Ohne Vereinshymne von Lotto King Karl : Es hat sich ausgeperlt beim HSV

Indem der Hamburger SV mit der Tradition des Vereinslieds "Hamburg, meine Perle" bricht, kommt er erst richtig in der Zweiten Liga an. Ein Kommentar.

Für die Geschichtsbücher. Lotto King Karl (l.) und Karsten Pape intonieren "Hamburg, meine Perle".
Für die Geschichtsbücher. Lotto King Karl (l.) und Karsten Pape intonieren "Hamburg, meine Perle".Foto: Imago/objectivo

Es gibt Dinge, von denen man fest überzeugt ist, sie vergingen nie. Die Stadionuhr des Hamburger SV war so ein Ding – nun ist sie weg. Die Inszenierung des Vereinslieds „Hamburg, meine Perle“ ist auch weg. Und sein Sänger Stadionsprecher Lotto King Karl gleich mit.

„Wir sind zum Schluss gekommen, dass das Lied, das uns viele Jahre begleitet hat, in der aktuellen Situation überhaupt nicht mehr zum HSV und zu unserer Haltung passt“, kommentiert Vorstandschef Bernd Hoffmann die Entscheidung. Er spielt vor allem auf den Inhalt ab und wünscht sich ein Fokus aufs Sportliche. Einer der Auslöser dafür ist die deutliche Kritik der Fangruppierung "Supporters Club“, die in einem Wortbeitrag in den sozialen Medien schrieb: „Wollen wir mal ehrlich sein? Bremen hat uns über Jahre abgehängt, hat uns am Ende immer geschlagen, wenn es darauf ankam und wir singen: '...gibt's für dich hier nix zu holen.“

Die Klubbosse nehmen den Fans viel mehr als nur ein Vereinslied, sie nehmen ihnen auch ein Stück Hoffnung, dass alles wieder gut wird in Sachen Fußball in der Hansestadt. Geht es bei einem Stadionlied wirklich darum, dass es der Realität entsprechen muss?

An sich ist doch nicht der Text des Liedes erstrangig, sondern was den Anhägern bedeutet. Eine Stadionhymne, ein Stück Tradition, bedeutet auch Identifikation mit dem Verein. Da sollte ein Klub nicht gleich einknicken, wenn eine einflussreiche Fangruppierung ihren Unmut äußert. Denn das Stadionlied "Hamburg, meine Perle" war etwas, das verband und worauf sich die Fans schon Stunden vor dem Spiel freuten. Es war nicht nur ein Lied für den HSV, sondern für ganz Hamburg – ausgenommen St. Pauli vielleicht.

Es geht eben nicht darum, dass der HSV heller strahlt als die Bremer, Bayern oder Juventus Turin – die alle namentlich im Lied Erwähnung finden –, sondern um das Gefühl, wenigstens Ambitionen zu haben. Dinge, nach denen sich die Fans sehnen können. Indem der HSV das Stadionlied absetzt, und Sänger Lotto King Karl gleich auch noch als Stadionsprecher, nimmt der Verein den Fans ein Stück dieser Sehnsucht. Dadurch, dass die Hamburger mit nunmehr allen Traditionen brechen, kommen sie erst richtig in der Zweiten Liga an.

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