Pichler beim Biathlon-Weltcup in Lahti eine neue Attacke gegen Behle initiiert und das Ende der Zusammenarbeit mit dem Bundestrainer angekündet. 24 Stunden später legte der Bayer noch einmal nach: "Die Zusammenarbeit war ohnehin sehr mangelhaft. Er macht seins, ich mache meins." Vor allem menschlich sei er von Behle enttäuscht. "Er hat mich schon öfter über die Medien kritisiert. Ich habe keine Lust mehr, mich ständig rechtfertigen zu müssen. Der richtige Weg wäre gewesen, mich anzurufen und sich auszusprechen."

Behle hatte vor der WM die Leistungsentwicklung von Evi Sachenbacher-Stehle kritisiert, die ihn in Sapporo jedoch mit zwei Silbermedaillen im Teamsprint und der Staffel sowie Platz vier in der Doppelverfolgung und Rang sechs über zehn Kilometer widerlegte. Pichler hatte Behle vorgeworfen, keine Ahnung im Umgang mit Sportlerinnen zu haben.

Kommt ein selbstständiger Frauen-Bundestrainer?

Pfüller versuchte am Freitag, die Schärfe aus dem Streit zu nehmen. "Wolfgang hat einen guten Job mit Evi gemacht, deshalb gibt es ja diese Kooperation. Ich hoffe, es geht in irgendeiner Form weiter. Es ist eine Sache Behle/Pichler, nicht eine des DSV." Er räumte allerdings ein, dass es seit längerem im Damen-Team rumort. Da seien viele Kleinigkeiten zusammen gekommen, und Behle und Pichler hätten versucht, es selbst zu klären. "Wären sie eher an mich herangetreten, hätte es vielleicht auch schon eher eine Lösung gegeben. Während der WM machen wir keine Personalpolitik. Jochen Behle steht außer Frage."

Die Schaffung eines selbstständigen Frauen-Bundestrainers würde nach Pfüllers Worten nicht an den Finanzen scheitern. "Wenn es notwendig wäre, ist Geld da. Das müsste nur umgeschichtet werden." Pichler favorisiert eine eigene Trainerstelle für die Damen. "Sie haben Kapazitäten nach oben. Sie brauchen eigene Pläne. Ich werde dem DSV meine Erfahrungen mitteilen, wenn es der Verband will", sagte Pichler. Sein Vertrag als Trainer der schwedischen Biathletinnen läuft bis 2010. Für eine Offerte des DSV sei er aber immer offen.

Noch keine Annäherung in Sicht

Behle rückte derweil keinen Zentimeter von seiner Linie ab. Er will einen Damen-Bundestrainer verhindern. "Ich habe den Standpunkt, dass wir die Gruppen nur weiter zusammenführen müssen, um die wenigen Guten, die wir haben, noch besser vorbereiten zu können", sagte der Bundestrainer. Die Erfolge von Sachenbacher-Stehle bei der WM stellte er nicht in Frage. "Es freut mich für Evi, und an den Erfolgen hat Wolfgang ohne Frage seinen Anteil. Er hat sie auf den Punkt vorbereitet, aber eben nicht alleine. Die Technik macht Sebastian Kleiner, der den ganzen Winter um sie herum ist." (Von Gerald Fritsche, dpa)

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