Nur 0:0 gegen Hannover 96 : Hertha BSC hat das Siegen verlernt

Im Spiel zweier formschwacher Bundesliga-Teams gibt es am Ende ein fast logisches 0:0. Glücklich ist darüber niemand.

Mathew Leckie versucht es mit diesem Schuss. Aber auch der Australier in Diensten von Hertha BSC hatte gegen Hannover keinen guten Tag erwischt.
Mathew Leckie versucht es mit diesem Schuss. Aber auch der Australier in Diensten von Hertha BSC hatte gegen Hannover keinen guten...Foto: dpa

Der gemeine Berliner ist nicht gerade für Tugenden wie Geduld oder Nachsicht bekannt. So gesehen bildete der Ostersonntag im Olympiastadion eine erstaunliche Ausnahme. „Ich habe kaum Pfiffe gehört“, sagte Vedad Ibisevic, der Kapitän von Hertha BSC, nach dem 0:0 des Fußball-Bundesligisten gegen Hannover. Dann korrigierte der Bosnier seine Beobachtung immerhin ein wenig. „Ganz zum Schluss gab es ein paar“, ergänzte er, „okay.“

Grundsätzlich lag Ibisevic mit seiner Einschätzung richtig. Der Großteil der 38.916 Besucher, die es mit Hertha BSC hielten, ließ am Ende einer für den Verein turbulenten Woche Gnade walten mit dem kickenden Personal. „Pal Dardai – einer von uns“, hieß es auf einem der zahlreichen Plakate, die die Ostkurve schmückten. Natürlich stand der Trainer in seinem drittletzten Heimspiel als Verantwortlicher der Profi-Mannschaft im Mittelpunkt des Interesses. „Heute war das kein Abschied, wir haben noch ein paar Spiele bis zum Saisonende“, sagte Dardai hinterher zwar. Ein bisschen fühlte es sich trotzdem schon so an, wie ein Abschied auf Raten gewissermaßen.

Angesichts dieser Tatsache geriet das Sportliche beinahe zur Nebensache. Andererseits: Was hatte dieses Spiel zwischen dem Tabellenelften, der im Bundesliga-Niemandsland ausharrt, und dem abgeschlagenen Tabellenletzten aus Hannover auch groß zu bieten? „Wir wollten unbedingt gewinnen, das hatten wir uns alle vorgenommen“, sagte Ibisevic. Bei der Umsetzung dieses Plans hakte es allerdings an vielen Ecken und Enden.

Der Abend hatte zunächst mit einer traurigen Nachricht begonnen: Kurz vor dem Anpfiff der Partie erlitt ein 70-Jähriger vor dem Stadion einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er später verstarb. Die Ostkurve im Olympiastadion reagierte schnell und angemessen, als sich die Nachricht herumgesprochen hatte: mit einer Schweigeminute.

Hertha ging engagiert und offensivorientiert in die Partie. Vor allem Lukas Klünter machte mit zwei guten Aktionen auf dem rechten Flügel auf sich aufmerksam. Dardai hatte seine Startformation im Vergleich zum Hoffenheim-Spiel ordentlich durcheinandergewirbelt: unter anderem begrüßte er die Rückkehrer Niklas Stark (Infekt), Vedad Ibisevic (abgesessene Rotsperre), Ondrej Duda (Gelbsperre) und Marko Grujuc (verletzt). Dafür stand Valentino Lazaro, für gewöhnlich eine gesetzte Stammkraft, nicht mal im Kader. Was zwischen dem Österreicher und seinem Trainer unter der Woche passiert war, ließ sich nicht final klären. Dardai sprach jedenfalls von einer „Denkpause“ für seinen Kreativkopf.

Ein 70-Jähriger erlitt vor dem Stadion einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er später verstarb

Lazaros Abwesenheit fiel zunächst nicht ins Gewicht. Gegen extrem tiefstehende Hannoveraner erspielten sie sich schnell zwei gute Gelegenheiten: Marko Grujic vergab nach einer knappen Viertelstunde aus aussichtsreicher Position und wiederum zehn Minuten später nach einer Plattenhardt-Ecke per Kopf. Ansonsten verlief die erste Halbzeit weitestgehend ereignislos – bis die Berliner kurz vor der Pause Glück hatten: Hannovers Waldemar Anton zwang Rune Jarstein im Berliner Tor zu einer Glanzparade; der Norweger tauchte rechtzeitig ab und lenkte den Ball mit den Fingerspitzen an den Pfosten. Von dort aus trudelte das Spielgerät ins Aus – Halbzeit, 0:0.

Nach dem Seitenwechsel investierten die Gastgeber deutlich mehr. „Laufbereitschaft, Kampf, Wille – das war alles gut“, sagte Coach Dardai, „wir haben auf Sieg gespielt.“ Vedad Ibisevic tanzte seinen Bewacher aus und setzte Ondrej Duda in Szene, der den Ball aus zehn Metern Torentfernung über den Kasten setzte, begleitet von einem lauten Raunen, das sich den Weg durch das Stadion bahnte – nicht zum letzten Mal an diesem Abend. Nach Salomon Kalous Schuss, den Michael Esser im Tor der 96er entschärfte, hörte es sich ganz genau so an. „Der Wille war da, aber das Tor nicht“, fasste Dardai treffend zusammen. „Aber Spielkultur hast du heute nicht gesehen“, ergänzte er. „Immerhin haben wir noch einen Punkt geholt, das ist besser als keiner“, sagte Ibisevic.

Kurz vor Schluss mussten die Berliner dann noch eine Hiobsbotschaft schlucken: Innenverteidiger Niklas Stark verletzte sich nach einem Eckball und musste vom Platz getragen werden; das linke Bein konnte er dabei nicht mehr belasten. „Niklas bekommt jetzt einen Termin beim MRT“, sagte Dardai, „dann sehen wir weiter.“

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