Fußball-WM 2018

Olympia in Pyeongchang : Südkoreas Bobfahrer will überraschen

Südkoreas Bobpilot Won Yun Jong hat alles auf das olympische Rennen auf seiner Heimbahn gesetzt – und will allen davonfahren. Doch nicht nur die Deutschen machen ihm Konkurrenz.

In Pyeongchang zu Hause. Won Yun Jong ließ die meisten Weltcups aus, um sich akribisch auf die Läufe bei Olympia vorzubereiten.
In Pyeongchang zu Hause. Won Yun Jong ließ die meisten Weltcups aus, um sich akribisch auf die Läufe bei Olympia vorzubereiten.Foto: Tobias Hase/dpa

Won Yun Jong, der südkoreanische Bobfahrer, wird das wohl alles schon gewusst haben, diesen Schlammassel mit den tückischen Kurven in Pyeongchang. Won könnte geahnt haben, dass alle, die bei diesen Olympischen Spielen mit dem Rodelschlitten unterwegs sind, erst nach der Kurve neun wissen, ob sie zur Medaillenzeremonie eingeladen werden oder nicht. Als Beispiel taugt der Deutsche Felix Loch, dem drei feine Läufe nichts nutzten – weil ihm im vierten Durchgang die Kurve neun in die Quere kam. Rumms, weg war er. Statt Gold gab’s tröstende Worte vom Vater für Platz fünf.

Am Montag gehen die Piloten der Zweierbobs in die entscheidenden beiden Läufe, und man darf davon ausgehen, dass erneut irgendeine Kurve die entscheidende Rolle spielen könnte. Francesco Friedrich, der deutsche Zweierbob-Weltmeister, präzisierte: „Kurve eins, zwei muss morgen passen, wenn man die nicht trifft, wird es ausschlaggebend sein.“ Won Yun Jong wird das schon wissen.

2016 gewann er den Gesamtweltcup

Der Gesamtweltcupsieger der Saison 2015/2016 hat zusammen mit seinem Partner Seo Youngwoo schließlich so oft auf der Olympiabahn trainieren können wie kein anderes Gespann. Lediglich an drei Weltcuprennen nahmen Won und Seo teil, sonst sausten sie nur im Olympic Sliding Center die Bahn hinab, fleißig auf der Suche nach Tücken, Ecken und Kanten auf ihrer Heimbahn. Und natürlich hielten sie dabei Ausschau nach der perfekten Linie, ihrer Goldlinie sozusagen.

Die Konkurrenten haben Wons Trainingseifer registriert, sie bleiben gelassen. Friedrich sagte: „Ihm fehlt die Wettkampfhärte, und er könnte als Zugeloster in Pyeongchang auch Pech mit der Startnummer haben.“ Tatsächlich landete Won nach den ersten beiden Läufen nur auf Platz neun. Weltmeister Friedrich, der mit Thorsten Margis fährt, liegt auf Platz fünf – und ist damit der schlechteste Deutsche. Es führen Nico Walther und Christian Poser vor dem kanadischen Bob mit Pilot Justin Kripps. Johannes Lochner und Christopher Weber starten aussichtsreich vom dritten Rang in den entscheidenden Tag.

Deutschland liegt vorne

Die deutschen haben rechtzeitig also wieder zur Topform gefunden. Sie hatten sich fest vorgenommen, dass es nach der Nullnummer von vier Jahren in Sotschi wieder besser klappt. Lochner, der im Viererbob schon Welt- und Europameister wurde, fuhr im Zweier immerhin schon zu Vize-Welt- und Europameisterschaft, bei Olympia ist er zum ersten Mal dabei. Ein Coup scheint auch von Rang drei aus möglich zu sein. Über seinen südkoreanischen Kollegen sagt Lochner: „Es kann sein, dass Won sich damit selbst ein Ei legt, der hat dann so viele Läufe, da kann man schnell auch mal zu verbissen runterfahren. Man will die perfekte Linie treffen – und dann klappt es nicht.“ Damit scheint der Deutsche recht zu behalten.

Friedrichs Heimtrainer Gerd Leopold bescheinigte seinem Schützling seit dem Weltcup-Wochenende Anfang Dezember einen Formanstieg. „Seit Winterberg war bei Franz eine fahrerische Steigerung erkennbar“, sagt Leopold. Ein „Jahrhunderttalent“ sei Friedrich, der das nun freilich auch beweisen soll. Nach dem Jahreswechsel stieg der 27-Jährige aus Pirna dazu extra in einen neuen Bob. Das österreichische Modell Wallner, das Friedrich nicht auf die gewünschte Höchstgeschwindigkeit beschleunigte, musste weichen, stattdessen kommt wieder ein Bob des Berliner Instituts FES zum Einsatz. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Lenkung scheinen Pilot und Gefährt mehr und mehr zu harmonieren.

Cool bleiben und Kurven treffen

Im Olympic Sliding Centre erfolgte nun der Feinschliff. Wie alle anderen Fahrer – außer Won, der sogar das Abschlusstraining ausließ –, testete Friedrich kurz vor dem Wettkampf die Bahn ausgiebig. „Jeder Lauf bringt da nochmal ein paar Bruchteile einer Hundertste“, sagte er. Partner Margis befand: „Der Start ist ähnlich wie in Whistler oder Winterberg und liegt uns gut. Wir sind schnell hier.“ Trotzdem gilt für die Deutschen wie für alle anderen auf dieser schwierigen Bahn auch am zweiten Tag: Cool bleiben und Kurven treffen. Won Yun Jong weiß das natürlich schon.

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