Robin Dutt über designierten DFB-Präsidenten : „Fritz Keller ist wie gemalt für solch einen Posten“

Robin Dutt, ein Vertrauter des designierten DFB-Präsidenten Fritz Keller aus Freiburger Zeiten, über dessen Krisenmanagement und emotionale Seite.

Klare Worte. Robin Dutt, Trainer des VfL Bochum, hält viel auf Fritz Keller.
Klare Worte. Robin Dutt, Trainer des VfL Bochum, hält viel auf Fritz Keller.Foto: Swen Pförtner/dpa

Robin Dutt war von 2007 bis 2011 Cheftrainer des SC Freiburg und kennt den designierten DFB-Präsidenten Fritz Keller aus dieser Zeit sehr gut – Keller wurde 2010 Vorsitzender des Vereins. Von August 2012 bis Mai 2013 war Dutt zudem Sportdirektor des DFB. Heute trainiert er den Zweitligisten VfL Bochum. Wir haben mit dem 54-Jährigen über seinen Freiburger Vertrauten gesprochen.

Herr Dutt, aus dem beschaulichen Freiburg zum großen Deutschen Fußball-Bund (DFB) – das ist ein großer Sprung: Waren Sie überrascht, als Sie gehört haben, dass Fritz Keller neuer Präsident werden soll?
Überrascht schon, weil ich ihn – obwohl wir uns gut kennen – nicht auf dem Zettel hatte. Allerdings habe ich keine Minute gebraucht, um zu erkennen, dass die Idee hervorragend ist. Besser kann es ja gar nicht gehen, als auf so eine Lösung zu kommen.

Und weshalb genau ist es so eine gute Idee des DFB mit Fritz Keller?
Im Prinzip gibt es keinen Bereich, bei dem ich sagen würde: Aus der Sicht ist es keine gute Idee. Neben aller Sach-, Fachkenntnis und Erfahrung ist es wichtig, in Deutschland ein Klima zu schaffen, in dem sich alle mitgenommen fühlen. Gerade der DFB-Präsident muss einen Riesenspagat hinkriegen zwischen dem südbadischen Dorfverein und dem FC Bayern München oder Borussia Dortmund, diesen Spagat zwischen Kreisklasse und Champions League, Amateuren und Profis. Ich glaube, es könnte wirklich eine Zäsur im deutschen Fußball geben, was die Atmosphäre betrifft, weil Fritz Keller als Privatmensch, Unternehmer und Präsident wie gemalt ist für solch einen Posten. Er hat einfach diese natürliche Ausstrahlung, um allen verbunden zu sein, für alle ein Ohr zu haben – auf eine authentische Art und Weise. Er ist immer auf dem Boden geblieben, kann aber auch mit den Big Playern gut umgehen.

Sie haben Keller in Ihrer Zeit als Freiburger Trainer erlebt, er war ein Jahr lang Vorsitzender, bis Sie dann 2011 nach Leverkusen gingen. Wie würden Sie ihn charakterisieren?
Er ist ein wunderbarer Mensch, ein Profi durch und durch. Führung heißt ja nicht nur Streicheln, sondern auch „Zuckerbrot und Peitsche“. Die Peitsche muss er aber bestimmt nicht auspacken, weil er mit Zuckerbrot schon alles erreicht.

Also glauben Sie, dass es vom DFB gewollt war nach den ganzen Querelen der vergangenen Jahre, mit einem Mann wie Keller Ruhe reinzubringen?
Ich weiß nicht, nach welchem Profil der DFB letztlich gesucht hat. Ich könnte mir auch nicht anmaßen zu sagen, dass ich das perfekte Stellenprofil vorgeben kann. Meiner Meinung nach sollte ein DFB-Präsident alle mitnehmen können, sich aber auch fachlich auskennen und unternehmerische Fähigkeiten haben – sprich: Er muss Mitarbeiter führen können. Und wenn jemand dann Präsident bei einem Verein wie dem SC Freiburg ist und ein Unternehmen führt, wenn so jemand jeden gleichbehandelt – sowohl den Tellerwäscher als auch den Millionär –, dann muss man sagen: Er bringt sehr viel mit. Aber es ist ja nicht so, dass Fritz Keller 365 Tage den Politiker machen wird, er hat auch eine emotionale Seite. Das macht es ja auch aus, dass man nicht nur politisch ist.

