Rusada begnadigt : Warum die Welt-Anti-Doping-Agentur vor dem IOC eingeknickt ist

Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat die russische Anti-Doping-Agentur begnadigt. Das ist bitter, denn sie sagt dadurch: Doping lohnt sich. Ein Kommentar.

Das Gebäude der RUSADA in Moskau.
Das Gebäude der RUSADA in Moskau.Foto: Kirill KUDRYAVTSEV / AFP

Das hat sich der Chef-Olympier Thomas Bach schlau ausgedacht. Wenn ihm ein Untersuchungsbericht nicht passt, legt er einfach ein neues Gutachten hin. Gemacht hat er das für seine russischen Freunde, die zuletzt wegen systematischen Sportbetrugs von der internationalen Bühne verbannt waren. Den McLaren-Report, den Nachweis des Staatsdopings, wollten die nicht anerkennen. Aber die Rückkehr auf die große Bühne des Weltsports gab es eben nur mit der Anerkennung. Also schuf Bach, der Freund der Russen, einen neuen Bericht. Einen seichter formulierten. Betrug ja – aber nur ein bisschen. Russland durfte gestehen – ein bisschen gestehen. Ohne ganz das Gesicht zu verlieren.

Systemischer Sportbetrug oder gar staatlicher? Bitte nicht! Selbst wenn es so offensichtlich ist. Es ist das Kernproblem des Kampfes gegen Doping: dass es angeblich immer nur einzelne sind, aber nie die Strukturen. Mit dieser Argumentation ist Russland durchgekommen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur ist vor dem IOC eingeknickt. Die Entscheidung der Wada, die russische Agentur Rusada unter Auflagen zu begnadigen, ist bitter. Sie sagt: Doping lohnt sich, fairer Wettkampf nicht. 30 Jahre nach dem Kalten Krieg, der allzu oft zu Lasten der Gesundheit der Sportler ausgetragen wurde, ist alles wie damals. Die Opfer sieht man heute, manche schwerstgeschädigt oder tot, etwa bei der deutschen Doping-Opfer-Hilfe. Und das Problem des Missbrauchs von Sportlern durch Politiker mit Medikamenten trägt sich fort in die nächsten Generationen.

Es gibt nur einen Weg, das zu stoppen. Es braucht unabhängigen Anti-Doping-Kampf. Zu viel hängt derzeit an den Mächtigen und den Geldgebern, auch Regierungen sind darunter. Es wird Zeit für eine unabhängige Finanzierung. Damit die Wada sich wieder erinnert, wem sie verpflichtet ist: den sauberen Sportlern.

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