Premier League : Die neue englische Winterpause ist nur eine Mogelpackung

Ab 2020 haben die viel strapazierten Fußballer in der Premier League ein Februar-Wochenende frei. Die vom englischen Verband gefeierte Revolution ist das nicht. Ein Kommentar.

Ab der Saison 2019/20 haben die Premier-League-Profis zumindest ein Wochenende im Winter spielfrei.
Ab der Saison 2019/20 haben die Premier-League-Profis zumindest ein Wochenende im Winter spielfrei.Foto: Martin Rickett/PA Wire/dpa

Im Englischen Fußballverband (FA) feiern sie die Einigung als großen Wurf. „Das ist ein bedeutender Moment für den englischen Fußball und wir glauben, dass Klubs und Nationalmannschaft stark davon profitieren werden“, sagte FA-Chef Martin Glenn. Bei der neuen Vereinbarung handelt es sich mal ausnahmsweise nicht um eine neue Einnahmequelle der reichsten Fußballliga der Welt, sondern um die Einführung der Winterpause. Ob die viel strapazierten Premier-League-Profis von dieser Neuerung wirklich profitieren werden, ist aber fraglich. Denn bei genauerer Betrachtung wirkt die englische Winterpause eher wie eine Mogelpackung.

Mit einer wochenlangen Unterbrechung des Spielbetriebs wie in Deutschland hat das von der FA am Freitag vorgestellte Modell zumindest nichts zu tun. Ab der Saison 2019/20 bekommen die Profis in der Premier League im Februar eine knapp zweiwöchige Pause. An die traditionsreichen Spieltage zwischen Weihnachten und Neujahr haben sich die FA-Bosse nicht herangetraut und auch im Februar soll der Ball durchgehend rollen. An zwei Wochenenden werden allerdings nur jeweils fünf Spiele stattfinden, so dass jedes Team ein freies Wochenende bekommt. Es ist ein Kompromiss zwischen finanziellen und sportlichen Argumenten – mehr ist in der kommerzialisiertesten Liga der Welt auch nicht zu erwarten. Außerdem bleibt die Frage, inwieweit gerade die am stärksten beanspruchten Topteams davon profitieren werden. Schließlich stehen im Februar wichtige Europapokalspiele auf dem Programm.

Grund für das Umdenken in England sind die überschaubaren internationalen Erfolge in den vergangenen Jahren. In Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich wird der Spielbetrieb rund um Weihnachten oder Anfang Januar traditionell unterbrochen. Wenn es im Mai, Juni und Juli für Klubs sowie Nationalmannschaft um Titel geht, wirken die englischen Profis durch die hohe Belastung in der Liga und in den zahlreichen Pokalwettbewerben hingegen oft überspielt. Das Februarpäuschen ist ein Schritt in die richtige Richtung – die von der FA gefeierte Revolution ist es aber nicht.

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