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Red Bull : Der Vater und seine Champions
Red Bull Salzburg ist derzeit die erfolgreichste Fußballmannschaft des Getränke-Herstellers. In den nächsten Jahren soll in Deutschland der RB Leipzig für Aufmerksamkeit sorgen.
Red Bull Salzburg ist derzeit die erfolgreichste Fußballmannschaft des Getränke-Herstellers. In den nächsten Jahren soll in...Foto: dapd

Das geheime Herz der Red-Bull-Sportwelt schlägt trotz der globalen Ausrichtung immer noch in Thalgau bei Salzburg, im sogenannten DTC, dem „Diagnostics & Training Center“ für Red-Bull-Athleten. „In Thalgau treffe ich alle vom Skispringer über Cliffspringer bis zum Formel-1-Fahrer“, sagt Unger und zählt auf, was die Sportler dort erwartet: Fitnessstudio, Ergometer, Laufband, Fahrrad, Kameras, mit denen man Torschüsse analysieren kann, Physiotherapeuten, Psychologen, Sportmediziner, Sportwissenschaftler, Gesundheitschecks, Leistungstests, psychologische Betreuung. „Das ist schon fast eine gewisse Verpflichtung, dass man auch dementsprechend Leistung bringt.“ Keine gute Referenz für Red Bulls Sportprogramm ist es allerdings, dass der ehemalige DDR-Dopingarzt und Stasi-Mitarbeiter Bernd Pansold als Leiter des DTC die Leistung aus den Sportlern herauskitzeln soll.

Wenn man ihn auf Pansold anspricht, verliert selbst Mateschitz die firmentypische Lässigkeit. Überhaupt lässt man sich am Konzernsitz in Fuschl am See nicht gern hinter die silbrig glänzende Fassade blicken. „Ich bin seit zehn Jahren bei Red Bull und habe eigentlich noch nicht miterlebt, dass wir jemanden durchs Haus geleitet haben“, sagt die Sprecherin Kirsten Veil-Schmidt. „Wir lassen lieber die Sportler sprechen, die haben die interessanteren Sachen zu erzählen.“

Dabei gibt es durchaus Interessantes aus der Zentrale zu berichten. Die Salzburger sponsern häufig nur einen Athleten pro Sportart, doch der ist geschickt ausgewählt. Der sportliche Erfolg sei der Schlüssel, sagt Unger, aber das ganze Drumherum sei für Red Bull sehr wichtig. „Die möchten eine möglichst breite Masse erreichen, und das schafft man nur mit Paradiesvögeln. Mit Jungs, die ein bisschen anders sind als andere.“ Ausgesucht werden diese Paradiesvögel von den sogenannten Athletenbetreuern, meist ehemalige Sportler. „Gerne wird man auch von anderen Athleten vorgeschlagen“, sagt Schwiegershausen. „Wir wissen, wer ins Team passt und was man zurückgeben muss.“

In der Anbandelungsphase ist man „Friend of Red Bull“, eine Art assoziierter Verdecktwerber ohne Vertrag. Wer sich bewährt, wird in die Familie aufgenommen, und dann will Red Bull vor allem eines: den Kopf des Sportlers. „Es haben schon andere Sponsoren angefragt, ob sie auch auf Helm oder Mütze dürfen, aber die haben Red Bull exklusiv“, sagt Unger. „Wenn man mal ein Interview mit einem Foto hat oder im Fernsehen ist – den Kopf kann man nicht rausschneiden.“

Auch den Trick mit dem Kopf hat Dietrich Mateschitz ersonnen, getreu seinem Motto: „Wir sind Red Bull.“ Aber ganz ohne das verhasste Logo-Aufkleben kommt auch der Meister der Authentizität nicht aus. Die koffeinhaltige Brause selbst wird gar nicht von Red Bull hergestellt. Das erledigt die Firma Rauch Fruchtsäfte, für nicht einmal 25 Cent pro Dose. Red Bull klebt nur noch das Logo drauf.

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