Sieg beim Prix de l’Arc de Triomphe in Paris : Wunder Waldgeist

Der deutsche Galopprennsport erfährt nach dem Sieg des Hengstes in Paris große Wertschätzung. Dabei hatten viele Experten Waldgeist bereits abgeschrieben.

Ulrich Nickesen
Gut gelaufen. Der französiche Jockey Pierre-Charles Boudot und Waldgeist nach dem gemeinsamen Triumph beim Rennen in Paris.
Gut gelaufen. Der französiche Jockey Pierre-Charles Boudot und Waldgeist nach dem gemeinsamen Triumph beim Rennen in Paris.Foto: GEOFFROY VAN DER HASSELT/AFP

Es wird ja viel und gern auch mal negativ über die Leistungen im deutschen Galopprennsport diskutiert. Es ist ja auch oft so, dass die Zucht aus Deutschland nicht unbedingt in der Weltspitze mitlaufen kann. So betrachtet gab es am Sonntag einen kleinen Erdrutsch im Galopprennsport. Der fünfjährige Hengst Waldgeist vom Gestüt Ammerland am Starnberger See, im Besitz von Dietrich von Boetticher und Andreas Jacobs (zu einem Viertel), triumphierte im immer noch bedeutendsten und prestigeträchtigsten Galopprennen der Welt – dem Prix de l’Arc de Triomphe in Paris-Longchamp.

Alles schien am Sonntag für den ersten Hattrick in der Geschichte des Prix Arc zu sprechen. Jockey-Star Lanfranco Dettori hatte im Teilnehmerfeld alles richtig gemacht, als es auf die letzten 300 Meter der klassischen 2400-Meter-Distanz ging. Er hatte die Ausnahmestute Enable an die Spitze beordert und schien Geschichte zu schreiben, doch dem Endspurt von Waldgeist konnte er nichts mehr entgegensetzen. Es ging ein Raunen durch die Zuschauerränge. Das tat ihnen weh, den vielen Fans, die angereist waren, um Enable siegen zu sehen.

Ausgerechnet Waldgeist – der Hengst, den viele schon abgeschrieben hatten, weil er offensichtlich nicht über die erforderliche Geschwindigkeit zum Ende eines Rennens hin zu verfügen schien. Sein Trainer Andre Fabré, der den „Arc“ zum achten Mal gewann, hatte es aber vorher schon angekündigt: „Waldgeist ist in diesem Jahr in bestechender Form und hat sich kontinuierlich gesteigert.“ Jockey Pierre-Charles Boudot hatte spätestens seit dem dritten Platz in Ascot an einen Sieg von Waldgeist geglaubt: „Seit diesem Tag war ich sogar sicher, dass es beim Arc klappen würde“, sagt er.

Der aufgeweichte und kräftezehrende Boden war für viele Galopper ein großes Handicap, wohingegen Waldgeist eher in seinem Element zu sein schien. Dass er bärenstark ist, wusste man, dass er aber nun neben der Ausdauer auch noch den erforderlichen Speed entwickelte, war beeindruckend und letztlich siegentscheidend. Eine besondere Genugtuung war der Sieg vor allem für Mitbesitzer Dietrich von Boetticher. Er hatte 2005 Hurricane Run wenige Wochen vor dessen Sieg in Paris verkauft, das war seine „schmerzlichste Entscheidung“ , wie er heute sagt. 14 Jahre später aber hat er nun mit seinem Hengst triumphiert. „Man versucht immer, dieses Rennen zu gewinnen und in Zusammenarbeit mit Andreas Jacobs hat sich nun der Erfolg eingestellt“, sagt Boetticher. „Unsere Geduld hat sich ausgezahlt.“ Wortwörtlich: Immerhin gewann Waldgeist auch noch ein stolzes Preisgeld in Höhe von 2.857.000 Millionen Euro.

Der deutsche Ausnahmehengst steigerte seine Gesamtgewinnsumme auf nunmehr 4,3 Millionen Euro und wird nun wahrscheinlich direkt in die Zucht wechseln, dessen guten Ruf Waldgeist mit seinem Sieg bestätigte: Der deutschen Vollblutzucht wird höchstes internationales Niveau zugeschrieben.

Über allem aber steht der sportliche Erfolg von Waldgeist: Nach Star Appeal im Jahr 1975, Hurricane Run (2005), Danedream (2011) und nun Waldgeist stellt die deutsche Zucht schon zum vierten Mal den Sieger beim Rennen von Paris-Longchamp. Diese Zahlen belegen, dass Waldgeist am Sonntag Geschichte geschrieben hat.

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