Satireserie: Die Welt ist ganz schön Scheibe, Teil 5 : Geheimplan: Leon Draisaitl wechselt nach Berlin

Mit Draisaitl, Grubauer, Seider und Co: Wie die Eisbären in elf Jahren unschlagbar werden wollen. Teil 5 unserer Eishockey-Satire

Sebastian Baader
Berlin calling. Leon Draisaitl während der WM in der Slowakei.
Berlin calling. Leon Draisaitl während der WM in der Slowakei.Foto: Joe Kalmar/AFP

Teil 5 unserer Eishockey Satire „Die Welt ist ganz schön Scheibe “. Diesmal wollen Stefan Ustorf und Peter John Lee in die erfolgreiche Zukunft investieren.
Weitere Teile unserer Satireserie: Teil 1: Die Wahrheit über Torsten Ankert und den Wechsel nach Wolfsburg; Teil 2: Weg mit dem Heimnachteil. Eisbären spielen nur noch auswärts!; Teil 3: NHL-Scout sucht deutsche Spieler in Bremerhaven Teil 4: Wie die Eisbären die Wende schafften.

Es ist 9 Uhr, als Peter John Lee die Geschäftsstelle der Eisbären betreten will. Am Eingang vernimmt er ein scharfes „Pssssst, Pete.“ Lee schaut sich um: „Ach, der Herr Spielerentwickler Nachwuchs oder so. Stefan....“  Ustorf wirkt angestrengt, sagt: „Peter, ich habe gestern Nacht schlecht geträumt. Leider sogar vom Fußball und diesem Klub in Köpenick.“ „Die Ironmen?“ „Genau“, sagt Ustorf.  

„Also, mein Traum: Es ist Weihnachtssingen beim 1. FC Union. Die Fans im Stadion an der Alten Försterei schweigen aus Protest gegen den West-Weihnachtsmann, wegen Kommerz und so. Dann, nach 15 Minuten, schmeißt Union-Sponsor Aroundtown eine Runde Glühwein. 20.000 Menschen im Stadion singen: „Oh du fröhliche.“

Lee zuckt mit den Schultern. „Die Ironmen-Fans schweigen halt gerne, unsere sind laut.“ Ustorf schüttelt den Kopf: „Noch, aber wenn wir uns nicht bald etwas einfallen lassen, schweigen die auch. Wie bitte schön, sollen wir denn noch Meister werden? An Mannheim und München kommen wir nicht vorbei. Oder hast du eine Idee, Pete?“ - Lee: „Wir kaufen Glühwein.“

Ustorf sagt: „Glühwein ist gut, aber irgendwann werden die Fans wieder nüchtern und dann merken sie, was für ein Käse wir da spielen... nein, wir brauchen eine Langzeitstrategie. Deshalb kommt der Peter die Tage vorbei. Wegen der Langzeitstrategie.“ 

Peter? Welcher Peter? „Ach ja, der neue Winger, das Megatalent, NHL-Draft und so. Ustorf: Nein, der ist schon in Mannheim.“ „Ach der Centerman, das 34-jährige Riesentalent, der hat früher mit den Long Beach Ice Dogs…“ Ustorf wird lauter. „Man nein, der Peter Draisaitl kommt. Wegen des Trainervertrages.“

Peter John Lee überlegt. „Aber der ist doch in der Slowakei und Stéphane hat gesagt, wir holen seinen Kumpel Serge Aubin. Merkt kein Mensch, dass da Vitamin B eine Rolle spielt. Hat Stéphane gesagt, oder etwa nicht.“ Ustorf schüttelt mit dem Kopf: „B ist gut, aber wir wollen A-Klasse spielen.“

Blut ist dicker als Kölsch

Ustorf fingert am Smartphone. Film ab, sagt er. „Die Berliner Eisbären im Jahr 2030, Erfolgsprojekt mit Weltstars“, steht im Teaser geschrieben. Das nächste Bild erscheint, ein Konterfei von Ustorf. „Wie der Spielerentwickler Nachwuchs eine der größten Erfolgsgeschichten der Sportgeschichte schreibt“, steht auf der Einblendung. Dann erscheint Leon Draisaitl im Bild, in einer Montage, geklaut aus dem WM-Spiel der Deutschen gegen die Slowakei. Draisaitl schießt im Film angeblich ein Tor gegen Iserlohn. Ustorf stoppt die Präsentation. „Na, Pete dämmert es?“ Peter John Lee sagt: „Also auf die Moment weiß ich nicht, was dat soll.“

Ustorf beugt sich vor. „Es wird das größte Projekt, das es bei den Eisbären je gab. Du hast neulich erst gejammert darüber, dass wir keine jungen Spieler in die NHL bringen. Ich sage Dir nun: Dann kommen sie halt zu uns, wenn sie ihre Karriere ausklingen lassen. So wie der Leon. Sein Vater Peter unterschreibt heute einen Trainer-Vertrag bei uns, Laufzeit von 2030 bis 2036. Klausel: Sohnemann muss dann bei uns spielen. Genial, nicht? Der Peter hat mir gesagt: 'Das klappt mit Sicherheit. Leon wollte schon immer unter mir trainieren. Und Blut ist schließlich dicker als Kölsch!

Peter John Lee sagt: „Also ein Draisaitl mit 34 Jahren gewinnt Dir allein auch noch keinen Titel.“ Ustorf kontert: „Wir haben ja noch mehr an der Angel. Rate mal, wer 2030 bei uns Marketingchef wird? Der Vater von Moritz Seider. Und sein Sohn spielt natürlich bei uns, in der schönen Seiderstadt Berlin an der Seide! Die Spree kriegen wir bis dahin umbenannt.“

Lee lacht: „Und der Grubauer steht dann im Tor?“ Ustorf sagt: „Woher weißt du das? Seine Eltern verkaufen ab 2030 Weißwürste in der Mercedes Benz Arena bei uns.“

Dann allerdings wirft Lee die Frage in den Raum, was in den elf Jahren bis zur neuen glorreichen Zeit passieren soll? „Oder wird Kappa Hauptsponsor und finanziert uns den Kaapo-Kakku-Transfer und benennt sich in Kaapo um.“ Stefan Ustorf wird pampig „Jetzt werd nicht albern, Peter.“

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