Reaktion des Berliner Fußball-Verbands : Bei uns ist nichts intransparent

Fritz Keller ist ein starker DFB-Präsidentschaftskandidat, den der Berliner Verband nicht nur abgenickt hat. Eine Replik auf die Kritik von Amateurklubs.

Bernd Schultz
Fußball vereint. Der Berliner Landesverband setzt sich für den Zusammenhalt der Amateurvereine ein und plädiert dafür, Verbesserungen gemeinsam anzugehen.
Fußball vereint. Der Berliner Landesverband setzt sich für den Zusammenhalt der Amateurvereine ein und plädiert dafür,...Fotos: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Zuletzt gab es einige Vorwürfe gegen den Berliner Fußball-Verband (BFV) und mich als dessen Präsidenten. In einem Beitrag im Tagesspiegel haben die Berliner Vereinschefs Bernd Fiedler und Gerd Thomas am Montag zum Beispiel behauptet, dass wir Teil eines intransparenten Vorgangs bei der Wahl des DFB-Präsidenten seien. Dass wir den Kandidaten nur abnicken würden. Als sich Fritz Keller nun am Mittwoch in Berlin bei der Sitzung der Landes- und Regionalverbände vorstellte, hinterließ er einen sehr guten Eindruck. Dennoch gab es danach eine einstündige Aussprache über ihn. Das zeigt: Diese Konferenz ist kein Abnickorgan, sondern ein lebendiges Diskussionsforum, in dem die Themen besprochen werden, die die Basis bewegen.

Keller hat dabei besonders zwei Dinge betont, die ich sehr begrüße. Erstens: Wenn der Deutsche Fußball-Bund demnächst in eine GmbH und einen eingetragenen Verein umstrukturiert wird, will er nicht Aufsichtsratschef der GmbH werden, sondern in den e.V. gehen – dorthin, wo die Verbandsentscheidungen getroffen werden. Zudem will er alle Vergütungsfragen offenlegen. Zweitens: Es ist seine Philosophie, Dinge im Team zu lösen. Denn der DFB-Präsident muss sich nicht in einer TV-Talkshow über den Videoschiedsrichter äußern, wenn es dafür einen Verantwortlichen im Präsidium gibt – so wie es zuletzt der Fall war. Auch beim BFV ist es so, dass wir als kollektives Führungsorgan handeln.

Ich halte Fritz Keller für einen hervorragenden Kandidaten, weil er als Unternehmer einen großen wirtschaftlichen Background hat, und weil er auch als Präsident des SC Freiburg die Sorgen und Nöte der Amateure kennt – und nicht nur, weil er Mitglied in zwei Amateurvereinen ist. Am Mittwoch habe ich mich mit meinen Präsidiumskollegen telefonisch abgesprochen, und wir haben uns einstimmig entschieden, Keller zu nominieren. Dafür haben wir auch ganz klar ein Mandat der Berliner Vereine. Da ist nichts intransparent, das ist der satzungsgemäße Vorgang. Es ist ja unmöglich, sich von allen 25 000 Vereinen im DFB eine Rückmeldung dazu einzuholen. Jeder Landesverband kann noch bis nächsten Freitag einen Kandidaten nominieren, auch der Landesverband Niederrhein könnte noch Ute Groth vorschlagen, die sich selbst als Kandidatin ins Spiel gebracht hatte.

Auch die Findungskommission war nicht intransparent. Wir haben uns beim DFB gemeinsam dazu entschieden. Eine Findungskommission ist ja auch nur dann sinnvoll, wenn am Ende ein Kandidat steht, sonst verbrennt man die anderen. Ich hätte aber auch nichts gegen mehrere Kandidaten. So stehen beim DFB-Bundestag Ende September mehrere Kandidaten aus einem Regionalverband für den Vizepräsidenten-Posten zur Wahl, das ist Demokratie pur.

Das Wichtigste bei all dem ist die Einheit des deutschen Fußballs. Die Nationalmannschaft gibt es nicht ohne all die kleinen Vereine. Einer kann ohne den anderen nicht existieren, das ist eine unheimlich wichtige Wechselwirkung. Dafür ist natürlich der Grundlagenvertrag von hoher Bedeutung, der in den nächsten Jahren neu ausverhandelt werden muss. Da hoffen die Amateure stets auf mehr Mittel. Dafür muss die Deutsche Fußball-Liga (DFL) mit den 36 Erst- und Zweitligisten aber auch einen besseren TV-Vertrag aushandeln. Das dürfen die Kritiker dieses Vertrags nicht außer Acht lassen.

Bernd Schultz ist seit 2004 Präsident des Berliner Fußball-Verbands. Der 61-Jährige ist außerdem Vorstandsmitglied im Deutschen Fußball-Bund.
Bernd Schultz ist seit 2004 Präsident des Berliner Fußball-Verbands. Der 61-Jährige ist außerdem Vorstandsmitglied im Deutschen...Foto: Uwe Zucchi/dpa

Was mir und den BFV-Vertretern von Gerd Thomas und Bernd Fiedler teilweise vorgehalten wird, sind unhaltbare Behauptungen. Beide sind überaus engagierte Vereinsvertreter und können stolz sein auf ihre Arbeit. Aber manche Themen haben sie schlicht vereinfacht. Sie haben recht, wenn sie sagen, dass die Infrastruktur ein extrem wichtiges Thema ist. Wir haben darüber auch diskutiert und deshalb auf der Geschäftsstelle dafür eine hauptamtliche Position geschaffen.

So sieht es derzeit gut aus mit neuen Hallen in Berlin – auch das Futsal-Verbot haben wir vom Tisch bekommen. Und bei der Suche nach neuen Fußballplätzen verfolgen wir derzeit etwa die Idee eines Staatsvertrags mit dem Land Brandenburg. Ziel ist es, dass wir am Rand Berlins auf Brandenburger Grund Plätze bauen können, die zum BFV gehören. Das ist gewagt, aber wir wollen es angehen. Wir im Präsidium nehmen unsere Aufgabe ernst. Und wenn unsere Entscheidungen kritisch gesehen werden, hören wir uns das gerne an.

Wir wollen nichts verordnen

Aber uns zu unterstellen, dass wir gesellschaftliche Fragen nicht ernst nehmen – das geht nicht. Es gibt keinen anderen Landesverband, der sich mit der Gewaltsituation so intensiv beschäftigt wie unserer. Gerd Liesegang ist dazu einer der deutschlandweit anerkanntesten Experten. Wir veranstalten Workshops darüber, wie man miteinander umgeht auf dem Platz. Wir haben als erster Landesverband in Mehmet Matur einen Vertreter mit Migrationshintergrund ins Präsidium geholt. Wir setzen uns dafür ein, mehr Mädchen zum Fußball zu bringen. Wir haben uns intensiv in der Flüchtlingsthematik engagiert. Wir gehen gegen Homophobie vor und haben bereits Arbeitsgruppen zum Thema Transgender.

Das wird von der Mehrheit der Berliner Klubs übrigens auch anerkannt. Selbstverständlich gibt es noch Nachholbedarf, zum Beispiel würden wir uns über mehr engagierte Frauen im BFV und in den Klubs freuen. Über all das wollen wir im Verband mit den Vereinen weiter diskutieren und auch inhaltlich streiten. Deshalb bereiten wir einen Verbandstag vor, schließlich wollen wir nichts verordnen, sondern gemeinsam etwas erarbeiten. Nur gemeinsam kann man Verbesserungen erreichen. Ein einzelner Verein wird es immer schwer haben, für sich mehr Gewicht zu erlangen. Das funktioniert am besten über die Landesverbände.

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