Olympia-Tagebuch: Neben der Spur (5) : Schweden, wer sonst?

Unser Olympia-Korrespondent freut sich schon auf das Eishockey-Turnier. Denn das verspricht diesmal Unvorhersehbares. Vielleicht aber auch nicht.

Los geht's mit dem olympischen Eishockey-Turnier.
Los geht's mit dem olympischen Eishockey-Turnier.Foto: Reuters

Eishockey ist langweilig – auf höchster Ebene. Seit Jahrzehnten ist in Stein gemeißelt, wer in diesem Profisport bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften am Ende gewinnt. Kanada oder Schweden. Wenn Kanadier und Schweden mal nicht ihre besten Spieler dabei haben, dann können auch mal die Finnen oder die Russen mitspielen. Nun aber haben wir hier in Südkorea so ein seltsames Turnier, bei dem die besten Spieler aus der NHL, nicht dabei sind, seit 1998 hatten die nie gefehlt bei Olympia.

Finden viele Menschen sogar gut, dass rund 700 der weltbesten Eishockeyprofis zur Olympiazeit zwischen Vancouver und Las Vegas um Punkte kämpfen. Das könnte ja eine Überraschung geben jetzt, wo Kanada B spielt und niemand weiß, wie stark die anderen elf Teams bei Olympia nun sind. Ich sage aber: Nein, keine Chance! Die Schweden und Finnen spielen auch ohne ihre Besten fehlerfreies, herz- und humorloses Maschinen-Eishockey.

Gegen Schweden sind Überraschungen nicht drin für Deutschland. Ist doch klar, die investieren einfach mehr. Wenn in Schweden jährlich so viel Geld ins Biathlon gepumpt würde wie ins Eishockey, dann würden deutsche Biathletinnen bei Olympia nicht mal in die Nähe einer Goldmedaille kommen. Oder wenn sie in Finnland nur ein Fünftel der Eishockey-Kohle für Nachwuchsförderung in Rodelbahnen stecken würden, dann wäre der Felix Loch in acht Jahren mit einem fünften Platz bei Olympia hinter vier finnischen Startern womöglich sogar hochzufrieden.

Ich sage mal: 100 Milliarden Euro Investition in die Infrastruktur des deutschen Eishockeys wären nötig, um auf ein Level mit Schweden zu kommen. Finnland-Standard gäbe es schon für 50 Milliarden. Womit der Ausgang des ersten olympischen Spiels der deutschen Mannschaft ja klar ist. Rechnen Sie mit Finnland.

Ich gehe am Donnerstagnachmittag übrigens trotzdem ins Stadion. Und freue mich schon auf Deutschland gegen Finnland. Könnte ja eine Überraschung geben.

Hier erzählen unser Korrespondent Claus Vetter und die ehemalige Skirennläuferin Martina Ertl abwechselnd Geschichten aus Pyeongchang. Bisher erschienen:

Teil 1: Einreise mit "ü"

Teil 2: Das Feuer brennt

Teil 3: Biete Bett für Gold

Teil 4: Wie ein Uhrwerk

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