Sport : Ohne Mut in die Qualifikation

Eisbären siegen 3:2 und treffen nun auf Frankfurt

Claus Vetter

Berlin - Der Nachmittag endete für die Profis des EHC Eisbären mit Pfiffen. Und das war ungewöhnlich, hatten die Berliner ihr letztes Spiel der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga doch 3:2 (1:1, 0:0, 2:1) gegen die Augsburger Panther gewonnen. Aber als die Berliner Spieler zur Ehrenrunde auf die Stehtribüne zulaufen wollten, da wurden sie von den eigenen Fans quasi weggepfiffen. „Da waren wir schon geknickt“, sagte Verteidiger Tobias Draxinger. „Wir haben uns doch Mühe gegeben.“

Beim mühevollen Erfolg gegen den Tabellenvorletzten boten die Spieler den Fans offensichtlich aber zu wenig, ein anderer wurde dafür umjubelt: Trainer Pierre Pagé. Die Berliner Anhänger hoben Banner in die Höhe, auf denen stand: „Danke Pierre Pagé für fünf geile Jahre und zwei Titel.“ Zudem wurde der Kanadier, der die Eisbären zum Saisonende verlässt, in Sprechchören gefeiert.

Dass für Pagé noch Auftritte als Berliner Trainer in den Play-offs dazu kommen, danach sah es gestern nicht aus. Die Eisbären taten sich gegen die Schwaben zu schwer. Sie gehen nun als Tabellenneunter und Außenseiter in die Qualifikationsrunde für die Play-offs, in der sie auf die Frankfurt Lions treffen. Die Hessen haben in der nach dem Modus „Best of three“ gespielten Runde, den so genannten Pre-play-offs, am Freitag im ersten Spiel Heimrecht. Am Sonntag erwarten die Eisbären dann Frankfurt in Berlin.

Frankfurts Trainer Rich Chernomaz sagte gestern, dass die Eisbären nicht sein Wunschgegner gewesen seien. „Die können noch gefährlich werden.“ Nun gut, Chernomaz verlor mit seiner Mannschaft 2:5 bei den Hannover Scorpions. Die Darbietung, welche die Eisbären ihren 5000 Zuschauern im Sportforum gegen die mit nur 13 Feldspielen angetretenen Augsburger zeigten, blieb ihm erspart. Wenn sich Chernomaz das Spiel der Eisbären nachträglich anschaut, wird ihm auffallen, dass es mit dem Selbstbewusstsein beim zweimaligen Deutschen Meister nicht so weit her ist.

Nur anfangs wirkten die Berliner gegen Augsburg so, als hätten sie sich von der 1:7-Niederlage in Nürnberg am Freitag nervlich erholt: Deron Quint brachte die Eisbären früh in Führung, doch die engagierte Augsburger Rumpftruppe kam im ersten Drittel durch Travis Brigley schon zum Ausgleich. Nach torlosem und belanglosem Mitteldrittel erzielte Sven Felski nach schöner Vorarbeit von Ian Moran im Powerplay kurz nach Beginn des Schlussabschnitts das 2:1 für die Eisbären. Nur eine Minute später aber krönte Yanick Dubé einen Augsburger Konter mit dem Ausgleichstor.

Als alles nach einer Verlängerung aussah, ersparte Alexander Weiß den ohne einige Stammspieler agierenden Berlinern eine weitere Blamage: Zwei Minuten vor Schluss erzielte er den 3:2-Siegtreffer für die Eisbären, der dann aber von den Fans wenig gefeiert wurde. „Meine Spieler müssen sich nun beweisen“, sagte Pagé. „Unsere Fans werden am Sonntag wieder für Unterstützung sorgen.“ Wenn es den Eisbären denn hilft. Immerhin verbreiteten sie gestern Optimismus. Manager Peter John Lee freute sich über den „Wunschgegner Frankfurt“. Und Pagé sagte: „Wir müssen jetzt alles hinter uns lassen, dann haben wir mit der richtigen Mentalität eine Chance.“ Aber nur dann.

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