Sport : Schalke setzt sich ab

Der Tabellenführer gewinnt das Spitzenspiel gegen Stuttgart 1:0 und kommt dem Titel näher

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Mirko Slomka hatte schon zwei Tage vor dem Anpfiff hoch gewonnen: einen neuen Zweijahresvertrag als Cheftrainer des FC Schalke 04 mit einem deutlichen Aufschlag beim Gehalt. Dem Verhandlungserfolg des Fußball-Lehrers folgte ein Sieg auf dem Rasen – der erste nach vier erfolglosen Versuchen. Beim 1:0 über den VfB Stuttgart behauptete Schalke dank eines Tores von Verteidiger Mladen Krstajic seine Position als Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. Die Schwaben besitzen bei nun sieben Punkten Rückstand auf die Spitze nur noch geringe Chancen auf den Titel.

Es bleibt bei dem, was Slomka schon vor dem Anpfiff gesagt hatte: „Wir sind der Titelfavorit.“ Werder Bremen indes könnte die Spannung erhalten und den Abstand zu den Westfalen mit einem Sieg über Mainz 05 an diesem Sonntag wieder auf drei Zähler verkürzen. „Es war ein richtungweisendes Spiel“, sagte der Trainer des Spitzenreiters nach dem Schlusspfiff. „Aber wir haben Werder Bremen weiter im Nacken und sollten auch die Bayern noch nicht abschreiben.“ Sein Stuttgarter Gegenüber Armin Veh hat sich die höchsten Ambitionen offenbar aus dem Kopf geschlagen. „In acht Spielen ist noch alles drin für uns – wenn auch nicht die deutsche Meisterschaft. Aber ich hoffe, dass wir unseren dritten Platz verteidigen können.“

Vor 61 482 Zuschauern in der ausverkauften Arena trafen zwei Spitzenmannschaften aufeinander, die länger nicht mehr gewonnen hatten. Die Westfalen hatten zuletzt nur zwei von zu vergebenden zwölf Punkten erreicht und daheim sogar zweimal nacheinander verloren. Dennoch wollten sie keine Krise eingestehen, sondern allenfalls einen Hänger, den jede Mannschaft im Laufe einer Saison zu überstehen habe.

Schalke eröffnete die Partie mit einem frühen Warnschuss von Mesut Özil, der aus sechs Metern Entfernung knapp über das Ziel hinausschoss. Doch es war noch nicht das Zeichen zum Aufbruch. Stuttgart war gewarnt, aber nicht eingeschüchtert. Während der ersten halben Stunde kickten die Schwaben gefälliger und kombinierten präziser als die Schalker. „Wir wollten hier gewinnen“, sagte Veh. Das war seinem Personal anzusehen – allerdings nur bis zum Strafraum; eine zwingende Chance sprang beim Stuttgarter Bemühen in der ersten Hälfte nicht heraus. Auf der Gegenseite benötigten die Schalker dreißig Minuten, um in die richtige Spur zu finden. Bis zur Pause gelang es ihnen, weitere gute Möglichkeiten herauszuarbeiten. Zlatan Bajramovic zwang Torhüter Timo Hildebrand zu einer prächtigen Abwehrreaktion, ehe der Schlussmann auch einen Kopfball von Kevin Kuranyi parierte.

Mit Beginn der zweiten Hälfte wurden die Stuttgarter energischer und stellten im Nu bei der Zahl der Chanchen den Gleichstand her, ohne allerdings zu treffen. Thomas Hitzlsperger zielte zwar ein wenig genauer als seine Mitstreiter Magnin und Cacau, traf aber nur den Innenpfosten. Ricardo Osorio bot auch dem Schalker Schlussmann Manuel Neuer die Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Das Spiel war nun ausgeglichen, und es schien, als sollte am Ende die Null als kleinster gemeinsamer Nenner stehen.

Doch dann ging Mladen Krstajic, der Mann mit dem Karbonpanzer um die verletzten Rippen, aus der Abwehr mit nach vorn – und schoss das Tor des Tages. Der Serbe nutzte einen Abpraller aus drei Metern zum 1:0, nachdem Hildebrand den Ball nach einer Ecke in bedrängter Position nicht zu fassen bekommen hatte. Auf der anderen Seite hielt Neuer bei Khediras letztem Versuch den Sieg fest. Und gab Schalke, rechtzeitig vor dem Auswärtsspiel beim FC Bayern, wieder das Gefühl, ein richtiger Tabellenführer zu sein.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben