Olympia-Bewerbung Rhein-Ruhr : Schräge Spiele mit der Zukunft

Die Olympia-Initiative Rhein und Ruhr stellt ihr Konzept im Bundestag vor. Für Sommerspiele im fernen Jahr 2032. Das ist eine gewagte Idee. Ein Kommentar.

Großer Traum. Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, nimmt bei der Veranstaltung der Olympia-Initiative Rhein-Ruhr.
Großer Traum. Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, nimmt bei der Veranstaltung der Olympia-Initiative...Foto: Fabian Sommer/dpa

Nun also waren sie in Berlin, die Olympia-Aktivisten von Rhein und Ruhr. Am Montagabend haben Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und Sportmanager Michael Mronz im Bundestag ihr Konzept für die Sommerspiele 2032 in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Und natürlich haben sie wortwörtlich „Großes“ versprochen, denn schließlich haben sie „Großes vor“. Olympia in bis zu 14 Städten, die Spiele von 2032 sollen, so Laschet, ein „Signal gegen Rassismus und Antisemitismus und gegen das, was jetzt wieder hochkommt" werden. Und das Beste: Das Volk muss nur abnicken, finanziert werden soll alles aus der Privatwirtschaft.

Das ist ein mutiger Vorstoß, denn die jüngsten Versuche, die Spiele nach Deutschland zu holen, scheiterten allesamt krachend. Berchtesgaden bewarb sich für die Winterspiele 1992, Berlin schaute im Sommer 2000 nach gescheiterter Bewerbung den Spielen in Sydney zu, München (Winter 2018 und 2022) und Hamburg (Sommer 2024) fielen ebenfalls durch. Im Nachbarland Österreich scheiterte Innsbruck (Winter 2026), in Berlin wurde schon von 2036 geträumt.

Angesichts dieser Liste braucht es viel Phantasie um daran zu glauben, dass der Vorstoß aus NRW Erfolg haben kann. Anders formuliert: Der Plan wirkt auf den ersten Blick geradezu absurd und die von Laschet vorgebrachte Stanze mit dem „Signal gegen Rassismus und Antisemitismus" ist zwar prinzipiell löblich, doch welchen Wert hat so etwas 13 Jahre vor den erhofften Spielen? Bis 2032 kann viel passieren. Das Anliegen, Olympia ins größte Bundesland zu holen, es kommt so früh, dass wohl kaum jemand damit etwas anfangen kann.

In der Regel wird über den Ausrichter von Olympischen und Paralympischen Spielen sieben Jahre vor deren Austragung entschieden, die Initiative von Rhein und Ruhr hofft allerdings darauf, dass in ihrem Fall schon 2023 der Zuschlag kommen kann. Was passiert bis dahin? Da sollen den Menschen im Bundesland wohl die Spiele schmackhaft gemacht werden, die für manchen keine Rolle mehr spielen werden. 13 Jahre sind eine lange Zeit, mit dem Sportstättenbau sollte man lieber noch nicht jetzt beginnen, denn dann muss wohl zehn Jahre später wieder renoviert werden. Sicher geht es um eine Verbesserung der Infrastruktur im größten Bundesland, davon träumen ja viele vor Olympia, am Ende aber bleiben oft vor allem marodierende Sportstätten zurück.

Und wann wird die Bevölkerung gefragt, ob sie in mehr als einer Dekade zweieinhalb Wochen ein Sportereignis beherbergen will, dessen Zukunft nach zuletzt auch schrägen Spielen wie in Pyeongchang oder auch Rio de Janeiro auch eher schwierig erscheint? Wahrscheinlich wird es das Ruhrgebiet länger geben als Olympische Spiele.

Aber das ist ferne Zukunft, genauso wie eine Bewerbung, die allerdings auch ihren Reiz hat. Denn wer anders sollte sich nach all den gescheiterten deutschen Versuchen nun bewerben als das Ruhrgebiet?

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!