Nürnberg hätte mehr verdient : Ein Club, der seiner Stadt nicht schmeichelt

Der 1. FC Nürnberg hat den Klassenerhalt in allerletzter Minute geschafft. Vor einer großen Zukunft steht er als Zweitligist aber eher nicht. Ein Kommentar.

Weiter in Liga zwei unterwegs: Der 1. FC Nürnberg beim Empfang nach der überstandenen Relegation in Ingolstadt.
Weiter in Liga zwei unterwegs: Der 1. FC Nürnberg beim Empfang nach der überstandenen Relegation in Ingolstadt.Foto: Daniel Marr/Imago

Es ist leicht, sich in Nürnberg zu verlieben. Die Stadt ist eine kleine versteckte Metropole, wunderschön nicht nur für Touristen, und eben noch groß genug, um nicht nur wunderschön für Touristen zu sein. Welche andere große Stadt hat schon den Luxus, ihre Jugendherberge (die beste im Lande) in einer Burg, thronend inmitten des Zentrums zu haben? Eine Reise nach Franken ist keine Reise ohne eine Reise in eine der aufregendsten deutschen Städte.

Was den Fußball angeht, da kann der allgemein Interessierte allerdings einen großen Bogen um Nürnberg machen. Seine ruhmreiche Vergangenheit hat der Club schon seit Jahrzehnten verspielt, mit einem Auf und Ab, unterbrochen durch längere Episoden in der Erstklassigkeit und einen Pokalsieg im Jahr 2007, an den sich auch noch kaum jemand erinnert.

Den Absturz in die Dritte Liga konnte der 1. FC Nürnberg gerade so verhindern

Am Sonnabend haben sich die Nürnberger nun über einen geradezu unverschämten Erfolg gefreut. Ein Tor in der sechsten Minute der Nachspielzeit reichte, um durch ein 1:3 beim FC Ingolstadt nach einem 2:0-Hinspielsieg die Relegation zu überleben und sich schließlich um die weiter Zugehörigkeit zur Zweiten Liga zu freuen.

Trainer Michael Wiesinger fand nach dem glücklichen Ende für seine Mannschaft: „Wir müssen uns für nichts entschuldigen. Wir sind in der Zweiten Liga, und das zählt.“ Das zeigt schon, wie niedrig die Ansprüche beim Bundesligagründungsmitglied sind, mit neun Meistertiteln und vier Pokalsiegen immer noch einer der erfolgreichsten Klubs der Republik.

In der Saison 2018/19 endete der vorerst letzte Bundesliga-Besuch der Nürnberger, nach einer einjährigen Episode in der Erstklassigkeit. Ein Jahr später also hat Rang 16 in der Zweiten Liga gereicht, um nicht in der Versenkung Dritte Liga zu verschwinden, in der sich die geballte Tradition des deutschen Fußballs um 1860 München schon seit Jahren tummelt.

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Das alles ist an sich schade für einen Klub, der sein Max-Morlock-Stadion nach einem der ganz Großen des deutschen Fußballs benannt hat und damit mehr verdient hätte als einen Last-Minute-Klassenerhalt in Liga zwei. Das Saisonfinale passte irgendwie zur abenteuerlichen Saison nach dem neunten Bundesligaabstieg. In Nürnberg haderten die Fans im Wesentlichen mit der Mannschaft, in einer Umfrage waren kürzlich 83 Prozent der Befragten der Meinung, dass sie falsch zusammengestellt sei.

Sicher ist das eine Momentaufnahme. Der unruhige Kurs der jüngsten Jahre lässt aber eher den Schluss zu, dass im Club vieles substanziell nicht funktioniert. Der 1. FC Nürnberg, auch einer der größten Sportvereine des Landes, hat in jedem Fall in diesen Jahren nicht die Profiabteilung, die seine schöne Stadt verdient hat.

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