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Rückschlag in der Qualifikation : Niederlande machen deutsche EM-Mission wieder spannend

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft verliert gegen die Niederlande 2:4 in Hamburg. Und verpasst damit einen großen Schritt Richtung EM 2020.

Spiel gedreht. Die Niederländer machten in Hamburg aus einem 0:1 ein 2:1 und gewannen schließlich 3:2.
Spiel gedreht. Die Niederländer machten in Hamburg aus einem 0:1 ein 2:1 und gewannen schließlich 3:2.Foto: Odd Andersen/AFP

Die Aussichten waren wirklich vielversprechend, vielleicht waren sie sogar zu gut: Mit einem Sieg gegen die Niederlande, so viel stand vor der Neuauflage des Länderspiel-Klassikers am Freitagabend in Hamburg fest, würden der deutschen Nationalmannschaft am Montag in Belfast drei Punkte genügen, um sich vorzeitig die Qualifikation für die Europameisterschaft im kommenden Jahr zu sichern.

Eine Halbzeit lang sah es dann vor 51299 Zuschauern auch stark danach aus, als könnte das junge Team von Bundestrainer Joachim Löw diesen großen Schritt machen. Am Ende riss jedoch die Erfolgsserie von vormals sechs Begegnungen ohne Niederlage: Nach der 2:4 (1:0)-Niederlage kehrt in der Qualifikationsgruppe C wieder Spannung ein. „Das war heute ein ganz schwaches Spiel von uns“, sagte Innenverteidiger Niklas Süle kurz nach dem Abpfiff.

In seiner Startformation nahm Löw mehr oder weniger freiwillig vier Veränderung im Vergleich zum Hinspiel Ende März (3:2) vor: Für den am Kreuzband verletzten Leroy Sané durfte Timo Werner beginnen, der sich zuletzt in bestechender Form präsentierte und nach drei Bundesliga-Spielen bereits fünf Saisontore auf dem Konto hat. In der Defensive vertraute der Bundestrainer wieder einer Dreierkette, die bei gegnerischem Ballbesitz zu einer Fünferkette wurde – diesmal mit Matthias Ginter, Niklas Süle und Jonathan Tah. Zudem rotierte ein weiterer Leipziger in die erste Elf: Lukas Klostermann ersetzte Thilo Kehrer, der nicht mal im Kader stand. In der Offensive durfte sich Marco Reus anstelle von Leon Goretzka verdingen.

Die Holländer erwischten zunächst den deutlich besseren Start. Gegen extrem defensiv eingestellte Deutsche waren sie die aktivere, feldüberlegene Mannschaft und besaßen nach wenigen Minuten die erste dicke Gelegenheit: Nach einem leichtfertigen Ballverlust von Nico Schulz bewahrte Manuel Neuer seine Farben vor einem Rückstand; Memphis Depay hatte bei seinem Abschluss allerdings auch nicht besonders genau gezielt.

Quasi im Gegenzug fiel der Führungstreffer für die Deutschen: Joshua Kimmich setzte Klostermann in Szene, der zunächst an Jasper Cillesen im Tor der Gäste scheiterte. Im Nachschuss machte es Serge Gnabry besser und erzielte das 1:0. Der Flügelspieler des FC Bayern hatte bereits im Hinspiel getroffen; insgesamt war es schon sein viertes Tor im vierten EM-Qualifikationsspiel.

Doppelchance für Deutschland gleich nach Wiederanpfiff

In der Folge enwickelte sich eine sehr physische, phasenweise sogar ruppige Begegnung mit einigen Handgreiflichkeiten und vielen kleinen Fouls. Man hatte den Eindruck, dass die Niederländer nicht im Traum mit einem derart tiefstehenden, gut verteidigenden Gegner gerechnet hatten, der seinerseits auf Umschaltsituationen lauerte. Jedenfalls fiel ihnen trotz optischer Überlegenheit nicht viel ein, um Manuel Neuer im Tor in Gefahr zu bringen. So ging Löws Team mit einer eher schmeichelhaften Führung in die Kabine.

Der zweite Durchgang begann mit einer Doppelchance für die Deutschen: nach einer scharfen Eingabe von Gnabry klärte Mathijs de Ligt in allerhöchster Not. Die anschließende Ecke landete auf dem Kopf des aufgerückten Niklas Süle, dessen Ball am Tor vorbeiflog. Die Quittung für die Schlidrigkeit im Abschluss gab es wenig später: Nach einer knappen Stunde verwertete Frenkie de Jong eine Flanke von Ryan Babel völlig freistehend zum 1:1-Ausgleich.

Löw reagierte mit einem Doppelwechsel und brachte Havertz und Ilkay Gündogan für Timo Werner sowie Marco Reus. Der Schuss ging jedoch nach hinten los: In der Folge suchte sein Team merklich nach Orientierung und wirkte unsicher. Fünf Minuten nach dem Ausgleich herrschte Chaos im Strafraum und Jonathan Tah traf per Eigentor zum 1:2.

Ein schmeichelhafter Elfmeter nach einem vermeintlichen Handspiel von de Ligt brachte die Deutschen zurück in die Spur: Toni Kroos nutzte den fälligen Strafstoß und glich zum 2:2 aus. Dabei blieb es aber nicht: elf Minuten vor dem Abpfiff setzte Donyell Malen den nächsten Höhepunkt: Auf Vorlage von Georginio Wijnaldum traf der 20-Jährige bei seinem Länderspieldebüt in der A-Mannschaft zum 3:2. Der Schlusspunkt zum 2:4 war dann Wijnaldum selbst vorbehalten.

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