RB Leipzig gegen Salzburg : Adoptiert – nicht verwandt!

Der Brausegipfel: In der Europa League kommt es heute zwischen Leipzig und Salzburg zu einem pikanten Duell.

Grüße vom reichen Onkel. Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz unterstützt die Fußballklubs aus Leipzig und Salzburg.
Grüße vom reichen Onkel. Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz unterstützt die Fußballklubs aus Leipzig und Salzburg.Foto: dpa

Großkampftag in Salzburg! 1750 Polizisten sind im Einsatz, das Bundesheer überwacht den Luftraum. Prominente Gäste haben sich angesagt und die „Salzburger Nachrichten“ einen Liveblog eingerichtet. Am Donnerstag ist Salzburg eine große Nummer in Europa.

Schon seit ein paar Wochen freuen sie sich in Mozarts Heimatstädtchen auf den Brause-Gipfel. Auf das Fußballspiel gegen die dort nicht ganz so beliebten Brüder aus Leipzig, die ihnen Jahr für Jahr die begabtesten Spieler wegnehmen, worüber man sich in Salzburg nicht so laut beschweren darf, sonst verliert der Brausefabrikant Dietrich Mateschitz vielleicht komplett die Lust, die österreichische Filiale seines Fußballunternehmens zu alimentieren.

Red Bulls Engagement ist spürbar zurückgegangen, seitdem die Konkurrenz in Leipzig so erfolgreich ist und 2017 gleich im ersten Anlauf das schaffte, was den Salzburgern elfmal in Folge verwehrt blieb, nämlich die Qualifikation für die Champions League. Diesmal aber dürfen auch die Leipziger nur in der zweitklassigen Europa League mitspielen, pikanterweise wurden sie in eine Gruppe mit den Salzburgern gelost. Am Donnerstag kommt es zum direkten Duell zwischen den beiden Brüdern (die im Übrigen großen Wert darauf legen, dass sie keine Brüder sind, sondern bestenfalls vom selben reichen Onkel adoptiert wurden).

Leipzig erwartet "giftige Spiele"

Das Statut der Uefa untersagt, dass eine juristische oder natürliche Person Kontrolle oder Einfluss auf mehr als einen Europapokal-Teilnehmer hat. Also tritt Onkel Mateschitz in Salzburg nur noch als Sponsor auf, der Verein startet in der Europa League unter der Bezeichnung FC Salzburg. Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick hat sein paralleles Mandat in Salzburg ebenso niedergelegt wie der Vorstandschef Oliver Minzlaff. Nur mit dem doch recht einseitigen Transfer des kickenden Personals soll es wie gewohnt weitergehen. In den vergangenen sechs Jahren wechselten 16 Spieler direkt von Salzburg nach Leipzig. Prominente Leute wie Naby Keita, der jetzt den FC Liverpool antreibt. Dazu Marcel Sabitzer, Peter Gulasci, Stefan Ilsanker, Dayot Upamecano und Konrad Laimer, die allesamt heute noch in Leipzig unter Vertrag stehen. Kevin Kampl machte zischen Salzburg und Leipzig noch Zwischenstation in Dortmund und Leverkusen. Transfer Nummer 17 ist schon geplant: Amadou Haidara, das 20 Jahre alte Mittelfeldtalent aus Mali, wird wohl im Winter nach Sachsen wechseln.

Immerhin ein Leipziger verrichtete seinen Dienst auch mal in Salzburg, er hatte dort allerdings nie etwas mit RB zu tun. Marco Rose kickte zwischen 1984 und 2000 für Rotation, Lok und VfB in seiner Heimatstadt und amtiert seit einem Jahr als Cheftrainer in Salzburg. Auch unter Rose hat es nicht für die Champions League gereicht, zuletzt vor zwei Wochen verdaddelten die Salzburger in den finalen Minuten eine 2:0-Führung gegen Roter Stern Belgrad. Dafür lässt er sehr ansehnlichen Fußball spielen, was im vergangenen Frühjahr auch Borussia Dortmund zu spüren bekam, beim K.o. im Achtelfinale der Europa League. Ein Sieg gegen Leipzig wäre natürlich noch schöner, nicht nur aus sportlichen Gründen. Kein Salzburger Fan hat vergessen, wie Ralf Rangnick im Sommer 2016 ein paar Tage vor dem Bundesligastart den Brasilianer Bernardo akquirierte. Und gönnerhaft verlauten ließ, die Ablöse werde den Salzburgern später mitgeteilt.

Marco Rose hat in den vergangenen Tagen immer wieder darauf hingewiesen, dass es nur um ein Fußballspiel gehe, „wir haben eine Gruppe zu spielen, und ein Gegner darin ist Leipzig“. Konrad Laimer, einer der zurzeit sechs Salzburg-Leipziger, spricht immerhin von „giftigen Spielen“, die zu erwarten seien.

Die 1750 Polizisten und die Hubschrauber des Bundesheers haben damit aber nichts zu tun. Sie widmen sich 28 Regierungschefs aus Europa, die auf Einladung des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz zum EU-Gipfel nach Salzburg gekommen sind. Der deutsch-österreichische Brausegipfel steigt am Donnerstag erst einmal in Leipzig (21 Uhr/RTL Nitro), das Rückspiel in Salzburg ist für den 29. November angesetzt.

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