Sieg beim Traber-Derby in Mariendorf : Rick Ebbinge ist der Kontrollierte

Rick Ebbinge hat Deutschlands wichtigstes Trabrennen nach einem spektakulären Schlussspurt gewonnen. Trotzdem bleibt er erstaunlich sachlich.

Heiko Lingk
Velten Von Flevo gewann mit Rick Ebbinge hauchdünn das 124. Traber-Derby.
Velten Von Flevo gewann mit Rick Ebbinge hauchdünn das 124. Traber-Derby.Foto: imago images / Marius Schwarz

Als sich die Mikrofone und Kameras auf ihn richteten, blieb Rick Ebbinge ruhig und sachlich wie immer. Nur ein kleines Lächeln legte sich auf seine Lippen, als er auf die Frage des Moderators, wie er denn nun den großen Triumph feiern würde, antwortete: „Ich werde erst einmal gucken – denn ich muss morgen schließlich sehr früh aufstehen und arbeiten.“ Sein Statement im Winner-Circle der Mariendorfer Rennbahn verblüffte das Publikum. Denn nur Minuten zuvor hatte der Niederländer vor 13000 Zuschauern das wichtigste Sulkyrennen der Bundesrepublik gewonnen: das mit 207.000 Euro Preisgeld dotierte 124. Deutsche Traber-Derby. Ein Erfolg, den so mancher frühere Sieger in der langen Geschichte des erstmals 1895 ausgetragenen Klassikers nicht nur mit Tränen in den Augen, sondern entsprechend feuchtfröhlich genossen hatte. Doch das ist nicht die Art des 35-jährigen Sportlers. Denn Ebbinge bleibt selbst in den bedeutendsten Momenten seiner Karriere stets beherrscht und hat seine Emotionen jederzeit unter Kontrolle.

Dabei hätte sein Adrenalinspiegel eigentlich ins Unermessliche steigen müssen. Schließlich war das Derby-Finale war so spannend wie noch nie und der Erfolg seines Hengstes Velten von Flevo stand erst nach Auswertung des Zielfotos fest. Nur wenige Millimeter Vorsprung machten den entscheidenden Unterschied. Doch bei der Siegerehrung war Ebbinge von all dem nichts anzumerken, und die dramatischen Ereignisse hatten keine Spuren hinterlassen. Sein Stolz hielt sich in Grenzen, obwohl ihm ein absolutes Meisterstück gelungen war. Denn wenige Meter vor dem Zielpfosten schien Velten von Flevo eigentlich schon geschlagen zu sein. Doch Ebbinge schaffte es – ganz ohne den Einsatz der Peitsche – den Hengst noch einmal neu zu motivieren. Während seine Gegner im Sulky wie wild auf und ab wippten und ihre Traber schonungslos antrieben, um den Holländer doch noch zu bezwingen, schien sich Ebbinges innere Konzentration nahtlos auf sein Pferd zu übertragen.

Auf genau dieselbe Art hatte der in der im Norden der Niederlande gelegenen Provinz Flevoland lebende Sportler im Frühsommer die Weltmeisterschaft gewonnen. In dem Turnier, das sich über 24 Wertungsläufe erstreckt hatte, etablierte sich Ebbinge durch kluge Fahrten nach und nach in der Spitzengruppe und als es im allerletzten Lauf ernst wurde, war er es, der von allen Fahrern die eisernsten Nerven behielt. Doch auch beim Titelgewinn gab er sich so bescheiden, als hätte er selber überhaupt keinen Anteil an dem Erfolg gehabt und alles nur den Pferden zu verdanken. Am Sonntag in Berlin war ihm bei den Fragen der Reportern eigentlich nur eines wichtig: Sigrid Velten und Bernard Johnston zu erwähnen, die beiden Besitzer des siegreichen Hengstes. „Sie tun alles für ihre Pferde und ich gönne den beiden den Erfolg von ganzem Herzen." Das Ehepaar, das sich bei der Ehrung ähnlich gefasst gab wie der Weltmeister, dankte ihm die Worte mit einem innigen Blick.

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