Sie sprechen es gerade an: Es ist bekannt, dass Fritz Keller nach Spielen seines SC Freiburg schon mal emotional wird. Ist er vielleicht sogar zu emotional für den DFB?
Natürlich muss man sich als DFB-Präsident diplomatischer verhalten als in der Funktion des Präsidenten vom SC Freiburg. Aber Fritz Keller verfügt über so viel Erfahrung – da weiß er natürlich, dass im beschaulichen Freiburg ein paar Dinge mehr durchgehen. Wenn ihm aber nun seine maximal emotionalen Reaktionen in Bezug auf Ergebnisse seines SC Freiburg nicht nachgesehen würden, liefe etwas grundsätzlich falsch in der Bewertung.

Abschied. Robin Dutt verließ den SC Freiburg 2011 – die Freundschaft mit Fritz Keller ist geblieben.
Abschied. Robin Dutt verließ den SC Freiburg 2011 – die Freundschaft mit Fritz Keller ist geblieben.Foto: Patrick Seeger/dpa

Glauben Sie denn, dass sich sein Führungsstil, den er in Freiburg in den vergangenen neun Jahren gelebt hat, eins zu eins für den DFB adaptieren lässt?
Natürlich nicht, aber Fritz Keller führt den SC Freiburg nicht wie sein Weinunternehmen und wird den DFB auch nicht führen wie sein Weinunternehmen oder den SC Freiburg. Er wird sein Umfeld so führen, wie es diesem angemessen ist. Und dazu hat er eine sehr hohe soziale Kompetenz, Führungskompetenz und Lebenserfahrung. Er weiß, dass jeder im Umfeld eine andere Führung braucht. Er wird sicher davon profitieren, was er beim SC Freiburg und als Unternehmer kennengelernt hat oder auch, was er bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in den Stiftungen kennengelernt hat. Und aus diesem Mix wird er einen eigenen Führungsansatz für den DFB finden. Ich trainiere den VfL Bochum ja auch anders als den SC Freiburg oder Werder Bremen. Das ist doch völlig normal.

Sie haben ja den Vergleich, waren Trainer in Freiburg und danach auch ein Jahr lang DFB-Sportdirektor. Können Sie beschreiben, wie sich das Umfeld unterscheidet, worauf sich Fritz Keller einstellen muss?
Ich glaube, das weiß er schon, weil er in verschiedenen Gremien tätig war. Zudem kennt er sich ja auf diesem Globus gut aus. Fritz Keller weiß, dass die öffentliche Wahrnehmung des DFB-Präsidenten ganz anders ist. Da mache ich mir gar keine Sorgen. Medienarbeit, Leute zusammenzubringen – das wird das allerkleinste Problem sein. Nachher geht es eher darum, wie die schwierigen Sachthemen in den Griff zu bekommen sind. Zum Beispiel: Hat der DFB, wenn er Großveranstaltungen nach Deutschland holen will, die gleichen Chancen im Vergleich zu anderen Ländern?

Sie haben das unterschiedliche Umfeld gerade schon angesprochen: Haben Sie Keller schon mal in einer kritischen Situation erlebt? Ist er krisenerprobt?
Er hatte ja schon in Freiburg ein brutales Krisenmanagement mit zu steuern – den Übergang von Volker Finke, der 16 Jahre als SC-Trainer tätig war, zum unbekannten Robin Dutt. Der Verein war damals nach Finke gespalten. Und das zu moderieren – der langjährige Vorsitzende Achim Stocker und er mussten ja auch die Stadt mit reinnehmen, weil der Stadionbau länger gedauert hat –, war für Freiburger Verhältnisse Krise pur. Nicht zu vergessen, dass er als Nachfolger Stockers auch keinen leichten Übergang hatte. Was daraus geworden ist, sehen wir ja jetzt. Der SC Freiburg ist damals, mit Keller als Vorstand und Dutt, aufgestiegen in die Bundesliga, hat sich danach mit Christian Streich als weiterhin anerkannte Marke etabliert, die der Verein schon unter Finke war. Ich kann natürlich nur sein Krisenmanagement aus meiner Freiburger Zeit beurteilen, aber gewisse Mechanismen ändern sich ja nicht.

Wie oft haben Sie denn noch Kontakt zu Fritz Keller?
Es ist jetzt nicht so, dass wir jeden Tag telefonieren. Wir haben alle zwei, drei Monate mal Kontakt. Er ist eine der Personen im Fußball, die mich am meisten geprägt haben und für die ich meine Hand ins Feuer lege. Fritz Keller ist so ein Typ, dass wir mal drei Monate keinen Kontakt haben – und wenn wir uns dann sehen, ist es wie ein Treffen von alten Freunden. Da kommt dann aus heiterem Himmel ein Anruf und er fragt: „Bist du heute Abend in Stuttgart? Ja? Dann treffen wir uns.“ Er ist ein Mensch, der dich nicht vergisst.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!