Olympia-Tagebuch: Neben der Spur (9) : Und jetzt zum Curling

Unser Olympia-Korrespondent Claus Vetter hat Curling bisher sträflich ignoriert. Aber das soll sich in Zukunft ändern.

Ganz schön geschrubbt. Curling erfreut sich auch in Pyeongchang wachsender Beliebtheit.
Ganz schön geschrubbt. Curling erfreut sich auch in Pyeongchang wachsender Beliebtheit.Foto: Reuters

Ich mache hier mal eine kleine Selbstanzeige, denn eine Sportart fällt bei mir hintenüber: Curling. Auch in meinem heutigen Bericht über die Fans bei Olympia spielt der Sport mit den Steinen keine Rolle, dabei hat er auch hier viele Freunde. Jeden Tag sehe ich im Olympiapark von Gangneung die vielen Grüppchen von Curling-Fans aus allerlei Ländern in die Halle strömen. Ich muss sagen: Ich kann ihre Leidenschaft verstehen. Denn kein Sport ist bei den Winterspielen so geerdet wie Curling. Das kann jeder erst einmal nachvollziehen, das ist nicht abgehoben.

Ich bin ja selbst leidenschaftlicher Winterhobbysportler, fahre Ski seit der Vorschulzeit und habe lange Eishockey gespielt. Beim Kurzurlaub vor diesen Spielen habe ich in Norditalien Pistensau gespielt, war Eislaufen und ließ mir erklären, dass alpiner Skisport nicht nur etwas für wenige gute Sportler sei. Den Berg runtergleiten, das könne schließlich jeder, behauptete mein Langlauflehrer. Von wegen. Was hier auf den Pisten, Schanzen und in den Eishallen passiert, das regt keinen Hobbysportler dazu an, es auch mal so zu versuchen. Und schießen wie die Dahlmeier an normalen Tagen kann sowieso keiner, erst recht nicht Menschen wie ich, die früher Zivildienst geleistet haben. A

ber Curling, das sieht so aus, als könne sich der Laie daran mal versuchen. Es hat etwas Meditatives, wenn die Klumpen über das Eis rutschen. Und den Boden geschrubbt habe ich auch schon. Aber sicher ist auch das eine Illusion. Die taktischen Finessen beim Curling sind bestimmt so ausgefeilt, dass sich ein Nichtkönner nur blamiert.

Zwei Dinge habe ich mir aber vorgenommen: Beim Curling schaue ich noch vorbei. Und bei der nächsten Weihnachtsfeier der Redaktion werde ich mich fürs Eisstockschießen einsetzen. Bowling kann ja jeder.

Hier erzählen unser Korrespondent Claus Vetter und die ehemalige Skirennläuferin Martina Ertl abwechselnd Geschichten aus Pyeongchang. Bisher erschienen:

Teil 1: Einreise mit "ü"

Teil 2: Das Feuer brennt

Teil 3: Biete Bett für Gold

Teil 4: Wie ein Uhrwerk

Teil 5: Schweden, wer sonst?

Teil 6: Wahre Größe

Teil 7: Freie Fahrt voraus

Teil 8: Disteln in der Suppe

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