• Olympische Spiele in Pyeongchang: Wettkampf des Tages: Springen von der Normalschanze

Olympische Spiele in Pyeongchang : Wettkampf des Tages: Springen von der Normalschanze

Die deutschen Skispringer sind in diesem Winter erfolgreich wie lange nicht. Heute könnte es gleich zwei Medaillen geben.

Lars Becker
Richard Freitag (l) und Andreas Wellinger (r) aus Deutschland jubeln gerne gemeinsam.
Richard Freitag (l) und Andreas Wellinger (r) aus Deutschland jubeln gerne gemeinsam.Foto: dpa

Andreas Wellinger weiß schon, wie sich so ein Olympiasieg anfühlt. Deshalb blickt er nach seinem Sieg in der Qualifikation voller Vorfreude auf die olympische Normalschanzen-Entscheidung der Skispringer am Samstag in Pyeongchang. „Wenn alles passt, kann ich ganz vorn landen“, sagt Wellinger, der Team-Olympiasieger von 2014. Und am liebsten wäre ihm, wenn er dann gemeinsam mit seinem Teamkollegen Richard Freitag feiern könnte: „Es ist echt cool, mit Richie zusammen auf dem Siegerpodest zu stehen.“

Tatsächlich hat die deutsche Doppelspitze in der Luft diesen Winter schon jetzt zu einem der erfolgreichsten der vergangenen Jahre gemacht – und das, obwohl der eigentliche Vorflieger Severin Freund verletzt fehlt. Neunmal inklusive der Bronzemedaille bei der Skiflug- Heim-Weltmeisterschaft schaffte es Freitag unter die Top drei, fünfmal Wellinger. Zweimal feierten die beiden im Weltcup sogar einen deutschen Doppelsieg. Eine Wiederholung scheint am Samstag nicht ausgeschlossen, schließlich landete Freitag in der Qualifikation auf Platz vier.

Einen deutschen Doppelsieg im Skispringen hat es in der Olympia-Geschichte bislang nur einmal gegeben: 1976 triumphierte Hans-Georg Aschenbach vor Jochen Danneberg. Den letzten Einzel-Olympiasieg auf dem kleinen Bakken schaffte Jens Weißflog vor 34 Jahren. Gut, dass die deutschen Flieger nun dafür gleich zwei Anwärter haben. „Richard und Andreas respektieren sich und kommen bestens miteinander klar. Das ist genau der Spirit, auf den ich mein Team eingeschworen habe“, sagt Bundestrainer Werner Schuster.

Freitag musste viele Enttäuschungen wegstecken

Die Harmonie zwischen den beiden Topfavoriten ist nicht gespielt. Vielleicht, weil sie so unterschiedlich sind. Der wegen seines Schnauzbarts erwachsen wirkende Sachse Richard Freitag gehört schon seit Jahren quasi zum Inventar im deutschen Skisprung-Nationalteam. Aber bis auf einzelne Highlights blieb bis zu diesem Winter der lange erwartete, große Durchbruch aus. Der 26-Jährige musste viele Enttäuschungen wegstecken: So fehlte er 2014 beim deutschen Team-Olympiasieg genauso wie beim Mixed-Weltmeistertitel 2017. Der vier Jahre jüngere Andreas Wellinger war dagegen bei beiden Triumphen dabei. Er schaffte schon als Teenager den Durchbruch. Nachdem er einen schweren Sturz zu verarbeiten hatte, kam er im vergangenen Winter bei der WM mit Mixed-Gold und zweimal Einzel-Silber endgültig in der absoluten Weltspitze an.

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Auch vom Erfolgsrezept sind die beiden deutschen Topflieger totale Gegensätze. „Andreas ist größer, deshalb muss er vor allem über seine langen Hebel und die Harmonie im Bewegungsablauf kommen. Er bringt eine gewisse Leichtigkeit mit und hat sich in einem Reifeprozess zum echten Profi entwickelt“, sagt Chefcoach Schuster. „Richie kommt sportlich eher von der dynamischen Seite. Er nimmt viel mehr Geschwindigkeit in den Flug mit und kann deshalb nun auf allen Schanzen vorn mit dabei sein. Richard ist feinfühlig, akribisch und sensibel.“ Auch auf die Normalschanze von Pyeongchang hat sich Freitag nach anfänglichen Schwierigkeiten zuletzt immer besser eingestellt. Dabei half auch ein Blick auf seinen Kollegen Wellinger, der von Beginn an mit vorn dabei war. „Wir pushen uns gegenseitig“, sagt Freitag. Vielleicht ja zum Olympiasieg.

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