Eine Kür verzaubert

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Savchenko, Massot, Kerber, Zverev : Das sind unsere Gewinner des Sportjahres 2018
Zusammen mit Bruno Massot gewann Aljona Savchenko endlich die so lang ersehnte Goldmedaille.
Zusammen mit Bruno Massot gewann Aljona Savchenko endlich die so lang ersehnte Goldmedaille.Foto: imago/Chai v.d. Laage

ALJONA SAVCHENKO/BRUNO MASSOT

Es ist dieser eine Moment, als der kraftvoll bezaubernde Auftritt auf dem Eis vorbei ist. Dieser Traum von Kür. Die Zuschauer erheben sich, klatschen begeistert und voller Bewunderung. Aljona Savchenko und Partner Bruno Massot gewinnen Gold aus scheinbar auswegloser Situation. Die Deutsche aus der Ukraine und der Franzose mit deutschem Ausweis tragen das Eiskunstlaufen im tristen Olympiapark von Gangneung in eine andere Welt.

Es ist ein Triumph mit Ansage geworden. Nach dem verpatzten Kurzprogramm liegen Savchenko und Massot vor der Kür nur auf dem vierten Platz. Doch das drücken sie weg: Beim Warmmachen vor dem Auftritt der letzten vier Paare ist Savchenko diese energische Entschlossenheit anzumerken. Die kleine Frau läuft mit Tunnelblick übers Eis, mit raumgreifenden Schritten, ruckigen Bewegungen, fast in der Manier einer Eishockeyspielerin.

„Platz da, jetzt komme ich“, heißt das in Worten. Das illustriert Selbstbewusstsein, die Konkurrenz muss das lesen. Was dann kommt, ist der Traum. Das Paar schwebt zu Gold, die letzten drei Paare kommen nicht mehr ran. Über den Moment, der die Menschen an diesem 15. Februar 2018 von den Sitzen reißt, sagt die Siegerin: „Das war der Moment meines Lebens.“

Bloß nicht wieder Bronze

Es ist eine große Geschichte, und nur ein Teil davon war den vielen Menschen in der Halle und vor den Fernsehgeräten zuvor bekannt. Savchenko hat mehr als ein Jahrzehnt lang für dieses olympische Gold gekämpft. 2014 in Sotschi stürzte sie an der Seite ihres damaligen Partners Robin Szolkowy und sagte: „Bronze ist scheiße!“ Den dritten Platz hatte sie schon 2010 bei den Spielen von Vancouver belegt – den wollte sie nicht haben in Südkorea.

Es kommt nicht oft vor, dass eine Sportart, die kaum echte Fans hat, ein großes Publikum erreicht. Dass sie Menschen zu Tränen rührt. Es ist die absolute Ausnahme geworden, dass der Sport solche Emotionen wecken kann. Dass halb Deutschland von einer Kür im Eiskunstlaufen redete, hatte es vor dem Triumph von Südkorea zuletzt 1988 gegeben. Katarina Witt bewegte sich damals in Calgary derart grazil als „Carmen“ über das Eis, dass die Zuschauer in der Halle zunächst vor Bewunderung stumm blieben.

Im März 2018 wurden Savchenko und Massot in Mailand auch noch zum ersten Mal gemeinsam Weltmeister. Inzwischen machen sie Dienst am Publikum bei Eislaufshows. Die in Oberstdorf lebende Sportlerin sagt zum Mangel im Nachwuchs im deutschen Eiskunstlauf: „Eiskunstlauf in Deutschland wird nicht unterstützt. Die Grundlage ist, dass man von klein auf keine Unterstützung kriegt.“ Savchenko will 2022 in Peking noch einmal angreifen, ohne Bruno Massot, der hat Rückenbeschwerden. Aber was auch noch kommt, die beiden haben, wie Savchenko sagt, „eine wunderschöne Geschichte geschrieben“. Claus Vetter

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