Schalke verliert erneut : Huub Stevens' Comeback misslingt

Nach dem 0:1 gegen RB Leipzig rutscht der FC Schalke 04 in der Tabelle auf den 15. Platz ab. Die Fans danken Ex-Trainer Domenico Tedesco.

Verzweifelte Retter. Huub Stevens (l.) und Mike Büskens starten ihre Mission mit einer Niederlage.
Verzweifelte Retter. Huub Stevens (l.) und Mike Büskens starten ihre Mission mit einer Niederlage.Foto: Bernd Thissen/dpa

Der Fußball schreibt manchmal Geschichten, die sind selbst dem Fußball zu schön, um wahr zu sein. Beim Trainer-Comeback von Huub Stevens in der Schalker Arena waren nicht einmal 90 Sekunden gespielt, als der zuletzt nicht berücksichtigte Sebastian Rudy einen perfekten Pass in die Schnittstelle der Leipziger Viererkette spielte. Mark Uth, zuletzt von Stevens’ Vorgänger Domenico Tedesco aus dem Kader verbannt, war der Adressat, und er schloss den ersten Angriff des Spiels zum 1:0 für den FC Schalke 04 ab. Aber, wie gesagt: zu schön, um wahr zu sein. Uth stand mit einem Fuß im Abseits, der Treffer zählte nicht. Die Realität für die Schalker fällt auch unter Stevens alles andere als schön aus. Am Samstag unterlagen sie Rasenballsport Leipzig 0:1 (0:1).

Neben Uth und Rudy hatte Stevens bei seinem ersten Spiel als Schalke-Trainer nach 2282 Tagen noch zwei weitere Veränderungen vorgenommen: Unter anderem musste Torhüter Ralf Fährmann seinen Platz nach der 0:7-Niederlage bei Manchester City wieder für Alexander Nübel räumen. Die Mannschaft reagierte nach dem Debakel in der Champions League so, wie man es idealerweise nach einem Trainerwechsel erwartet: Sie trat mit deutlich mehr Entschlossenheit und Engagement auf als zuletzt.

Klare Chancen erspielt sich Schalke kaum

„Danke Domenico“, stand auf einem riesigen Transparent, das am Zaun vor der Schalker Nordkurve hing. Domenico Tedesco aber hatte nicht mehr den Eindruck gemacht, als könnte er den Absturz noch stoppen. Zuletzt hatte es fünf Pflichtspielniederlagen hintereinander gegeben. Also baten die Schalker ihren Aufsichtsrat Stevens, inzwischen 65 Jahre alt, ein drittes Mal den Job des Trainers zu übernehen. „Ich hätte lieber nicht hier gestanden“, sagte er vor dem Spiel im Interview mit dem Fernsehsender Sky. „Aber wenn Schalke ruft, kann ich nicht nein sagen.“

Bei Huub Stevens weiß man zumindest, was man bekommt: ehrliche Arbeit und eine gute defensive Ordnung. Also genau das, was der Mannschaft zuletzt gefehlt hatte. Die Gastgeber gingen eifrig zu Werke, verteidigten aufmerksam mit einer Fünferkette, strahlten aber nach vorne wieder einmal nicht allzu viel Gefahr aus. In den jüngsten drei Bundesliga-Heimspielen hatten sie kein einziges Tor erzielt. Abgesehen von Uths Abseitstreffer nach anderthalb Minuten hatte Schalke vor der Pause nur noch eine weitere Chance, erneut durch Uth. Der Nationalspieler stand plötzlich frei vor Leipzigs Torhüter Peter Gulasci, brachte aber weder ausreichend Wucht noch Präzision in seinen Abschluss.

Zu diesem Zeitpunkt führten die Leipziger bereits mit 1:0, und das Zustandekommen des Treffers, eine Verkettung von Schalker Fehlern und Unzulänglichkeiten, war geradezu typisch für eine Mannschaft, die im Abstiegskampf steckt. Salif Sané versuchte sich mit einer Pirouette in der Torverhinderung, Torhüter Nübel faustete dem eigenen Mann Jeffrey Bruma den Ball vom Kopf, Sané schoss Rudy an, und von dessen Oberkörper flog der Ball genau vor die Füße von Timo Werner, der keine Mühe hatte, sein zwölftes Saisontor zu erzielen.

In der zweiten Halbzeit wurde Schalker mutiger und dominanter. Allerdings stand Leipzigs Defensive, die beste der Bundesliga, sicher. Vor allem Ibrahima Konaté, der es meist mit Breel Embolo zu tun bekom, war für die Schalker ein unüberwindliches Hindernis. Stevens reagierte früh, brachte schon nach einer Stunde den jungen Stürmer Ahmed Kutucu für Mittelfeldspieler Rudy und knapp 15 Minuten später mit Guido Burgstaller einen frischen Stürmer.

Klare Chancen konnten sich die Schalker lange nicht erspielen. Die beste Gelegenheit hatte Mittelfeldspieler Suat Serdar, dessen Schuss aus gut 18 Metern knapp über das Tor ging. Stevens brachte mit Steven Skrzybski kurz vor Schluss einen weiteren Offensivspieler, aber Leipzigs Defensive war für die Schalker an diesem Nachmittag definitiv zu gut. Burgstaller hatte die letzte große Gelegenheit, als er nach einem weiten Einwurf sieben Meter vor dem Tor zum Schuss kam, den Ball aber in Rücklage über das Tor löffelte.

So ging es für die Schalker bei Stevens’ Comeback sogar noch weiter nach unten. Durch Augsburgs Sieg fielen sie auf den 15. Tabellenplatz zurück. Der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt jetzt nur noch drei Punkte. (Tsp)

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