Sieben Bundesliga-Klubs setzen auf neue Trainer : Wir sind die Neuen

Die Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison läuft. Gleich sieben Mannschaften müssen sich dabei auf einen anderen Coach einstellen. Ein Überblick.

Sebastian Behrens
Hört, hört. Ante Covic trainiert jetzt Herthas Profis.
Hört, hört. Ante Covic trainiert jetzt Herthas Profis.Foto: Soeren Stache/dpa

ANTE COVIC (HERTHA BSC): Der Überraschende
Viele waren verwundert, als Herthas Manager Michael Preetz den neuen Cheftrainer der Berliner vorstellte. Mit Pal Dardai musste zuvor ein Ur-Herthaner gehen. Er hatte zwar gute Arbeit geleistet, die Tabellenplätze neun bis zwölf reichen dem Manager mittelfristig aber nicht mehr aus. Hertha BSC und Michael Preetz streben nach Größerem. Es sei das Ziel „die Reichweite zu den internationalen Plätzen zu verringern“, hieß es, nachdem bekannt geworden war, dass Lars Windhorst 125 Millionen in den Verein investiert hat.

Wie passt da Ante Covic ins Konzept, der bisher die zweite Mannschaft verantwortet, aber keine Erfahrung im Profibereich vorzuweisen hat? Hertha hat sich durchaus mit anderen Trainern beschäftigt, jedoch soll Covic Preetz so überzeugt haben, dass letztlich kein anderer mehr in Frage kam. Mit Covic stellt Hertha auf jeden Fall sicher, dass der seit Jahren beschrittene Weg weitergegangen wird. Dabei steht die Ausbildung vielversprechender junger Spieler im Mittelpunkt. Dass der 43-jährige Covic mit Talenten umgehen kann, bewies er bereits während seiner Zeit bei der U 23. Er sagt, er wolle die jungen Spieler „von der Leine lassen“. Mit U-21-Nationalspieler Eduard Löwen und Deishawn Redan (18, Chelsea), stehen zwei neue Spieler bereit, die in dieses Anforderungsprofil passen. Covics Aufgabe wird es sein, sie ins Team zu integrieren und aus dem vorhandenen Potenzial eine erfolgreiche Bundesliga-Mannschaft zu formen.

Auffällig oft greift er im Training in die Übungen ein, erklärt viel, redet mit einzelnen Spielern, vor allem mit den Veteranen Vedad Ibisevic und Salomon Kalou, auf deren Erfahrung es in der nächsten Spielzeit besonders ankommen wird. Bei Spielformen hört man ihn immer wieder von der Seite aus rufen:" Nicht zum Torwart zurück spielen, findet spielerische Lösungen!".

Covic ist ein Verfechter dessen, was oft als „moderner Fußball“ bezeichnet wird: Nach Ballverlusten soll direkt gepresst werden, die Abwehr steht hoch und die Umschaltbewegung in den Angriff erfolgt schnell. Auch gegen vermeintlich große Namen soll sich die Mannschaft nicht verstecken, sondern mutig Covics Spielphilosophie umsetzen. Die starken Auftritte der letzten Saison gegen Bayern, Gladbach, Dortmund und Schalke dürfen hierfür als Lehrbeispiele dienen. Bei Hertha BSC erhofft man sich von Covic also einen neuen Impuls in Richtung Spielkultur, den es so unter dem alten Trainer nicht mehr hätte geben können. Ziel soll es sein, dass die Fans auch nach einer Niederlage zufrieden mit dem Auftritt von Hertha sein können und eine Entwicklung erkennen, die dann langfristig zum Erfolg führt.

ACHIM BEIERLORZER (1. FC KÖLN): Der Ehrliche
Sein Handwerk gelernt hat Achim Berierlorzer bei einem Klub, der nicht bei allen Kölner Fans gut ankommt. Er arbeitete in der Saison 2015/2016 als Co-Trainer von Ralf Rangnick bei RB Leipzig, damals noch in der Zweiten Liga. Ein Jahr zuvor hatte der studierte Mathe- und Sportlehrer den Titel des Fußballlehrers erworben, die höchste Trainerlizenz. Und Beierlorzer war der Beste seines Jahrgangs. Dass er sein Wissen auch als Cheftrainer Profimannschaft anzuwenden weiß, bewies er zuletzt bei Zweitligist Jahn Regensburg, wo er trotz verhältnismäßig geringer Mittel sogar um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielte. Der 51 Jahre alte Coach formte in Regensburg eine offensivstarke Mannschaft, die in der vergangenen Saison unter anderem den Hamburger SV und seinen neuen Arbeitgeber aus Köln bezwang.

Breit machen, bitte. Kölns frischer Taktikgeber ist Achim Beierlorzer.
Breit machen, bitte. Kölns frischer Taktikgeber ist Achim Beierlorzer.Foto: dpa

Klar, dass sich nach einer solchen Bilanz auch Klubs aus der höchsten Spielklasse für ihn interessierten. Der Herausforderung Bundesliga darf sich Beierlorzer nun erstmals beim 1. FC Köln stellen. Der hatte Vorgänger Markus Anfang erst kurz vor Saisonende entlassen, als der Aufstieg des FC schon so gut wie feststand. Doch ergebnisbezogener Erfolg allein reicht eben nicht mehr, wie das Beispiel Anfang zeigt. Es muss auf allen Ebenen stimmen, um nachhaltigen Erfolg zu haben. So hoffen die Verantwortlichen jetzt, dass der neue Trainer vor allem die zuletzt verlorengeglaubte Nähe zu den Spielern wiederherstellen kann. Armin Veh, der als Geschäftsführer Sport hauptverantwortlich für Beierlorzers Einstellung war, lobt dessen „authentische Ausstrahlung“. Beierlorzer selbst spricht gerne über die Wichtigkeit einer guten Kommunikation mit seinen Spielern und pflegt ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Profis, wie zu hören ist. „Ich will Begeisterung und Freude vorleben“, sagt er.

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