Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus : "Natürlich ist der eigene Anspruch, besser zu sein als die Technik"

Bibiana Steinhaus im Gespräch über Kommunikation und Training von Fußball-Schiedsrichtern und Videoassistenten sowie die gesteigerte Transparenz.

Entscheidend ist auf dem Platz. Videoassistentin Bibiana Steinhaus im Kölner Keller.
Entscheidend ist auf dem Platz. Videoassistentin Bibiana Steinhaus im Kölner Keller.Foto: Oliver Berg/dpa

Seit 2017 ist Bibiana Steinhaus Schiedsrichterin in der Fußball-Bundesliga. Seit 2017 werden Videoassistenten in der Bundesliga eingesetzt. Als Schiedsrichterin kennt Steinhaus die Bundesliga also gar nicht ohne den Videobeweis. "Natürlich", sagt die 40-Jährige, "ist der eigene Anspruch, besser zu sein als die Technik".

Allerdings sei der Schiedsrichter auf dem Platz nur so gut, wie er vom Videoassistenten im Kölner Keller unterstützt werde. Damit ein möglichst eingespielter Ablauf gewährleistet werden kann, gehe die Tendenz zu festen Teams – wie auch bei Schiedsrichtern und Assistenten auf dem Platz. "Wir haben aber alle die gleiche Ausbildung genossen", sagt Steinhaus. Deshalb dürften ihrer Ansicht nach auch wechselnde Teams kein Problem sein. Steinhaus gibt aber auch ganz offen zu: "Wir stehen alle am liebsten auf dem Platz."

Außerdem sprachen wir mit Bibiana Steinhaus über…

… die Unterschiede zwischen den Aufgaben als Schiedsrichter und Videoassistent:
Die Aufgabe als Schiedsrichter ist immer sehr anspruchsvoll. Wichtig ist, dass wir alle genau um unsere Aufgaben wissen und die exzellent erfüllen. Dass wir die Bereiche, in denen sich unsere Aufgaben überschneiden kommunikativ möglichst gut lösen, um zu einer korrekten Entscheidung zu kommen.

… über die Bedeutung der Kommunikation:
Wir haben in den vergangenen Jahren gesehen, dass eine gute Kommunikation unabdingbar ist, dass es wichtig ist, dass die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Videoassistent ganz eng und detailliert stattfindet. Und diese Kommunikationswege werden explizit geschult, da werden wir auch beraten von externen Kommunikationsstrategen, um die bestmögliche Kommunikation in kürzester Zeit zur Lösung der Situation herbeizurufen.

… über das Training der Kommunikation:
Es ist ja wie so häufig im Leben: Besonders viel Übung hilft, um immer besser zu werden – in den Prozessen, in den Abläufen. Wir haben jetzt zwei Jahre lang viele Spiele begleitet, sowohl im Offline- als auch im Livebetrieb. Und diese Übung hilft wirklich sehr, möglichst schnell herauszukristallisieren, wonach ich schauen muss und welche Bilder mir zur Verfügung stehen. Aus welchem Winkel lohnt es sich für den Videoassistenten, da draufzuschauen, um ein möglichst ganzheitliches Bild zu zeichnen, die er dem Schiedsrichter auf dem Feld zur Unterstützung anbieten kann.

… über die Kompetenzen von Schiedsrichter und Videoassistent:
Es ist ganz wichtig, dass wir uns immer wieder vergegenwärtigen, dass der Schiedsrichter auf dem Platz derjenige ist, der entscheidet. Wir alle – Assistenten, der vierte Offizielle und die Videoassistenten – nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen den Schiedsrichter bei seiner Entscheidungsfindung. Aber die letzte Entscheidungsgewalt liegt immer beim Schiedsrichter.

… über die gesteigerte Transparenz:
Zur Weiterentwicklung des Videoassistenten zählt ja auch der Dreier-Screen, durch den der Zuschauer erkennen kann, was der Schiedsrichter macht, was der Videoassistent macht und – ganz wichtig – welche Szene die beiden sich gerade gemeinsam anschauen. Dadurch nehmen wir den Zuschauer in den Livebetrieb mit hinein, er rutscht sozusagen in die Position des Schiedsrichters.

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