Sport : Ostwestfalens Mordwaffe

Philipp Köster

Ostwestfalen gelten allgemein als besonders heimattreu. Ein bösartiges Klischee mit hundertprozentiger Übereinstimmung mit der Wirklichkeit.

Ein Freund von mir brach mal in Tränen aus, als ihm mitgeteilt wurde, er müsse sein Referendariat in einer Schule in Herford absolvieren. Herford ist etwa dreißig Kilometer von Bielefeld entfernt, was aber für meinen Freund der Verschickung in ein ukrainisches Arbeitslager gleichkam. Und kennen Sie die Szene aus „Man spricht deutsch“, als Werner Schneyder Gisela Schneeberger auf einer Jacht an der italienischen Adria ein Stück Schwarzbrot aus dem Kühlschrank präsentiert und beinahe anfängt, vor Rührung zu heulen? So geht es dem Ostwestfalen jedes Mal, wenn er ein „Pickert“ erblickt – ein aus geriebenen Kartoffeln, Mehl, Eier, Milch und Salz zusammengepanschtes Ensemble, das im festen Zustand auch als Mordwaffe benutzt werden kann.

Mitunter wird die ostwestfälische Liebe zur eigenen Scholle obskur. Zum Beispiel, wenn die Arminia vom Abstieg aus der Bundesliga bedroht ist. Dann hyperventiliert die ganze Stadt, weil Arminia schon seit Jahrzehnten der einzige Grund ist, warum Bielefeld hin und wieder in der Tagesschau genannt wird. Darauf will man am Teutoburger Wald nicht verzichten und hat in der Lokalzeitung eine große Kampagne gestartet, warum Arminia nicht absteigt. Prominente und Bürger dürfen sich nun äußern. Durchaus humorige Antwort des Hundelehrers Jürgen Tuxhorn: „Weil ich dann weiterhin meine Lieblingsmannschaft Schalke 04 auf der Alm sehen kann!“

Da war was los in Bielefeld! Empörung, Wut, Trauer, Zorn, Hass und noch mal Zorn und noch mal Wut schlugen Tuxhorn entgegen. Manch ein Pudelbesitzer erwog sogar, die Tuxhorn’sche Hundeschule zu boykottieren. Fehlte eigentlich nur noch die schlimmste Drohung, die ein Bielefelder ausstoßen kann: „Geh doch nach Herford!“

Darauf noch ein Pickert.

schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Stefan Hermanns.

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