Platz 50 statt WM-Titelverteidigung : Arnd Peiffer erlebt in Antholz ein Debakel

Die deutschen Biathlon-Männer enttäuschen beim WM-Klassiker über 20 Kilometer. Das Quintett um Arnd Peiffer leistete sich viel zu viele Fehler am Schießstand.

Arnd Peiffer war maßlos enttäuscht am Donnerstag.
Arnd Peiffer war maßlos enttäuscht am Donnerstag.Foto: REUTERS

Kopfschüttelnd lief Arnd Peiffer nach seinem Fehler-Festival am Schießstand in seine Schlussrunde und stand damit sinnbildlich für die Leistung der deutschen Biathleten im WM-Einzel von Antholz. Selbst Mr. Zuverlässig kam beim Sieg des Franzosen Martin Fourcade vor dem Norweger Johannes Thingnes Bö am Schießstand nicht klar und kassierte als Titelverteidiger gleich sechs Strafminuten.

„Ich bin schon ziemlich sauer auf mich selbst. Und frustriert, kann man sagen. Ich werde aber nicht anfangen zu heulen in der Umkleidekabine, weil ich sechs Fehler geschossen habe. So schlimm ist es dann doch nicht“, sagte Peiffer nach Platz 50 (!).

Doll als bester Deutscher auf Platz zwölf

Bester deutscher Skijäger im italienischen Antholz war Benedikt Doll als Zwölfter - mit vier Strafminuten. „Ich bin mit meinen Rennen gar nicht unzufrieden. Es war unfassbar schwer bei diesem Wind.“ Auch Philipp Horn (4 Fehler/Platz 21), Johannes Kühn (5/26) und Philipp Nawrath (5/47) kamen mit dem Schießstand überhaupt nicht zurecht.

Nach dem kollektiven Blackout könnten die deutschen Männer erstmals seit der WM 2016 in Oslo ohne Einzelmedaille nach Hause fahren - im Massenstart am Sonntag haben sie die letzte Chance. „Ich versuche, das besser zu machen in den kommenden Rennen“, sagte Peiffer. Vor dem großen WM-Finale stehen noch die beiden Staffeln auf dem Wettkampfprogramm. Und am Donnerstag (15.15 Uhr/ARD und Eurosport) die Single-Mixed - zum zweiten Mal geht es in der neuen Wettkampfform um WM-Medaillen.

Peiffer: "Ich hätte mich am liebsten eingegraben"

Mit stoischer Ruhe notierte Bundestrainer Mark Kirchner am Schießstand die Fehlschüsse seiner fünf Auserwählten - 24 waren es am Ende. „Insgesamt gesehen war das schon enttäuschend. Es wäre mehr drin gewesen“, sagte Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner als ARD-Expertin.

„Ich habe es im Stehendanschlag nicht hinbekommen. Ich habe es überhaupt nicht hinbekommen, die Waffe ruhig zu kriegen. Ich ärgere mich sehr. Eine Katastrophe kann man sagen, ich hätte mich am liebsten eingegraben“, sagte Peiffer.

Andere waren obenauf, zeigten, dass man den schweren Schießstand in Antholz durchaus beherrschen kann. Bei seinem insgesamt zwölften WM-Sieg kassierte Fourcade nur eine Strafminute, sein Rivale Bö leiste sich dagegen zwei Fehler und verspielte so das Gold - der Norweger lag 57 Sekunden zurück. Der Österreicher Dominik Landertinger auf dem Bronze-Platz patzte nur einmal.

Der für das schwerste aller Biathlon-Rennen nicht nominierte Ex-Weltmeister Erik Lesser, der nun in der Single-Mixed zusammen mit Franziska Preuß sein WM-Debüt feiert, saß in der TV-Kabine sagte über seinen abgestürzten Zimmerkollegen Peiffer: „Da muss ich einige Aufbauarbeit leisten.“

Im siebten Himmel dagegen schwebte Vanessa Hinz nach ihrem Silber-Coup im 15-Kilometer-Einzel: „Ich kann es immer noch nicht ganz glauben“, sagte sie über ihre Rennen am Vortag. Die 27-Jährige wird nun wieder in der Frauen-Staffel am Samstag angreifen, dann wollen auch die deutschen Männer den Tiefschlag überwunden haben. (dpa)

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!