Sixdays in Berlin : Das Sechstagerennen und die ewige Frage nach dem Bier

Am Donnerstag beginnen zum 108. Mal die Sixdays im Berliner Velodrom. Die Veranstalter wollen die Tradition pflegen – auch bei den Getränken.

Beim Berliner Sechstagerennen dreht sich vieles im Kreis - auch abseits der Strecke.
Beim Berliner Sechstagerennen dreht sich vieles im Kreis - auch abseits der Strecke.Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Der hoch aufgeschossene Valts Miltovics räuspert sich kurz und erzählt, was in diesem Jahr alles neu sein wird. Schnell wird klar: Es sind Nuancen, die der Geschäftsführer des am Donnerstag beginnenden Berliner Sechstagerennens verändern will. Aber schließlich geht es beim ältesten Bahnradrennen der Welt auch darum, dass sich eben nicht viel verändern soll. Daher verwundert auch die erste Frage nicht, die Miltovics am Montag nach seinen Ausführungen gestellt wird: Wie hoch denn der Bierpreis sei.

Dieses Rennen dreht sich seit über einhundert Jahren im Kreis, auf der Bahn und auch ein bisschen daneben. Der Bierpreis ist Jahr für Jahr ein Thema, die Biermarke seit ein paar Jahren auch. Miltovics und seine Mitstreiter von der britischen Madison Sports Group hatten vor zwei Jahren den für echte Fans des ehrlichen Bahnradsports verheerenden Fehler gemacht, tatsächlich etwas verändern zu wollen.

Ein Punkt war, dass über viele Jahre ausgeschenkte Bier einer Berliner Brauerei durch eine Marke aus dem Hause der weltweit größten Brauereigruppe zu ersetzen. Es hagelte Kritik, so manch ein Dauergast des Rennens sah darin sogar eine Respektlosigkeit gegenüber der Geschichte des Rennens. Miltovics nahm sich das zu Herzen. Bei der Pressekonferenz am Montag prangte wieder das Logo der Berliner Marke auf einer Sponsorenwand. „Dieses Bier hat Tradition. Das passt besser zum Berliner Sechstagerennen“, sagte er und bekam zustimmendes Nicken von den etwas betagteren unter den anwesenden Medienvertretern.

"Wir sind auf dem Weg aus der Krise"

Die Herrschaften hatten auch gerne von Miltovics vernommen, dass der kommende Montag eine Art „Schlagermontag“ werde. Möglichst viele Lieder aus der langen Geschichte des Sechstagerennens sollen dann gespielt werden. Allerdings nicht von Livebands, weil Miltovics auf die Kosten achten muss.

Denn obwohl die Sponsorenwand ganz gut bestückt ist, haben die Organisatoren nur einen Etat zwischen 1,3 und 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist nicht gerade üppig bei einer Veranstaltung über sechs Tage in einer Halle wie dem 12 000 Zuschauer fassenden Velodrom und einem Fahrerfeld mit 78 Profis.

„Wir sind auf dem Weg aus der Krise“, ist Miltovics überzeugt. Doch Ähnliches hatten einst auch die Macher der Sixdays in München, Frankfurt oder Dortmund gesagt. Irgendwann aber mussten sie die Traditionsveranstaltungen beerdigen, weil Zuschauer und Geld fehlten. In der Sportstadt Berlin aber hat das Rennen offenbar noch erstaunliche Beharrungskräfte – sollte Miltovics recht haben und zwischen 55 000 bis 58 000 Zuschauer insgesamt das Sechstagerennen besuchen. Und ganz nebenbei: Der halbe Liter Bier kostet in diesem Jahr stattliche fünf Euro, zwischen 17 und 19 Uhr ist er zwei Euro billiger.

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