Pärchen in Pyeongchang : Im Olympischen Dorf ist ständig Valentinstag

Die Winterspiele bringen Sportler aus der ganzen Welt zusammen, manche bleiben vereint. In Pyeongchang gibt es auffällig viele Paare - eins gewinnt sogar gemeinsam Medaillen.

Erfolgreiches Paar: Darja Domratschewa aus Weißrussland und Ole Einar Björndalen aus Norwegen sind seit zwei Jahren verheiratet.
Erfolgreiches Paar: Darja Domratschewa aus Weißrussland und Ole Einar Björndalen aus Norwegen sind seit zwei Jahren verheiratet.Foto: picture alliance / Martin Schutt

Vielleicht hatten die Organisatoren der Winterspiele in Pyeongchang bei der Wahl ihres offiziellen Mottos auch ein bisschen das Liebesleben im Olympischen Dorf im Hinterkopf: „Passion connected“ – Leidenschaft verbindet. Alle zwei Jahre bringt Olympia Nationen und Sportler zusammen – und schafft dabei Beziehungen, die das Event überdauern.

Beispiele gibt es zuhauf: Schwimmerin Franziska von Almsick und Handball-Exzentriker Stefan Kretzschmar lernten sich bei den Spielen in Sydney ebenso kennen und lieben, wie die beiden Schweizer Tennisspieler Roger Federer und Miroslava Vavrinec. Das berühmteste Paar der Olympia-Geschichte bleibt ein eher unsportliches: Hostess Silvia Sommerlath lernte in München 1972 den schwedischen König Carl XVI. Gustaf kennen – vier Jahre später wurde geheiratet.

Bei den diesjährigen Winterspielen reisen auffällig viele Sportler bereits vereint an. Snowboarder Johannes Höpfl freut sich, endlich mal Zeit mit seiner Freundin zu verbringen. Seit sechs Jahren ist er mit der Raceboarderin Ramona Hofmeister zusammen, die als deutsche Medaillen-Hoffnung gilt. „So eine Saison bei uns besteht eigentlich immer daraus, dass beide unterwegs sind. Es überschneidet sich vielleicht mal einen Tag, dass wir beide gemeinsam daheim sind“, sagt der einzige deutsche Halfpipe-Teilnehmer.

Besonders viele Paare gibt es beim Biathlon

Anders läuft das im Biathlon, wo Frauen und Männer gemeinsam im Weltcuptross reisen. Es scheint, als eigneten sich die entlegene Orte, wie das finnischen Kontiolahti oder das sibirische Tyumen, um sich näherzukommen. Bei Olympia sind gleich mehrere Biathlon-Paare dabei. Darunter Simon Schempp und Franziska Preuß, die seit knapp zwei Jahren ein Paar sind. In die Öffentlichkeit drängen sie – wie die meisten – nicht. Kein gemeinsames Interview, keine Foto-Love-Story, keine Pärchenfotos in den sozialen Netzwerken.

Bei Olympia vereint: Kombinierer Fabian Rießle und Sandra Landläuferin Sandra Ringwald sind nicht das einzige Paar in Pyeongchang.
Bei Olympia vereint: Kombinierer Fabian Rießle und Sandra Landläuferin Sandra Ringwald sind nicht das einzige Paar in Pyeongchang.Foto: Klaus Eckhard/picture alliance

Im Betreuerteam der deutschen Biathleten sind Cheftechniker Andreas Emslander und die dreifache Olympiasiegerin Kati Wilhelm seit vielen Jahren liiert und haben zwei Kinder. Da Wilhelm für die ARD als TV-Expertin arbeitet, sind sie auch in Pyeongchang vereint.

In Sachen Erfolg bilden die Biathleten Ole Einar Björndalen und die dreimalige Olympiasiegerin Darja Domratschewa das ungekrönte Traumpaar. Der 44-jährige Rekord-Olympiasieger aus Norwegen verpasste in diesem Jahr zwar die Qualifikation für seine siebten Spiele, bekam dank seiner Frau allerdings doch noch eine Akkreditierung und fungiert in Pyeongchang als Unterstützer des weißrussischen Teams. Für den früheren „Biathlon-König“ Björndalen eine ungewohnte Nebenrolle, die er Domratschewa zufolge souverän meistert: „Er ist ein toller Vater und unterstützt mich sehr“, sagt die Weißrussin, mit der Björndalen eine gemeinsame Tochter hat.

Gemeinsam erfolgreich

Dass man auch gemeinsam erfolgreich sein kann, beweisen Anastassija Brysgalowa und Alexander Kruschelnizki, die bei der Premiere des Mixed-Wettbewerbes im Curling als Mannschaft der Olympischen Athleten aus Russland antraten. Als erstes Ehepaar der Olympia-Geschichte bildeten sie als Ehepaar ein Team – und gewannen am Dienstag sogar Bronze. „Wir unterstützen uns gegenseitig und kennen uns besser als andere“, sagte Brysgalowa.

Historisch: Alexander Kruschelnizki und Anastassija Brysgalowa haben als erstes Ehepaar überhaupt eine Olympia-Medaille gewonnen.
Historisch: Alexander Kruschelnizki und Anastassija Brysgalowa haben als erstes Ehepaar überhaupt eine Olympia-Medaille gewonnen.Foto: Peter Kneffel/dpa

Weniger Olympia-Erfahrung hat Ski-Langläuferin Sandra Ringwald, die am Dienstag im Sprint ihr Olympia-Debüt gab. Am Streckenrand dabei: ihr Freund, der Kombinierer Fabian Rießle. Glück brachte der nicht – imViertelfinale fehlten der Schwarzwälderin 0,6 Sekunden. Am Mittwoch werden die Rollen getauscht, dann wird Ringwald dem Kombinierer die Daumen drücken. Auch an den alpinen Strecken bangen Skiläufer mit ihren Liebsten. Der derzeit verletzte Fritz Dopfer und Lena Dürr sind ein Paar. US-Star Mikaela Shiffrin ist mit dem Franzosen Mathieu Faivre liiert.

110.000 Kondome wurden verteilt

Doch auch wer als Single nach Pyeongchang reist, muss nicht einsam bleiben. Dem olympischen Dorf eilt ein fragwürdiger Ruf voraus. Wo gestählte Athleten aus aller Welt zusammentreffen, bleibt Körperkontakt nicht aus – offenbar auch in Südkorea nicht. Der britisch-amerikanischen Nachrichtenseite „Mashable“ zufolge stiegen die Nutzerzahlen der Dating-App Tinder in Pyeongchang zuletzt um 1850 Prozent. Der US-amerikanische Schwimmer und Olympiasieger Nelson Diebel beschrieb das wilde Treiben einmal so: „Es ist eine zweiwöchige Privatparty für Tausende von harten Körpern.“

Dessen sind sich offenbar auch die Veranstalter bewusst. In Pyeongchang wurden so viele Kondome verteilt wie nie zuvor bei Winterspielen: 110.000 Präservative. Umgerechnet auf die 2925 Athleten in Pyeongchang wären das 37,6 Kondome pro Sportler. Es darf also gekuschelt werden, im Dorf der Liebe. (mit dpa)

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