• Schon „90 Prozent des Optimums erreicht“: So peilt Karl Geiger den Sieg bei der Vierschanzentournee an

Schon „90 Prozent des Optimums erreicht“ : So peilt Karl Geiger den Sieg bei der Vierschanzentournee an

Karl Geiger hat beste Chancen, als erster deutscher Skispringer nach Sven Hannawald die Tournee zu gewinnen. Der Bundestrainer erklärt, wie es klappen soll.

Erik Otto
Schöne Aussicht: Karl Geiger macht den deutschen Skisprungfans derzeit richtig Spaß.
Schöne Aussicht: Karl Geiger macht den deutschen Skisprungfans derzeit richtig Spaß.Foto: Daniel Kamann/dpa

Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher saß am Donnerstag allein bei der Pressekonferenz im holzgetäfelten Speisesaal des Hotels Isserwirt in Lans. Sein großer Hoffnungsträger Karl Geiger hatte am zweiten Ruhetag dieser 68. Vierschanzentournee komplett frei bekommen. Um nach seinen glanzvollen zweiten Plätzen bei den beiden Heimspringen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen emotional herunterzufahren und Kraft für den zweiten Teil dieses stressigen Skisprung-Grand-Slams zu sammeln.

6,3 Punkte – das sind umgerechnet nicht einmal vier Meter – liegt er bei Tournee-Halbzeit hinter dem Japaner Ryoyu Kobayashi. Die Chancen auf den ersten deutschen Tournee-Gesamtsieg seit Sven Hannawald vor 18 Jahren sind so gut wie lange nicht mehr.

„Kobayashi führt? Das beschäftigt mich nicht“

Darüber reden wollte Horngacher mit Blick auf die noch ausstehenden Springen in Innsbruck (Samstag) und Bischofshofen (6. Januar) aber nicht so recht. Stattdessen sorgte er für einige Lacher, als er den Eindruck erwecken wollte, nicht über den Zwischenstand in der Tournee-Gesamtwertung informiert zu sein. „Kobayashi führt? Das beschäftigt mich nicht. Ich will nicht spekulieren, sondern Fakten schaffen“, sagte der 50 Jahre alte Skisprung-Cheftrainer.

So wie es ihm in seiner Zeit als polnischer Trainer mit seinem Musterschüler Kamil Stoch bei den Tournee-Gesamtsiegen 2017 und 2018 gelungen ist. Die Situation von Geiger heute könne man durchaus mit den damaligen Triumphen vergleichen: „Wir sind die Dinge ähnlich angegangen, und die ganze Sache hat einen ähnlichen Verlauf genommen.“

Karl Geiger hat in diesem Winter zwar noch nicht gewonnen, aber nach vier Podestplätzen im laufenden Weltcup ist der erste Sieg für Horngacher nur noch eine Frage der Zeit: „Karl war für mich schon in Garmisch-Partenkirchen der beste Skispringer. Er hatte nur Windpech – deshalb sah das auf dem Papier anders aus. Wenn er so weitermacht, gewinnt der Karl irgendwann sicher.“ Innsbruck könnte der perfekte Platz dafür sein: Dort gewann er vor zehn Monaten bei der Weltmeisterschaft Gold mit der Mannschaft und Silber im Einzel.

Das deutsche Team feilt an jedem Detail

„Natürlich ist die Weltmeisterschaft noch präsent. Dort hat das ganze Team Außergewöhnliches geleistet. Das ist im Kopf“, sagt Horngacher hoffnungsvoll. Bei Ryoyu Kobayashi könnte dagegen Platz vier von Garmisch-Partenkirchen nachwirken – es war die erste Niederlage nach zuvor fünf Einzelsiegen bei der Vierschanzentournee.

„Ryoyu ist bei der Tournee noch nicht so im Flow wie letzten Winter. Er muss Skispringen momentan arbeiten“, sagt sein neuer österreichischer Heimtrainer Richard Schallert. Horngacher will zur aktuellen Form von Konkurrent Kobayashi gar nichts sagen – er redet nur über Dinge, die er selbst beeinflussen kann: „Wir müssen schauen, dass sich der Karl topfit präsentiert.“

Noch führt und lacht er: Der Japaner Ryoyu Kobayashi wurde beim zweiten Springen in Garmisch nur Vierter. Sein Vorsprung auf Karl Geiger ist gering.
Noch führt und lacht er: Der Japaner Ryoyu Kobayashi wurde beim zweiten Springen in Garmisch nur Vierter. Sein Vorsprung auf Karl...Foto: Daniel Kamann/dpa

Dafür ist in den letzten Monaten an jedem Detail gefeilt worden. Karl Geiger springt zum Beispiel als einziger aktueller Topathlet im deutschen Team mit einem Vollgesichtshelm mit Wangenschutz – das bringt zwar kaum aerodynamische Vorteile, aber ein besseres Flug- und Hörgefühl. Auch die Anfahrtsposition hat Geiger verbessert und kann deshalb besser abspringen. Laut Horngacher habe er in Garmisch-Partenkirchen schon „90 Prozent des Optimums erreicht“.

Bleibt also noch Luft nach oben für Innsbruck. An der Stimmung wird es jedenfalls nicht scheitern – bei den beiden deutschen Tournee-Heimspringen waren die Gastgeber jeweils die beste Nation. Der dreimalige Weltmeister Markus Eisenbichler als aktueller Sechster der Gesamtwertung sowie Stephan Leyhe, Youngster Constantin Schmid und Pius Paschke (12. bis 14.) steuern auf Top-Gesamtresultate zu.

„Das ist mein Konzept: Nur aus einem starken Team können einer oder mehrere kommen, die außergewöhnliche Leistungen bringen“, sagt Horngacher. Diese Gelassenheit hat er derzeit besonders auf Geiger übertragen. Er denke einfach nicht an den möglichen Tournee-Gesamtsieg, sagt der 26-Jährige: „Ich denke von Sprung zu Sprung, das hilft mir.“

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