Proteste in Katalonien : Lasst den Clásico wie er ist!

Wegen der Lage in Katalonien wurde die Austragung des Spiels zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid verschoben. Das ist kontraproduktiv. Ein Kommentar.

Das Duell zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid gehört zu den größten Klassikern im Weltfußball.
Das Duell zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid gehört zu den größten Klassikern im Weltfußball.Foto: Pau Barrena / AFP

Darüber können sie in Katalonien wohl nur müde lächeln. Dass sich die Sportwelt über türkische Fußballer aufregt, die mit einem militärischen Gruß für Erdogans Angriff auf Syrien demonstrieren, wirkt angesichts der Verwerfungen im Nordosten Spaniens beinahe niedlich. Katalonien wird von heftigen Demonstrationen der Separatisten erschüttert – und der nächste Termin des Clásico ist tatsächlich nicht mehr zu halten.

Die spanische Liga und der Fußballverband haben nun das Duell der ewigen Erzfeinde FC Barcelona und Real Madrid vom 26. Oktober in den Dezember verschoben. Über das genaue Datum des Nachholtermins werde noch verhandelt. Liga und Verband treibt angeblich die Sorge, der immer schon politisch aufgeladene Clásico könnte nun beim Heimspiel von Barça zum Overkill der Emotionen ausarten. Zur Propagandaorgie der Separatisten, die am 26. Oktober sowieso in Barcelona demonstrieren wollen.

Liga und Verband hatten sogar überlegt, Barça das Heimspiel zu entziehen und den ersten Clásico der neuen Saison bei Real Madrid zu veranstalten. Doch Barça und Real, ausnahmsweise einig, waren dagegen. Die seltsame Idee hätte auch alles noch schlimmer gemacht. Den Fans von Barça das Spiel der Spiele aus dem Camp Nou nach Madrid zu entführen, wäre eine Demütigung sondergleichen gewesen. Die Separatisten hätten noch lauter geklagt, Katalonien werde benachteiligt und seine Würde von Madrid schändlich missachtet. Aber auch eine zeitliche Verschiebung des Heimspiels trägt nicht wirklich zur Entspannung bei.

Katalonien steht am Scheideweg. Nachdem der Oberste Gerichtshof Spaniens neun Anführer der Separatisten zu Strafen zwischen neun und 13 Jahren Haft verurteilte, randalieren junge Separatisten. Für sie ist die Strategie des friedlichen Protests gescheitert. Die Wut über das drakonische Urteil ist verständlich, die Gewalt ist ein Fehler. Barça hat in einem Statement klar gestellt, „Gefängnis ist keine Lösung“, doch der Verein ruft zum Dialog auf. Messi und Co. sind keine Hitzköpfe wie die türkischen Kollegen, die einen Angriffskrieg feiern. Die Liga hätte Barça am 26. Oktober zuhause den Clásico zelebrieren lassen sollen. Gerne wieder mit 5:1.

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