Paralympische Spiele in Pyeongchang : Gefährliche Annäherung

Das Internationale Paralympische Komitee folgt dem IOC und verzichtet auf einen Komplettausschluss russischer Sportler. Dabei hat sich seit Sotschi nichts verändert. Ein Kommentar.

Bei der Eröffnungsfeier in Sotschi wehten die russische und die Paralympische Flagge noch nebeneinander im Wind.
Bei der Eröffnungsfeier in Sotschi wehten die russische und die Paralympische Flagge noch nebeneinander im Wind.Foto: Sergei Chirikov/EPA/dpa

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) folgt dem Vorbild des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und verzichtet auf einen Komplettausschluss russischer Sportler von den Winterspielen. Damit weicht das IPC von dem kompromisslosen Kurs ab, den es 2016 in Rio de Janeiro noch verfolgt hatte. Die Enttäuschung des deutschen Behindertensport-Verbands darüber ist gut nachzuvollziehen. Denn eigentlich hat sich seit dem Sündenfall von Sotschi nichts verändert. Der systematische Betrug ist seitdem sogar noch mehr zu Tage getreten. Und endgültig sagen lässt sich wohl nie, wer nun gedopt war und wer nicht.

Die gleiche Sachlage – aber eine mildere Strafe? Unter dem ehemaligen Komitee-Präsidenten Sir Philip Craven wäre es nicht zu dieser Einschätzung gekommen. Craven hatte die Entwicklung der paralympischen Bewegung bei allem Wachstumsbestreben stets mit einem ideellen Anspruch verknüpft. Da war es nur konsequent, dass sich das IPC vor zwei Jahren für den kompletten Bann Russlands entschied und damit ein klares Zeichen setzte: gegen Doping – und für einen fairen und ehrlichen Wettbewerb.

Es wäre schade, wenn dieses Vermächtnis nun unter seinem Nachfolger Andrew Parsons Schaden nimmt. Die Annäherung an das IOC ist leider ein Schritt in diese Richtung. Denn das ist dem Opportunismus offensichtlich mehr als den eigenen Werten verpflichtet.

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