Pressestimmen zu PSG : „Für Thomas Tuchel eine schallende Ohrfeige“

Paris Saint-Germain scheitert schon wieder in der Champions League. Der Trainer trägt die Verantwortung – doch Frankreichs Presse sieht auch andere Schuldige.

Matthieu Decobert
Fassungslos am Spielfeldrand: PSG-Trainer Thomas Tuchel.
Fassungslos am Spielfeldrand: PSG-Trainer Thomas Tuchel.Foto: Christian Hartmann/REUTERS

Paris Saint-Germain hat es wieder nicht geschafft. Auch unter dem neuen deutschen Trainer Thomas Tuchel schied der französische Hauptstadtklub im Achtelfinale aus der Champions League aus. Die Dominanz auf dem Platz half nicht: Im eigenen Stadion kassierte PSG am Mittwochabend in letzter Minute eine 1:3-Niederlage gegen Manchester United – obwohl die Ausgangssituation nach einem 2:0-Sieg im Hinspiel hervorragend war. Ein weiteres Mal wurden damit die großen Ambitionen der katarischen Investoren, die den Klub Anfang des Jahrzehnts übernommen haben, enttäuscht. So urteilt Frankreichs Presse nach dem überraschenden Aus.

Le Parisien: „Für Thomas Tuchel ist es eine schallende Ohrfeige. Der deutsche Trainer, der das Hinspiel so gut taktisch vorbereitet hatte, wurde von seinen Spielern durch die Fehler von Kehrer und Buffon verraten. Der deutsche Coach hat nicht die Worte und die nötigen Veränderungen während der Pause gefunden, um seine Mannschaft anzuspornen und zusammenzuführen. Im Gegenteil, die zweite Halbzeit war die ärmlichere der beiden Halbzeiten, die Mittwochabend von PSG bestritten wurden. Tuchel hat noch ein zweites Jahr zur Verfügung, und es scheint, dass sich das nicht ändern wird. Aber der deutsche Coach, welcher seit Amtsantritt fast alles gemeistert hatte, steht vor seinem ersten großen Problem nach dem Ausscheiden im Ligapokal.“

Libération: „Tuchel hat im vergangenen Mai einen Zwei-Jahres-Vertrag unterzeichnet mit dem klaren Ziel, bessere Ergebnisse zu erreichen als Carlo Ancelotti, Laurent Blanc (im Viertelfinale ausgeschieden) und Unai Emery (zweimal im Achtelfinale ausgeschieden), seine Vorgänger in der katarischen Ära. Unter Tuchels Führung schien PSG ein goldener Frühling versprochen, nachdem er einen sonnigen Winter hatte mit prestigeträchtigen Erfolgen wie gegen Liverpool in Gruppenphase und auf dem Rasen von Manchester United beim 2:0 im Hinspiel. Aber so wie Emery gegen Barcelona musste er eine tödliche Aufholjagd hinnehmen.“

Le Monde: „Das dritte Mal in Folge wird PSG in katarischer Version das Viertelfinale der Champions League nicht sehen. In der Ära des italienischen Trainers Carlo Ancelotti (2012-2013) und unter Laurent Blanc (2013-2016) war der Klub es noch gewohnt, am Viertelfinale teilzunehmen und zu den Würdenträgern des alten Kontinents zu gehören. [...] Der Ex-Trainer Borussia Dortmunds hat es weder geschafft, den Fluch noch die Glaswand zu brechen, die die Ambitionen der Katarer bisher begrenzen.“

Le Figaro: „Thomas Tuchel wirkte wie ein getroffener, fast gesunkener Mann. [...] Was das Spielfeld angeht, trägt er einen großen Teil der Verantwortung. Das ist das grausame Los der Trainer. Es gibt viele Fragen, die gestellt und vielleicht sogar debattiert werden müssen. Die Nominierung Buffons anstelle Areolas? Wieso wurde Thilo Kehrer so lange auf dem Feld gelassen? Was ist mit der Position von Dani Alves am Ende der Begegnung? Wie ist die Wirkungslosigkeit von PSG gegen eine B-Mannschaft von Manchester United in der zweiten Halbzeit zu erklären? Tuchel wird in den nächsten Tagen bestimmt viel zu sagen haben.“

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