Sport : Nur die Fans preisen Trainer Pagé noch

I. Schmidt-Tychsen F. Jennemann

Nürnberg/Berlin - Selbst beim Stand von 0:5 wollten die etwa sechzig mitgereisten Eisbären-Fans nicht aufhören, Loblieder zu singen. Und die Anhänger des Eishockey-Vereins meinten es nicht ironisch, als sie Pierre Pagé immer wieder hochleben ließen. Der Trainer hat den Verein schließlich an die Spitze des deutschen Eishockeys geführt und zwei Meisterschaften gewonnen. Die Fans wollen Pagé einen würdigen Abschied bereiten nach den Wirren der vergangenen Tage, die in der Trennung von Verein und Trainer zum Saisonende münden. Wahrscheinlich spürten die Zuschauer, dass sie nicht mehr viel Zeit haben werden, um Pagé zu preisen. Bei der 1:7-Niederlage in Nürnberg jedenfalls präsentierte sich die Mannschaft völlig durcheinander. Und das kurz vor dem Start der Play-offs, die für die Eisbären schon am kommenden Freitag mit einer Qualifikationsrunde beginnen.

Eine so hohe Wertschätzung wie bei den Zuschauern erfährt Pagé von seiner Mannschaft nicht mehr. Der Trainer legt Wert auf Disziplin – das Spiel gegen Nürnbeg artete in eine Rauferei aus. Deshalb war Pagé verärgert über das Auftreten seiner Mannschaft. „Wir sind das drittfairste Team der Liga, deshalb verstehe ich das nicht“, sagte er unmittelbar nach der Begegnung. Es müsse an der Disziplin gearbeitet werden, und zwar schnell. Gestern hielt Pagé vor seiner Mannschaft eine Ansprache, außerdem gab es eine ausführliche Analyse der Gegentore per Video. „Zu irgendetwas muss die Niederlage ja gut gewesen sein“, sagt Eisbären-Stürmer Sven Felski. Allein fünf Gegentreffer hatten die Berliner in Unterzahl kassiert, zumindest an dieser taktischen Schwäche konnte in der Sitzung ausgiebig gearbeitet werden.

Einen Zusammenhang zwischen der gerade verkündeten Trennung von Pagé und dem schwachen Auftritt sieht Felski nicht. Einen anderen Grund konnte der 32 Jahre alte Berliner allerdings auch nicht finden. „Ich kann das auch nicht erklären“, sagte er. Auch Manager Peter John Lee wunderte sich über die Darbietung des Teams. Aus persönlichen Gründen hatte er das Spiel nicht gesehen, aber er war „überrascht“ vom Ergebnis. Vielleicht müsse die Mannschaft intensiver mit Markus Flemming zusammenarbeiten, dem Mentaltrainer.

Sven Felski glaubt, dass die Eisbären sich nicht zu lange mit der Blamage in Nürnberg, der höchsten Saisonniederlage, beschäftigen dürfen. Am heutigen Sonntag treffen die Berliner um 14.30 Uhr im Sportforum in Hohenschönhausen auf den Tabellenvorletzten, die Augsburger Panther. „Da müssen wir uns noch mal Selbstvertrauen zurückholen“, sagte Felski. Pagé sieht es ähnlich. Gestern wollte er seiner Mannschaft das desolate Auftreten vom Freitag schon gar nicht mehr übel nehmen. „Die Spieler waren frustriert, wegen der Geschehnisse in den vergangenen Tagen. Sie haben zu viel Zeitung gelesen“, sagte Pagé. Harte Kritik sei in dieser Situation nicht das richtige Mittel. „Wir dürfen nur noch nach vorne gucken, die Zeit wird knapp. Vielleicht ist eine hohe Niederlage sogar besser als ein 1:2, weil die Spieler es richtig verstehen.“ Vor zwei Jahren hatten die Eisbären am letzten Spieltag vor den Play-offs 2:7 in Düsseldorf verloren. Anschließend wurde der EHC Eisbären zum ersten Mal Deutscher Meister.

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