Schlüsselspiel für Hertha : Ante Covic ist in Augsburg zum Siegen verdammt

Hertha BSC muss in Augsburg endlich zeigen, was das Team kann. Noch bleibt der Klub ruhig. Doch es geht längst auch um die Zukunft von Trainer Ante Covic.

Louis Richter
Er muss liefern. Herthas Trainer Ante Covic steht in Augsburg unter Druck.
Er muss liefern. Herthas Trainer Ante Covic steht in Augsburg unter Druck.Foto: dpa

Als sich Ante Covic am 1. Juli 2019 als Cheftrainer von Hertha BSC vorstellt, strahlt er. Man merkt dem gebürtigen Berliner an, dass dieser Tag ein großer für ihn ist. Einige Angebote von Zweitligisten hat der langjährige Coach von Herthas U-23-Mannschaft abgelehnt, wie er erzählt – im Glauben, es eines Tages bei Hertha bis ganz nach oben schaffen zu können. „Ich durfte hier als Spieler vor der Kurve spielen und es gab nichts Größeres für mich, als das eines Tages in einer anderen Funktion zu wiederholen“, sagt er. Covic kündigt aktiven und attraktiven Fußball an, er will die „jungen Spieler von der Leine lassen“. Und er sagt einen Satz, der vier Monate später an Gewicht gewonnen hat. Jetzt, da Covic erstmals eine sportliche Misere moderieren muss: „Wo andere Risiken sehen, sehe ich die Chancen.“ Covic ist Optimist. Er glaubt an das, was er tut.

Nicht wenige Beobachter sehen in Herthas Auswärtsspiel beim FC Augsburg am Sonntag (15.30 Uhr/live bei Sky) nun aber bereits die letzte Chance für Covic, die sportliche Trendwende einzuleiten, bevor das knallharte Restprogramm der Hinrunde mit Spielen gegen Gegner ansteht, die allesamt unter den ersten Zehn der Tabelle zu finden sind. „Wir haben ausreichend Geld, aber zu wenige Punkte“, sagte Herthas Präsident Werner Gegenbauer zum Abschluss der Mitgliederversammlung Anfang November, bei der zahlreiche Mitglieder Covic stark kritisierten, vereinzelte sogar dessen Rauswurf forderten.

Eine klare Weiterentwicklung ist noch nicht zu erkennen

Die Ausführung von Gegenbauer veranschaulicht Herthas Dilemma: Anderthalb Monate, nachdem Covic zu Herthas Cheftrainer ernannt worden war, stieg Lars Windhorst bei den Berlinern ein. Das einstige Wirtschaftswunderkind investierte bislang 225 Millionen Euro in den Klub, die mit entsprechenden Erwartungen verbunden sind. In der „Bild am Sonntag“ sagte er: „Unser klares Ziel ist es, dass Hertha in den nächsten Jahren in Deutschland und Europa ein Spitzenklub wird.“ Mit Jürgen Klinsmann installierte Windhorst jüngst einen Experten im Aufsichtsrat der Kommanditgesellschaft, der die sportliche Entwicklung Herthas genau beobachten und Lars Windhorst beraten soll. Anders als beim Geschäft mit dem vorherigen Investor KKR schaut der aktuelle Geldgeber genau hin, was mit seinem Geld passiert. Wirtschaftliche Profite lassen sich im Fußball eben fast ausschließlich durch sportlichen Erfolg erzielen.

Hertha will in Zukunft hoch hinaus, steckt in der Gegenwart aber im Abstiegskampf der Bundesliga fest. Dieses Ungleichgewicht wiegt schwer. Und es mehren sich die Zweifel daran, ob Ante Covic der richtige Mann ist, um die Verhältnisse wieder gerade zu rücken. Denn nach nun elf Spielen ist die Philosophie des Trainers nur in Ansetzen zu erkennen. Zuletzt verlor Hertha drei Spiele am Stück, darunter auch die auffallend mutlose Darbietung im Derby beim 1. FC Union. Siege gab es bislang nur gegen die schlechter platzierten Mannschaften aus Paderborn, Köln und Düsseldorf.

Die Berliner kassierten bislang zu viele einfache Gegentore, ließen in einigen Spielen die geforderte Kreativität vermissen und reagierten oft eher auf den Gegner, als ihn aktiv zu bespielen. Auf nur 42 Prozent Ballbesitz kommt Hertha unter Covic bislang, in der vergangenen Saison waren es durchschnittlich immerhin noch 47,4 Prozent. In den bisherigen Heimspielen dieser Saison kommt Hertha sogar nur auf 38 Prozent Ballbesitz. Es fehlt die Konstanz in den Ergebnissen und im Personal, eine erfolgsversprechende Stammelf wurde noch nicht gefunden. Eine klare Weiterentwicklung der Mannschaft ist noch nicht zu erkennen.

Viele Chancen, schöne Tore - so könnte er aussehen, der Covic-Fußball

Nur bei den Siegen gegen Düsseldorf und Köln zeigte Hertha, wie es gehen kann: Die Berliner spielten sich viele Chancen heraus, erzielten schöne Tore und dominierten ihren Gegner. So könnte er aussehen, der Covic-Fußball. Die Leistungen sollten bisher aber eine Ausnahme bleiben. Im Interview mit „t-online“ sagte Covic nun über seine Pläne: „Ich habe eine gewisse Idee, wie ich am liebsten Fußball spielen lassen möchte. Aber die ist immer auch abhängig von der Qualität der Spieler, die du in deinen eigenen Reihen hast. Es gibt Spielertypen, mit denen du bestimmte Sachen machen kannst, mit anderen wiederum nicht.“ Eine Aussage, die mit Blick auf Herthas zwar jungen, aber durchaus hochveranlagten Kader mindestens unglücklich wirkt.

Er hat noch Geduld. Michael Preetz unterstützte seinen Wunsch-Trainer Ante Covic zuletzt erneut öffentlich.
Er hat noch Geduld. Michael Preetz unterstützte seinen Wunsch-Trainer Ante Covic zuletzt erneut öffentlich.Foto: dpa

Dass das Spiel in Augsburg für Covic bereits ein Endspiel sein könnte, davon will zumindest Michael Preetz nichts wissen. Der Manager betonte erst am Freitag erneut, dass der Trainer ausreichend Zeit erhalte, auch bei einer Niederlage. Doch Preetz, der sich bei der Mitgliederversammlung reichlich Kritik für seine Wahl von Ante Covic anhören musste, weiß auch, dass die Uhr tickt. Lars Windhorst will für sein Geld Erfolge sehen, keinen Abstiegskampf. Dessen Einfluss auf die sportlichen Entscheidungen redeten sie bei Hertha zuletzt zwar klein, in der Bringschuld scheinen sie dennoch zu stehen. Angesprochen darauf, ob Ante Covic auch in dieser schwierigen Situation eher die Chance als das Risiko sehen würde, sagte er vor dem Spiel: „Ich bin der Letzte, der auf sich schaut. Es geht um uns alle, als Verein, dort erfolgreich zu sein, damit wir schnellstmöglich so viele Punkte sammeln wie möglich.“

Ante Covic wirkt noch immer optimistisch, er macht einen überzeugten Eindruck. Spricht er über seine Mannschaft, tut er das mit Leidenschaft. Das, was er tut und woran er glaubt, muss nun aber aufgehen. Auch zu seinem Wohl.

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