Sport : Schalke tritt auf der Stelle

Der Tabellenführer verliert zum zweiten Mal hintereinander zu Hause, diesmal 0:2 gegen Hamburg

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Vor dem Treffen mit den alten Freunden aus Gelsenkirchen hatte Huub Stevens, der Trainer des Hamburger SV, etwas Nettes gesagt: „Schalke wird Meister, egal wie unser Spiel ausgeht. Davon bin ich hundertprozentig überzeugt.“ Stevens und seine aktuelle Mannschaft trugen in der ausverkauften Schalker Arena maßgeblich dazu bei, dass mancher diese Überzeugung nicht mehr teilt. Nach Toren von Rafael van der Vaart (71. Minute) und Ivica Olic (80.) fügte der HSV dem Tabellenführer der Fußball-Bundesliga die zweite Heimniederlage innerhalb fünf Tagen zu. Schalke bleibt nach dem 0:2 (0:0) zwar an der Spitze; der Vorsprung könnte heute aber auf einen Punkt schrumpfen, falls der VfB Stuttgart in Leverkusen gewinnt. Für den HSV war es der vierte Sieg nacheinander.

Stevens und Torwart Frank Rost, der in der Hinrunde noch für Schalke gespielt hat, waren ohne große Emotionen an ihrem einstigen Arbeitsplatz empfangen worden. Die Schalker Fans hatten andere Sorgen, als sich mit den beiden Ehemaligen auseinander zu setzen. Ihr Hauptinteresse galt anderen Fragen: Wie würde der Spitzenreiter die erste Heimniederlage der Saison verkraftet haben? Wie würde die Mannschaft ohne Regisseur Lincoln zurechtkommen, der wegen einer Tätlichkeit für fünf Spiele gesperrt worden war? Der Trainer glaubte die Antwort schon vor dem Anpfiff zu kennen. „Wir haben keine Angst“, behauptete Mirko Slomka.

So sah es zunächst auch tatsächlich aus. Obwohl ihnen vier Stammkräfte fehlten, stürzten sich die Schalker furchtlos ins Geschehen, aber auch ohne Fortune und große Geistesblitze. Mittelfeldspieler Hamit Altintop kam einem Erfolgserlebnis in der ersten Hälfte am nächsten; beim Freistoß des Türken gab sich Rost erstmals als richtiger Hamburger zu erkennen: Er lenkte den Ball in der neunten Minute gegen den Pfosten. Danach brauchte der Torhüter des HSV für lange Zeit nicht einzugreifen. Verteidiger Rafinha schoss von der Strafraumgrenze knapp über das Ziel hinaus. Die Schalker drangen nur selten so gefährlich in den gegnerischen Strafraum vor wie beim Kopfball von Fabian Ernst, der über das Tor flog. Ohne Lincoln offenbarte das Schalker Mittelfeld einen Mangel an Ideen.

Der HSV kombinierte bei seinen Gegenstößen zwar zuweilen gefällig, kam aber in der ersten Hälfte nur selten in die Nähe des Schalker Tores. Die erste Chance bot sich den Hamburgern erst kurz vor der Pause. Nachdem van der Vaart sich am Strafraumeck durchgesetzt hatte, vermochte Alexander Laas seine gute Schussposition nicht zu nutzen. Sonst wurde die Schalker Abwehr wenig gefordert. Verteidiger Mladen Krstajic konnte sich in Ruhe an den Karbonpanzer gewöhnen, der es ihm ermöglichte, trotz eines Rippenbruchs am Spiel teilzunehmen.

In der zweiten Halbzeit ließ die Qualität des Spiels weiter nach. Die Angriffe des Spitzenreiters blieben zumeist im Versuch stecken; auf den Rängen machte sich allmählich Ungeduld breit. Zwei Kopfbälle von Kuranyi und ein Distanzschuss von Ernst vermochten den HSV nicht einzuschüchtern. Dann erlebten die Schalker ein Déjà-vu. Wie fünf Tage zuvor gegen Leverkusen gerieten sie in Rückstand. Van der Vaart schloss einen der wenigen Vorstöße seiner Elf mit dem 0:1 ab. Der Hamburger Kapitän profitierte von einem Doppelfehler der Schalker Rodriguez und Ernst, die beide den Ball unterlaufen hatten. Spätestens nach dem Rückstand wurden die Hausherren hektisch und nervös. Und es kam noch schlimmer für den vergeblich anrennenden Tabellenführer. Knapp zehn Minuten nach dem ersten Tor versetzte Olic dem Favoriten bei einem Konter mit dem Tor Treffer zum 0:2 den entscheidenden Schlag. Die Fans der Schalker riefen trotzig: „Spitzenreiter, Spitzenreiter!“ Noch haben sie Recht. Aber wie lange noch?

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