Peter Bosz in Leverkusen : Die richtige Idee am richtigen Ort

Unter Peter Bosz spielt Bayer Leverkusen wieder attraktiveren und erfolgreicheren Fußball. Nun kehrt der Trainer nach Dortmund zurück.

Louis Richter
Angekommen: Peter Bosz hat Bayer 04 Leverkusen nach nur wenigen Wochen verändert. Den Spielern gefällt der Stil des Niederländers.
Angekommen: Peter Bosz hat Bayer 04 Leverkusen nach nur wenigen Wochen verändert. Den Spielern gefällt der Stil des Niederländers.Foto: dpa

Peter Bosz muss gar nicht lange überlegen: "Das ist ohne Zweifel Curaçao", antwortet der 55-Jährige seiner Nichte in einem Interview auf Youtube auf die Frage, welches denn sein liebstes Reiseziel sei. Zweimal im Jahr versuche er es mit seiner Familie dorthin zu schaffen.

Dann wird in Flip-Flops und Badehose entlang des Strands spaziert und Vanilleeis gegessen. Peter Bosz scheint generell interessiert an Auslandserfahrungen zu sein. Als Spieler zog es den Niederländer nach Frankreich, zu Hansa Rostock und nach Japan. Als Trainer war er später vier Monate bei Maccabi Tel Aviv in Isreal tätig.

Peter Bosz kennt verschiedenste Kulturen und somit auch verschiedenste Herangehensweisen an den Fußball. Dennoch ist sein Spiel kompromisslos, unmissverständlich und durch und durch niederländisch. Dabei lernte Bosz auch von den Großen. In Tel Aviv arbeitete er unter dem Sportdirektor Jordi Cruyff, dem Sohn des großen Johan, der öfter zu Besuch war.

Immer wieder tauschte sich Bosz mit den beiden Cruyffs aus und sog die Erfahrungen auf. In den Niederlanden erzählt man sich außerdem die Anekdote, dass Bosz im Auto sitzend vom Parkplatz aus das Training von Ajax Amsterdam unter Louis van Gaal beobachtet habe. Bosz adaptierte die 4-3-3-Formation, das extrem aggressive Pressing und das überfallartige Offensivspiel. Bei Bayer 04 Leverkusen funktioniert das bislang unterm Strich gut.

Die Werkself ist der Spitzenreiter der Rückrundentabelle der Bundesliga und gewann die letzten vier Spiele mit einem Torverhältnis von 13:2. Während der fünf Bundesliga-Spieltage, an denen Bosz die Leverkusener bislang betreute, avancierte Bayer dreimal zum Team mit den meisten Sprints, viermal gehörten sie insgesamt zu den drei lauffreudigsten Teams. Die Handschrift ist schon jetzt klar abzulesen. "Peter Bosz hat eine komplexe Idee davon, wie wir verteidigen und angreifen sollen", sagt Julian Brandt.

Unter dessen Vorgänger Heiko Herrlich hätte Leverkusen sich "mehr dem Gegner angepasst", skizziert Julian Brandt beim Sportbuzzer eines der Merkmale der neuen Leverkusener Ausrichtung. Im DFB-Pokal schied Bayer dagegen gegen Heidenheim, in der Europa League gegen Krasnodar aus. Heute (18.00 Uhr, live bei Sky) tritt Bosz mit den Leverkusenern also bei Borussia Dortmund an.

Es ist die Rückkehr an den Ort, wo er mit der Empfehlung des Erreichens des Europa-League-Finals mit Ajax Amsterdam so gut startete und dann doch so krachend scheiterte. Ende September 2017 stand der BVB mit 19 Punkten an der Tabellenspitze, die Bayern waren fünf Punkte entfernt. Dann aber blieb Dortmund sieben Liga-Spiele in Serie sieglos und verspielte eine 4:0-Halbzeitführung im Revierderby gegen den FC Schalke.

Nach einer 1:2-Heimniederlage gegen Werder Bremen wurde Bosz im Dezember 2017 entlassen, diverse Spieler sollen sich laut Medienberichten da schon längst gegen den Trainer und dessen System gestellt haben. Was blieb, war der Eindruck eines überforderten Trainers, dessen Idee nicht fruchtete. "Es ist wie mit meinen Spielern. Erst bereiten wir alles vor, aber dann vergessen sie alles", sagte Bosz auf seiner letzten Pressekonferenz als BVB-Trainer, nachdem ein Journalist seine Frage erst vergessen und dann zurückgezogen hatte.

"Vielleicht machen die Spieler in Leverkusen es besser"

Dagegen zeigt sich Bosz vor der Rückkehr schmalllippig. Seine Spieler übernehmen das Reden: "Auch wenn er es nicht öffentlich zugeben wird, möchte er dort gerne gewinnen", sagte Torwart Lukas Hradecky. "Ich glaube, dass er sich extrem darauf freut", sagte Sven Bender.

Als Bayer 04 Leverkusen einen Tag vor Heiligabend Heiko Herrlich von seinen Aufgaben als Cheftrainer befreite, nach zwei Siegen gegen Schalke und Hertha BSC wohlgemerkt, und Peter Bosz dafür ins Amt hob, galt das mindestens als mutig. Dabei wirkt der Kader wie auf Bosz zugeschnitten. Die jungen Offensivspieler wie Julian Brandt, Kai Havertz oder Leon Bailey dürfen unter dem Niederländer das, was sie am meisten mögen und am besten können: Schnell und intuitiv spielen, den Gegner früh stören und zu Fehlern zwingen.

Brandt dürfe seine Position selbst interpretieren: "Mir persönlich gibt er viele Freiheiten auf dem Platz. Ich kann mich entfalten." Das gilt auch für die weiteren Spieler, denn alle loben sie Bosz' Qualität, die individuellen Stärken des einzelnen Spielers zu fördern und dennoch zum Positiven für das gesamte Kollektiv einbringen zu können.

Vor der Partie in Dortmund wurde Bosz gefragt, warum es vor allem defensiv mit seinem System in Leverkusen besser funktioniere als in Dortmund. "Da wollte ich auch schon so spielen lassen", sagte er und legte die Schmalllippigkeit dann doch kurz ab: "Aber vielleicht machen die Spieler in Leverkusen es besser, als es die Spieler in Dortmund gemacht haben. Das ist auch eine Möglichkeit."

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