• Renndirektor Prudhomme positiv getestet: Die Tour de France rollt am Abgrund entlang

Renndirektor Prudhomme positiv getestet : Die Tour de France rollt am Abgrund entlang

Trotz eines spektakulären Corona-Falls geht das berühmteste Radrennen der Welt weiter – bis auf Weiteres. Ein Kommentar.

Christian Prudhomme muss sich erst einmal fern halten vom Fahrerfeld.
Christian Prudhomme muss sich erst einmal fern halten vom Fahrerfeld.Foto: Imago

Die Tour de France rollt weiter, auch nach dem Ruhetag war das am Dienstag wieder der Fall. Alle 166 noch im Rennen befindlichen Radprofis gingen auf die Strecke – ihre Tests auf das Coronavirus tags zuvor waren komplett negativ gewesen.

Trotzdem stellte die 10. Etappe auch eine Art Zäsur dar, denn die Fahne zum Start wurde nicht von Renndirektor Christian Prudhomme geschwenkt. Der nämlich hat sich mit dem Coronavirus infiziert und fehlt nun bei seinem eigenen Rennen. Jener Prudhomme, der immer dafür geworben hatte, dass die Tour de France in diesem Jahr stattfindet und dessen Wunsch schließlich mit Verspätung auch in Erfüllung ging.

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Es ist allerdings längst nicht sicher, dass die Tour angesichts steigender Infektionszahlen in Frankreich tatsächlich am Sonntag in einer Woche in Paris zu Ende geht. Oder wie viele Fahrer dann auf den Champs Elysees ihre Schlussrunden drehen. Schließlich wurden in vier Rennställen Betreuer positiv getestet, sollte es einen zweiten Fall in einem dieser Teams geben, würde es automatisch ausgeschlossen.

Die Frankreich-Rundfahrt könnte in diesem Jahr sogar noch direkte Auswirkungen auf die Politik haben. Denn am vergangenen Samstag saß Premierminister Jean Castex im Auto von Prudhomme. Der darf, bis er selbst negativ getestet worden ist, erst einmal nur noch per Videokonferenz an Kabinettssitzungen teilnehmen. Und muss dort womöglich noch für die Tour de France schwer wiegende Entscheidungen treffen.

So bleibt das berühmteste Radrennen in diesem Jahr in jedem Falle spannend bis zum Schluss. Auch wenn das womöglich gar nichts mit dem eigentlichen Rennverlauf zu tun hat. Christian Prudhomme müsste sich darüber normalerweise freuen, doch wie nah am Abgrund er mit seinem Fahrerfeld entlang rollt, weiß er nun selbst besser als ihm lieb sein dürfte.

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