Sport : „Randvoll mit Doping“

Ex-Radprofi Bjarne Riis wird von Masseur belastet

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Kopenhagen - Der dänische Ex-Radsportprofi und jetzige Rennstall-Besitzer Bjarne Riis hat die massiven Dopingvorwürfe seines Ex-Masseurs Jef d’Hondt zurückgewiesen. „Er hat keine Beweise für seine Behauptungen“, erklärte Riis am Montagabend. Zuvor hatte der frühere Masseur des deutschen Teams Telekom im belgischen Fernsehen erklärt, der Telekom-Fahrer Riis sei bei seinem Sieg 1996 bei der Tour de France „randvoll“ mit dem verbotenen Ausdauermittel Epo gewesen.

Der Belgier Jef d’Hondt berichtete in dem Interview, dass Riis einen extrem hohen, akut gefährlichen Hämatokritwert von 64 gehabt habe. Das ist der Anteil an roten Blutkörperchen im Blut, die für den Sauerstofftransport sorgen. In der letzten Tour-Woche habe Riis als Nebenwirkung des hohen Wertes unter akuten Gichtsymptomen gelitten. „Ich habe ihm gesagt, dass er aufpassen soll“, sagte d’Hondt. „Er hatte überall Gicht und konnte seine Füße kaum noch bewegen, es war unglaublich.“ 1996 gab es weder Bluttests noch die Regel, nach der Fahrer mit einem Hämatokritwert von über 50 eine zweiwöchige Schutzsperre erhalten. Ein zu hoher Wert deutet auf Epo-Missbrauch hin und lässt das Risiko auf Herzinfarkt und Schlaganfall steigen. Das 1996 noch nicht nachweisbare Epo sei von der Universität Freiburg gekommen, sagte d’Hondt. Er könne keine Beweise mehr vorlegen, weil er diese bei den Polizeiermittlungen gegen Festina verbrannt habe. In dem Festina-Prozess 1998 hatte d’Hondt Doping bis zuletzt geleugnet, war von Fahrern der von der Tour ausgeschlossenen Mannschaft aber als zentraler Beschaffer von Dopingpräparaten bezeichnet worden und hatte eine neunmonatige Bewährungsstrafe erhalten.

Bjarne Riis reagierte auf die Anschuldigungen mit der Erklärung, er habe „nie engen Kontakt zu d’Hondt gehabt“. Riis ist inzwischen Chef des dänischen Profi-Rennstalls CSC und versucht, sich international als Vorreiter im Kampf gegen das Doping zu profilieren. Sein Tour-Sieg von 1996 war immer wieder angezweifelt worden, weil Riis innerhalb kurzer Zeit und als schon 32-Jähriger seine Leistung plötzlich und fast explosionsartig steigern konnte. Im Fahrerfeld hatte Riis den Spitznamen „Monsieur 60 Prozent“, weil er den Epo-Missbrauch exzessiv betrieben haben soll. Jef d’Hondt gab in dem belgischen TV-Programm „Panorama“ an, dass der damalige Telekom-Chef Walter Godefroot zunächst gegen Epo gewesen sei. Als dann aber Uwe Ampler dadurch immer schneller gefahren sei, habe er „dem Druck der Fahrer nachgegeben“. Stets die Einnahme von Epo verweigert habe damals Erik Zabel.

Bjarne Riis will das alles hinter sich lassen: „Es wird immer welche geben, die Kapital aus solchen Erzählungen der Vergangenheit schlagen wollen. Ich will lieber für die Arbeit und die Resultate beurteilt werden, die ich jetzt mit meiner Mannschaft vorlege.“ klapp/dpa

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