Samuel Tuia von den BR Volleys : Der Speerwerfer aus Wallis und Futuna

Samuel Tuia von den BR Volleys hat einen außergewöhnlichen Karriereweg hinter sich - und er besitzt ein außergewöhnliches Schlagrepertoire.

Berlins Samuel Tuia will sein Können auch am Samstag im Heimspiel gegen Rottenburg zeigen.
Berlins Samuel Tuia will sein Können auch am Samstag im Heimspiel gegen Rottenburg zeigen.Foto: dpa

Wenn sein Name ausgerufen wird, die Fontänen am Spielfeldrand Feuer spucken und gelegentlich bis zu 8000 Menschen jubeln, erlebt Samuel Tuia wahre Glücksgefühle. „Es ist unbeschreiblich. Ich liebe das“, sagt er. Um zu verstehen, warum sich die Eröffnungsshow bei den Heimspielen der BR Volleys für Tuia vielleicht etwas intensiver anfühlt als für andere, kann ein Blick auf seine Herkunft helfen. Viel exotischer geht es kaum. Auf der Landkarte ist Wallis und Futuna, wo er geboren und aufgewachsen ist, kaum zu sehen. Ein winziger Punkt, umgeben vom Blau des Pazifiks. „Es ist eine Mini-Insel. Es leben dort nur sehr wenige Menschen“, sagt er.

Insgesamt sind es 12.000, nicht so viel mehr, als Tuia bei den Volleys zujubeln. Der Außenangreifer freut sich auch schon auf diesen Samstag. Dann geht es wieder los mit dem Feuer aus den Fontänen und dem Gebrüll der Zuschauer. Die Volleys empfangen in der Max-Schmeling-Halle den TV Rottenburg (18.30 Uhr).

Erst mit 16 Jahren begann er mit Volleyball

Die Geschichte, wie es der Mann von der Mini-Insel im Südpazifik zum Volleyball-Profi geschafft hat, ist kurios. „Es gab bei uns früher keinen klassischen Volleyball-Verein“, erzählt Tuia. „Ich habe Leichtathletik gemacht, vor allem im Speerwerfen war ich gut.“ Der 32-Jährige ist fast schon ein erschreckend gutes Beispiel, wie engmaschig das Netz der französischen Talentauswahl ist. Wallis und Futuna ist ein Überseegebiet Frankreichs, viele Tausend Kilometer vom französischen Festland entfernt. Dennoch verlor sich ein Scout auf der Insel und sah den Speerwerfer Tuia. „Er hat gesehen, dass ich groß und athletisch bin und mich gefragt, ob ich es an einer französischen Sportschule mit Schwerpunkt Volleyball versuchen wolle.“ Da war Tuia 16 Jahre alt, Volleyball hatte er bis dahin nur hin und wieder mal gespielt. „Zwei Jahre später war ich Profi“, erzählt er.

Dies zeugt vom außerordentlichen sportlichen Talent des 1,95 Meter großen Tuia. Doch obwohl er sich schnell in der Fremde durchsetzte, waren die ersten Jahre in Frankreich sehr schwer für ihn. „Auf unserer Insel kennt jeder jeden. In Frankreich war das anders“, sagt er. „Außerdem waren dort für mein Gefühl alle in Eile, alle hatten Jobs.“ Tuia war ein anderes Leben gewohnt auf der Insel: „Das Wasser und die Fischerei spielen eine große Rolle dort, und natürlich die Familie.“

Rennes in der Bretagne war zu Beginn ein kleiner Kulturschock für ihn, aber Tuia biss sich durch. „Ich habe hart gearbeitet, weil ich meine Familie nicht enttäuschen wollte“, sagt er. „Schließlich sollten sie nicht glauben, dass ich dort nur Urlaub mache.“ Schnell wurde der Familie in der fernen Heimat klar, dass ihr Sohn nicht zum Spaß nach Europa gegangen war. Tuia verließ Frankreich und machte Karriere. Er heuerte bei namhaften Klubs in Russland, Polen und der Türkei an, ehe er vor dieser Spielzeit zu den BR Volleys wechselte. Der deutsche Nationalspieler Björn Andrae, der mit ihm in Russland zusammenspielte, hatte ihm von Berlin und den vielen Zuschauern erzählt. „Dass ich jetzt hier bin, ist verrückt. Ich bin glücklich in Berlin“, sagt Tuia.

Glücklich mit ihm sind mehr und mehr auch die Verantwortlichen des Klubs. „Samuel Tuia zeigt mit seinen stärkeren Leistungen, wie engagiert er ist. Seit Grankin da ist, spielt auch er viel befreiter auf“, sagt Manager Kaweh Niroomand. Tatsächlich zeigt die Formkurve Tuias seit der Ankunft des russischen Zuspielers Sergej Grankin nach oben. Grankin hat das perfekte Gefühl für den Raum. Und Tuia wiederum brilliert mit seiner Sprungkraft und seinem enormen Armzug. Von den meisten anderen Angriffsspielern unterscheidet ihn dabei, dass er über eine große Bandbreite an Schlägen verfügt. „Tuia kann nicht nur ballern“, sagt Niroomand. Er kann die Bälle auch ganz zart in die Lücken des Feldes spielen. Zuletzt gegen Lüneburg etwa erzielte er starke 19 Punkte.

Sein Vertrag läuft bis zum Ende der Saison mit Option auf eine weitere Spielzeit, wenn alle das möchten. Tuia will und auch von Seiten der Volleys dürfte derzeit wenig gegen eine Verlängerung sprechen. „Ich bin hier, um der Gruppe ein positives Gefühl zu geben“, sagt er. „Das ist meine Mentalität und das ist die Mentalität von Wallis und Futuna.“ Bei den Volleys aus dem großen Berlin kommt die Insel-Mentalität gut an.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar