Play-offs in der DEL : Die große Chance für die Eisbären Berlin

Am Freitagabend können die Eisbären in der Viertelfinal-Serie gegen Wolfsburg auf 2:0 erhöhen. "Wir dürfen uns keinen schwachen Tag erlauben", sagt Louis-Marc Aubry.

Grund zur Freude. Die Eisbären sind gut in die Play-offs gestartet.
Grund zur Freude. Die Eisbären sind gut in die Play-offs gestartet.Foto: dpa

In den Play-offs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist alles ein bisschen anders. Während einer „Best-of-seven“-Serie gibt es zum Beispiel keine Ehrenrunden der Heimmannschaft nach einem Sieg, auch das für Eishockeyspiele normalerweise obligatorische Händeschütteln nach Spielende heben sich die beiden Teams für das letzte Duell auf. Und dann sind da noch die Pressekonferenzen, die in etwa so erhellend sind wie ein Wintertag am Polarkreis. „In zwei Tagen geht’s weiter“, ist dabei der Standardsatz, mit dem jeder Trainer seine Einschätzung zum zuvor auf dem Eis Dargebotenen in der Regel beendet.

Auch am Mittwoch war dies der Fall, die Eisbären Berlin hatten die Grizzlys Wolfsburg ziemlich souverän im ersten Viertelfinale 4:1 besiegt, da wurde in den Katakomben der Arena schon Tempo gemacht. Louis-Marc Aubry, Doppeltorschütze der Gastgeber, trat vor die Presse – angekündigt mit der Bitte, ihm doch heute nur wenige Fragen zu stellen. Und so sprach Aubry davon, dass in einer Serie über maximal sieben Spiele „jeder Sieg wichtig“ sei, dass man sich in den Play-offs „keinen schwachen Tag erlauben“ dürfe und man dem Gegner auch in Spiel zwei „nichts schenken“ wolle.

Sein Trainer saß wenig später bereits im Medienraum der Arena am Ostbahnhof, schaute in sein Handy und wartete auf den Kollegen aus Wolfsburg. Pavel Gross kam schließlich, gratulierte artig und verwies auf das kommende Duell am Freitag. Uwe Krupp wiederum zeigte sich zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft, hatte das 3:1 von Aubry als das vorentscheidende Tor ausgemacht und nahm mit stiller Genugtuung zur Kenntnis, dass es keine weiteren Fragen gab.

So in etwa dürfte sich der Berliner Chefcoach den Start in die Play-offs vorgestellt haben – zumal Krupp erstmals überhaupt ein Auftaktspiel in einem Viertelfinale mit den Eisbären gewann. Dass es auch anders hätte kommen können, wird der Trainer vielleicht beim Blick auf sein Telefon gesehen haben. Als einziges Heimteam setzte sich Berlin in Spiel eins der Viertelfinals durch. München, Nürnberg und Ingolstadt starteten jeweils mit Niederlagen und hatten danach wahrscheinlich deutlich mehr Redebedarf als die Eisbären. Auch am Donnerstag gab es nicht viel zu tun für Krupp und sein Team, die Trainingseinheit im Wellblechpalast dauerte nur gute 20 Minuten.

Am Freitag steht die kurze Auswärtsreise nach Wolfsburg an, um 19.30 Uhr beginnt dort das zweite Viertelfinale. Nach Lage der Dinge sind die Eisbären auch in diesem Duell wieder Favorit. Ihr Kader strotzt vor Möglichkeiten, die die Grizzlys angesichts einer langen Verletztenliste einfach nicht haben. In den vergangenen vier Partien erzielten zehn verschiedene Spieler der Berliner mindestens ein Tor. Das Team ist längst nicht mehr abhängig von ihrer vermeintlichen Topreihe um Sean Backman, Nick Petersen und James Sheppard. Am Mittwoch war von den drei Nordamerikanern nicht besonders viel zu sehen, im Fokus standen eher Aubry und seine Kollegen André Rankel und Marcel Noebels, die nicht nur die Tore zum 1:0 und 3:1 zu verantworten hatten, sondern dazu auch in der Rückwärtsbewegung zu überzeugen wussten. „Obwohl wir eine ähnliche Statur haben, ergänzen wir uns gut. Wir kreieren Chancen durch unser Forechecking und sind defensiv stark", sagte Aubry.

Trotz ihrer deutlichen Überlegenheit in Spiel eins werden die Eisbären sicherlich nicht den Fehler machen wollen, in Wolfsburg den Fuß vom Gas zu nehmen. Denn dass auch sie verwundbar sind, zeigte sich am Mittwoch wieder einmal in Über- und Unterzahl. Ein eigener Treffer gelang ihnen mit einem Mann mehr auf dem Eis nicht, dafür kassierten sie das einzige Gegentor bei Vier gegen Fünf. Es war dies eine kleine Erinnerung daran, dass es im Eishockey sehr schnell auch in die andere Richtung gehen kann – vor allem in den Play-offs, wo alles ein bisschen anders ist.

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