• Play-offs in der Deutschen Eishockey-Liga: Eisbären, Grizzlys und das große Schweigen

Play-offs in der Deutschen Eishockey-Liga : Eisbären, Grizzlys und das große Schweigen

In den Play-offs der Deutschen Eishockey-Liga reden Spieler und Trainer nach den einzelnen Spielen nicht gern. Warum bloß?

Eisbären-Trainer Uwe Krupp redet viel mit seiner Mannschaft, aber nicht gern in der Öffentlichkeit.
Eisbären-Trainer Uwe Krupp redet viel mit seiner Mannschaft, aber nicht gern in der Öffentlichkeit.Foto: dpa

Der beste Mann am Freitagabend in der Eisarena Wolfsburg arbeitete nicht auf dem Eis, sondern knapp daneben. Es war der Stadionsprecher der Grizzlys. Da hatten die Eisbären-Fans im Frust den Gegner minutenlang mit einem „Ihr werdet nie Deutscher Meister“ besungen. Und als nun Brent Aubin mit seinem Treffer zum 5:2 das Berliner Schicksal besiegelt hatte, da moderierte der Mann am Rand ins Mikrofon: „Tor für den Klub, der niemals Deutscher Meister wird.“ Ein unterhaltsamer Lichtblick an an einem ansonsten bierernsten Eishockeyabend.

Es ist natürlich so, dass in der Liga viel auf dem Spiel steht. Nicht nur ein Titel, sondern auch die Zukunft Einzelner, ja mitunter sogar ihre Existenz. Als Trainer zumindest, denn die arbeiten in er Deutschen Eishockey-Liga (DEL) oft am Abgrund, besonders in den Play-offs. Da kann ein Weiterkommen im Viertelfinale schon entscheidend sein für das nächste Vertragsangebot. Kein Wunder also, dass in der Endrunde um die Meisterschaft die Anspannung groß ist und sich Verkrampfungen wie am Freitag beim Spiel der Grizzlys Wolfsburg gegen die Eisbären Berlin in vielen Raufereien entlädt. Aber warum ist mit dem Spiel schon Schluss? Danach gibt es von den Trainern nur Lapidares zu hören – wie etwa das Statement von Eisbären-Trainer Uwe Krupp am Freitagabend in Wolfsburg: „Mittwoch waren wir besser, heute war Wolfsburg besser. Und am Sonntag geht es weiter.“

Die Zuschauer wollen nicht nur etwas sehen, sie wollen auch etwas hören

Die Kultur des Nichtsagens oder des Sagens von Nichtigkeiten in den Play-offs ist in der DEL nicht neu, steuert aber in dieser Saison auf ungeahnte Höhepunkte hin. So zu beobachten auch am Donnerstag bei der Live-Übertragung des Spiels Köln gegen Nürnberg. Nachdem die Franken in der Verlängerung zum Sieg getroffen hatten, verließen Spieler und Verantwortliche fluchtartig den Ort des Geschehens. Zurück blieben verdatterte Fernsehmoderatoren, die sagen mussten: „Leider will jetzt keiner etwas sagen, dann müssen wir also irgendwas sagen.“ So etwas ist in der Außendarstellung eine Katastrophe, da kann die DEL ruhig zum Fußball schauen. In der Champions League würden die Sender, die viel Geld bezahlen für die Übertragungen die Klubs schon allein vertraglich so ein Schweigen nicht gestatten.

Es wäre doch zum Beispiel in Köln ganz schön gewesen, wenn etwa einer wie Christian Ehrhoff noch etwas gesagt hätte. Gehört zu seinem Job als Profi. Den Mann kennen die Menschen seit den Olympischen Winterspielen im Lande. Das könnte die Liga ausnutzen, denn sie spielt nach dem Erfolg der Nationalmannschaft ihre Play-offs nun zwischen Olympia und der Weltmeisterschaft im Mai. Die Zuschauer wollen nicht nur etwas sehen, sie wollen auch etwas hören und brauchen Geschichten rund um die Klubs und Spieler nach nach der Schlusssirene. Die Quoten beim übertragenden Sender waren zuletzt so gut wie noch nie zu diesem Saisonzeitpunkt. Da lohnt es sich doch abseits der hart umkämpften Spiele das Programm abzurunden. Den Eisbären etwa bietet sich gleich am Sonntag die Chance sich öffentlichkeitswirksam vor einem großen Publikum zu präsentieren, Sport 1 überträgt das dritte Spiel gegen Wolfsburg aus der Arena am Ostbahnhof um 15 Uhr live.

Bei den Eisbären haben sie am Freitag nicht nur geschwiegen. Kapitän André Rankel sagte zu dem Gerangel auf dem Eis: „Keine Ahnung, ob da zu viel Feuer drin ist. Das sind die Play-offs.“ Stimmt. Und in den Play-offs geht es beim Stand von 1:1 in der nach dem Modus Best of seven gespielten Viertelfinalserie am Sonntag weiter für den Favoriten aus Berlin, der sich am Freitag vom Außenseiter in die Falle hat locken lassen. Wolfsburg versuchte eben alles. Die kleinen Provokationen und Rangeleien waren sicher Teil des Konzeptes des Teams von Pavel Gross. Die Antwort der Eisbären darauf, warum sie im Chaos nicht cool geblieben sind, die wäre schon spannend gewesen. Erst recht in den Play-offs.

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