Paralympics in Pyeongchang : Wie sich Athleten fit halten

Prothesen, Diät und medizinische Versorgung - bei den Paralympics muss alles stimmen, damit Athleten Bestleistungen erbringen. Heißt auch: Kein Geburtstagskuchen.

Joanna Bartlett Jana Rudolf
Ziemlich fit: Ally Kunkel beim Ski Alpin bei den Pyeongchang Paralympics.
Ziemlich fit: Ally Kunkel beim Ski Alpin bei den Pyeongchang Paralympics.Foto: REUTERS/Paul Hanna

Beim Para-Sport zählt das Gesamtpaket. Mit zu viel Fast Food im Bauch und zwickender Beinprothese hält kein Athlet am Ende eines Wettkampftages bei den Paralympics in Pyeongchang die Goldmedaille in der Hand. Damit paralympische Athleten alles geben können, müssen sie neben jahrelangem Training auch in anderen Bereichen vorbereitet sein.


8000 Ersatzteile für Prothesen und Rollstühle

Ein Koreaner pumpt das Rad eines Curling-Rollstuhls auf, eine Deutsche überprüft die Statik einer Beinprothese und ein Schwede zieht die Schrauben am Biathlon-Schlitten nochmal nach. Mit 23 Technikern aus neun Nationen betreut die Firma „Ottobock“ Athleten, wenn deren Hilfsmittel während der Wettkampfzeit im südkoreanischen Pyeongchang repariert werden müssen. Die Werkstatt ist das Herzstück des Zeltes direkt neben dem Paralympischen Dorf, wo die Athleten während der Wettkampfzeit wohnen. Das Werkzeug in den Schubladen rund um den großen Arbeitstisch ist streng geordnet und einsortiert, damit alle Techniker wissen, wo was zu finden ist, wenn es mal schnell gehen muss. Merle Florstedt, Pressesprecherin von Ottobock, sagt: „Die Athleten haben vier Jahre lang trainiert, um hier zu sein. Wenn es dann am Material scheitert – da platzen Träume.“ Deshalb hat Ottobock rund 8000 Ersatzteile, zehn Tonnen Material, nach Südkorea verschifft.

Kürzlich ist ein Biathlet in der Werkstatt gewesen, dem ein falsches Renngestell mitgeschickt wurde, erzählt Florstedt. „Der Athlet war fast zwei Meter groß. Das Gestell war so wahnsinnig klein, dass er da gar nicht reinpasste. Dann haben unsere Schweißer den ganzen Rahmen um zwölf Zentimeter verlängert.“

Nach einem harten Training kann es laut Florstedt außerdem sein, dass ein Athlet so viel Muskelmasse zunimmt, dass seine Prothese zu eng am Beinstumpf sitzt, scheuert und neu angepasst werden muss. Je nach Herkunftsland und was sich ein Athlet leisten kann, unterscheiden sich die Produkte, die ins Ottobock-Zelt gebracht werden, hinsichtlich ihrer Qualität. „Am Ende ist es aber immer der Athlet, der den Sport betreibt. Das Material kann nur so gut sein wie der Athlet, der es bespielt“, sagt Florstedt.

Kein Kuchen für Andrea Eskau

Als Andrea Eskau am Sonntag nach ihrer Silbermedaille im Para-Langlauf auf die Bühne im Alpenhaus gerufen wurde, wurde ihr und ihrem Trainer Ralf Rombach ein Schokoladenkuchen überreicht. „Den darfst du sowieso nicht essen“, sagte Rombach daraufhin und lachte. Denn Süßigkeiten sind für die Athleten während der Wettkampfphase nicht erlaubt.

Was müssen Hochleistungssportler also zu sich nehmen, um so viel Energie wie möglich zu bekommen? Idealerweise sollten sie überwiegend einer fettarmen, protein- und kohlenhydratreichen Ernährung folgen. „Unseren Athleten stehen Ernährungsberater zur Verfügung, mit denen sie einen Ernährungsplan ausarbeiten könnten, wenn sie es wollen. Im Normalfall halten die Sportler ihr Gewicht allerdings eigenständig“, sagt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. In anderen Sportarten, wie beispielsweise im Radsport, werden am Abend vor dem Rennen sogar regelrechte „Pasta Partys“ veranstaltet, bei denen sich die Sportler extra treffen, um große Nudelmengen zu essen.
Derartige „Traditionen“ gibt es laut Beucher bei den Paralympics allerdings nicht. „Wir alle sind professionelle Sportler, für die es selbstverständlich ist, sich gesund zu ernähren und nichts Fettiges oder Süßes zu essen“, sagt auch Raul Jiri, der in der tschechischen Para-Eishockey Mannschaft spielt. Disziplin ist also nicht nur beim Sport, sondern auch bei der Ernährung gefragt.

Medizinische Betreuung: "Das Wichtigste ist eine perfekte Vorbereitung"

Leena Kim, medizinische Angestellte im Alpensia Centre, wo die Wettkämpfe im Biathlon und Langlauf stattfanden, übt mit ihren Kollegen Rettungspläne im Schnee. "Das Wichtigste ist die perfekte Vorbereitung" sagte die koreanische Ärztin, die normalerweise im „Sahmyook medical centre" in Seoul arbeitet und sich für Sportmedizin und Rehabilitationsmedizin interessiert. "Glücklicherweise sind Biathlon und Langlauf risikoarme Sportarten, auch während der Olympiade hatten wir wenige Patienten hier", erklärte Kim.  

In Pyeongchang gibt es vier Kliniken an fünf Standorten mit 305 Angestellten im medizinischen Personal - 41 davon sind Ärzte, 14 Krankenschwestern, 548 Sanitäter und 126 Personen, die bei Einsätzen in den Krankenwägen mitfahren. Diese Zahlen beziehen sich allerdings nur auf die fünf Standorte - noch mehr arbeiten außerhalb, wo die Sportwettkämpfe stattfinden.  Diese Menschen sind für die Athleten, die Zuschauer und auch für die freiwilligen Helfer da. Falls man unglücklich in den Bergen stürzt und Hilfe braucht, gibt es vier medizinische Hubschrauber, die eingesetzt werden können und innerhalb von 20 Minuten in Wonju Severance Christian Hospital landen können. Nicht nur die Veranstalter müssen gut vorbereitet sein: Kim rät den Sportler eine mindestens ebenso gute Vorbereitung. Um Verletzungen zu vermeiden, empfiehlt sie folgende, einfache Schritte: “Erstens: Trainieren aber nicht übertrainieren. Zweitens: Sich den Wetterbedingungen angepasst zu kleiden, drittens: richtige Ernährung und viertens: viel trinken - natürlich Wasser!“ 

 

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